Frühlingsfreude. In der Kirschblütenallee in Lichterfelde-Süd scheint es den Bäumen gut zu gehen. Das ist nicht überall so. Foto: Kay Nietfeld/dpa
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Kampf gegen Dürre und Fällungen Grüne wollen Berliner Bäume retten

Nicht nur die Trockenheit hat den Berliner Bäumen zugesetzt. Nun fordern die Grünen einen Sommerdienst - und statt Fällungen den Verzicht auf Parkplätze.

Berlin hat eine große grüne Tradition: Zwischen 1870 und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte sich die Stadt dank Straßenbaumpflanzungen zu einem der grünsten deutschen Orte entwickelt. 1903 verzeichnete die Parkverwaltung 70 mit Bäumen bepflanzte Straßenkilometer. Heute stehen an jedem Kilometer Straße durchschnittlich 80 Bäume, alle zwölf Meter einer. Doch die Neupflanzungen sind stark rückläufig.

Im vergangenen Sommer litten die Bäume unter der Dürre. In allen Bezirken wurden 2018 mehr Bäume gefällt als gepflanzt. Die Grünen wollen diesen Trend nun umkehren. „Pflegen, pflanzen und einen besseren Umgang mit Fällungen“ fordert Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel, die mit Umweltpolitiker Turgut Altug einen Elf-Punkte-Plan in Abstimmung mit der Senatsumweltverwaltung erarbeitet hat.

Wenn Berlin die grüne Stadt von heute bleiben will, muss gegengesteuert werden. Aber der Baumbestand nimmt ab. Im vergangenen Jahr wurden, wie die Umweltverwaltung 2018 auf eine Anfrage der Linken mitteilte, rund 7900 Straßenbäume abgesägt, weil sie krank oder morsch waren.

Auch der Hitzesommer 2018 hat den Baumbestand weiter dezimiert. In Berlin gab es 2018 noch rund 440.000 Bäume, die nicht verhungern oder verdursten sollen. Denn der heiße und trockene Sommer 2018 war vor allem für Jungbäume eine Belastung.

Vor dem Hintergrund haben die Berliner Grünen einen Elf-Punkte-Plan vorgestellt, den sie auf ihrem Baumgipfel am Freitagnachmittag im Abgeordnetenhaus diskutieren wollen. Das Papier liegt dem Tagesspiegel vor.

Die Grünen fordern doppelt so viel Geld für Stadtbäume

Neben dem „konsequenten Schutz“ der Bäume fordern die Grünen verbindliche Baumpflegestandards und eine Verdoppelung der Mittel für Stadtbäume. Pro Straßenbaum ist im Doppelhaushalt 2020/2021 ein Budget von 80 Euro jährlich vorgesehen. Das entspricht in etwa einer Verdoppelung.

Allerdings soll das zusätzliche Geld nicht an anderer Stelle zu Lasten der Bezirke eingespart werden. Mit den Bezirken sollen Zielvereinbarungen abgeschlossen werden, damit das Geld den Bäumen zugute kommt. Auch die Grünflächenämter sollen mit ausreichend Personal ausgestattet werden. Konkrete Zahlen stehen in dem Papier aber nicht.

Notfallprogramm Trockenheit mit BSR, Wasserbetrieben, Feuerwehr, Polizei

Um Jungbäume bei ihrem Wuchs zu unterstützen, wollen die Grünen eine zeitliche Ausweitung der Stadtbaumkampagne des Senats von bisher drei auf künftig zehn Jahre. Das soll auch für die Bezirke gelten, die die „Entwicklungspflege“ bei Jungbäumen auf zehn Jahre verlängern sollen.

Bei Trockenheit soll es ein „Notfallprogramm Trockenheit“ mit Hilfe von BSR, Wasserbetrieben, Feuerwehr, Polizei und Bürgern geben. Auf Initiative von Wirtschaftssenatorin und der BSR-Aufsichtsratsvorsitzenden Ramona Pop (Grüne) schickte die BSR im vergangenen Sommer ein „Sonderspülkommando“ auf die Straßen, um den erhitzten Asphalt zu kühlen.

