Die preisgekrönte und ehemals hoch angesehene Johanna-Eck-Schule war 2018 in die Schlagzeilen geraten (Symbolbild). Foto: DPA
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Johanna-Eck-Schule in Tempelhof Senat legt nach bei Rassismus-Vorwürfen

Neue Details aber auch Solidaritätsbekundungen im Streit zwischen der neuen Leiterin und langjährigen Lehrern der preisgekrönten Sekundarschule.

Im Konflikt um angeblichen Rassismus an der Johanna-Eck-Schule gibt es einen neuen Vorwurf, aber auch Solidaritätsbekundungen für das in Misskredit geratene Kollegium. „Es fühlt sich an wie ein Pulverfass", beschrieb ein Lehrer die Stimmung auf einer Besprechung nach Bekanntwerden der Zusammenhänge. Was die Kollegen umtreibe, sei auch die Frage, wer den „Unsinn“ lanciert habe: Vieles deute darauf, dass die Bildungsbehörde „Bild“ und „BZ“ bereitwillig informiert habe, lautet die verbreitete Meinung. Ein Protestbrief aus dem Kollegium ist in Vorbereitung.

Schwere Vorwürfe

Die Boulevardblätter hatten berichtet, dass die von der Bildungsverwaltung entsandte Antidiskriminierungsbeauftragte, deren Vater aus Senegal stammt, von „Teilen des Kollegiums“ rassistisch beleidigt worden sei. Man habe Saraya Gomis, als sie zum Gespräch mit den Lehrern kam, mit Affengebrüll begrüßt. Eine Lehrerin habe zudem ein übles „Diskriminierungsspiel“ zu Gomis’ Einsatz in der Schule entworfen – „für den Ethik-Unterricht“. Schließlich ergänzte die Sprecherin der Bildungsverwaltung gegenüber dem Tagesspiegel, jemand habe aus dem Treppenhaus heruntergespuckt, nachdem Gomis die Schule an einem Morgen betreten hatte. Gomis selbst geht davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt keine Schüler im Haus waren.

Die Antidiskriminierungsbeauftragte wurde geholt

Wie berichtet beharren langjährige Lehrer der Schule darauf, dass sie ein derartiges Verhalten in ihrem Kollegium für kaum vorstellbar halten. Andere weisen darauf hin, dass besagtes „Diskriminierungsspiel“ nicht im Unterricht verwendet worden sei, sondern im Lehrerzimmer ausgelegen habe, weil die – inzwischen versetzte – Lehrerin ihren Ärger über Gomis’ Einsatz habe ausdrücken wollen: Gomis war nämlich an die Schule geschickt worden, weil behauptet wurde, es gebe an der Schule rassistische Diskriminierung – unter anderem gegen die neue türkischstämmige Schulleiterin; ein Vorwurf, den viele Kollegen als „absurd“ bezeichnen.

Ein Manöver der Verwaltung?

Einige Lehrer und Beobachter vermuten hinter der Veröffentlichung der schon etwa ein Jahr zurückliegenden Vorgänge zum jetzigen Zeitpunkt ein „Manöver“ der Verwaltung, um von „Defiziten“ bei der Amtsführung der umstrittenen Leiterin abzulenken, denn die Verwaltung wusste, dass die Berliner Zeitung einen Artikel vorbereitete, der sich mit der Leiterin und mit dem Krisenmanagement der Verwaltung auseinandersetzte.

Auf die Frage, ob das „Spiel“ denn tatsächlich im Unterricht eingesetzt wurde, antwortete die Sprecherin der Bildungsbehörde am Dienstag nicht, sondern erhob einen neuen Vorwurf: Das Spiel sei „Frau Gomis mit einem Affensticker per Post an ihre Privatadresse zugeschickt worden“.

"Empört und entsetzt"

Der Berliner Antimobbing-Experte Michael Retzlaff, ein ehemaliger Kollege der Werner-Stephan-Schule, aus der die Johanna-Eck-Schule hervorging, reagierte am Mittwoch „empört und entsetzt“ auf die „pauschalen Rassismusvorwürfe“. Sie seien ein „Schlag ins Gesicht“ der Kollegen, die die Auszeichnung ’Schule gegen Rassismus’ „in ihrer alltäglichen Schulpraxis vorbildlich gelebt haben“. Auch zwei ehemalige Schüler meldeten sich zu Wort: Ihre Lehrer seien gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung „immer sofort eingeschritten“, schrieben sie an den Tagesspiegel.

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