Analog dazu soll laut Grünen künftig ein Sommerdienst unter Einschluss von BRS und Wasserbetrieben eingerichtet werden, damit Grünflächen, Parks und Straßenbäume in Trockenperioden ausreichend gewässert werden.

Mehr Baum- und Baumscheibenpatenschaften

Seit den 1990er Jahren gibt es die Digitalisierung des öffentlichen Grüns in Berlin. Aktuell sind im „Grünflächeninformations- und –Managementsystem“ (Gris) rund 430.000 Straßenbäume und 470.000 Anlagenbäume erfasst. Die Grünen wollen diese Daten über das Geodatenportal Berlin auch den Berliner zur Verfügung stellen. Bisher ist der direkte Zugriff auf das Baumkataster eingeschränkt.

Ferner sollen die Baum- und Baumscheibenpatenschaften ausgeweitet werden. Bisher ist dafür eine Genehmigung der Bezirksämter notwendig. Dabei obliegt es jedem Bezirk Auflagen zu formulieren. Die Grünen wollen einheitliche Standards in Berlin für Patenschaften festlegen, die unkompliziert umgesetzt werden sollen – und zwar in allen Bezirken.

Bäume ab 40 Jahren werden Denkmäler

Altbäume, die älter als 40 Jahre sind, sind als Naturdenkmäler eingestuft: Sie sollen künftig besser gepflegt werden. Konkret machen die Grünen in ihrem Plan dafür keine Vorgaben. In einer Baumstudie sollen die Erweiterungspotenziale für den Baumbestand in Berlin erhoben und ausgewertete werden. Auf Basis dieser Studie soll eine „Baumleitplanung“ für Berlin entwickelt werden. In besonders grünarmen Kiezen sollen „Wäldchen“ mit Bäumen gepflanzt werden.

Die Grünen wollen bis Ende der Legislaturperiode 2021 mit den Bezirken, landeseigenen Firmen und Wohnungsbaugesellschaften und Bürgern 1000 weitere Bäume pro Bezirk in Baumpflanzaktionen pflanzen. Die Fraktion erwartet, dass alle Bezirke die Genehmigungen dafür problemlos erteilen.

In die Planungen soll auch die landeseigene Grün Berlin GmbH miteinbezogen werden. Ob eine „Taskforce Stadtbäume“ dabei hilfreich sein könnte, ist noch nicht entschieden. In jedem Fall soll der Senat laut des „Baumplans“ der Grünen mit allen zwölf Bezirken Zielvereinbarungen für mehr Baumbestand abschließen.

Wer Bäume fällt, muss die gleiche Zahl nachpflanzen

Bei Baumfällungen müssen strenge Richtlinien gelten. Vor allem beim Radwegebau könne man frühzeitig Alternativen suchen, um Fällungen zu verhindern. Deshalb sollen lieber Parkplätze entfernt werden statt Bäume zu fällen. Auch eine Umwidmung einer Fahrspur könnte geprüft werden, um Bäume zu schützen. Die bezirklichen Tiefbauämter sollen für die Erhaltung der Straßenbäume sensibilisiert werden. „Nicht nur in den von uns Grünen mitregierten Bezirken muss das Augenmerk auf jeden einzelnen Baum gerichtet sein“, schreiben die Grünen in ihrem Plan.

Die Grünen fordern eine transparente Kommunikation der Behörden auch mit betroffenen Anwohnern. Das können Hinweisschilder am Ort der beabsichtigen Fällung, aber auch Informationen online über Fällungen sein.

Verstöße gegen die Baumschutzverordnung müssen frühzeitig geprüft werden: Das kann bei privaten Baumaßnahmen schon bei der Bauvoranfrage erfolgen. In der gängigen Praxis aber sind Planungen häufig schon so weit fortgeschritten, so dass Bäume nicht immer geschützt werden können. Wenn Baumfällungen genehmigt werden, müssen in Zukunft zwingend Bäume in der gleichen Zahl nachgepflanzt werden.

Zum Baumgipfel sind die Grünen-Fraktionsvorsitzende Silke Gebel und Turgut Altug, Sprecher für Naturschutz, geladen. Sie haben das Beschlusspapier erarbeitet. Als Gäste werden Stefan Tidow, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr, Clara Herrmann, Bezirksstadträtin aus Friedrichshain-Kreuzberg, erwartet.

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