Silvester in der Notaufnahme: Auch diesmal gab es wieder viele Verbrennung und Handverletzungen. Foto: Marc Müller/dpa
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Jahreswechsel Böllerbilanz: Dutzende Verletzte in Berlin – darunter 13 Kinder

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50 Verletzte behandelte das Unfallkrankenhaus Berlin zum Jahreswechsel. Finger mussten amputiert werden, es gab Brandverletzungen im Gesicht und Genitalbereich.

Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) hat seine vorläufige Unfallbilanz zur Silvesternacht veröffentlicht. Demnach hat Rettungsstelle 50 Menschen mit Verletzungen durch Böller versorgt, davon 25 mit teils schweren Brandverletzungen im Gesicht oder auch Genitalbereich. In 25 Fällen kam es zu Handverletzungen bis hin zur Amputation von Fingern, in 13 Fällen waren Kinder betroffen.

Besonders erschüttert zeigte sich Oberarzt Markus Gondert über die "erschreckend hohe Anzahl von Kindern und Jugendlichen", die in der Nacht behandelt werden mussten, wie er in einem bei Twitter veröffentlichten Video sagte. Viele hätten mit "erst nicht gezündeten Krachern" hantiert, so der Unfallchirurg.

Hashtag: #Böllerschmerz

Das im Bezirk Marzahn-Hellersdorf gelegene Krankenhaus hatte mit dem Hashtag #Böllerschmerz über Bölleropfer an Silvester und Neujahr getwittert. Schon in der Nacht berichtete das UKB von drei "Böllerschmerz-Opfern", von denen bereits zwei ihre Finger verloren hätten.

Bereits vor dem Jahreswechsel hatte es eine Debatte über ein generelles Böllerverbot gegeben. Die jüngsten Zwischenfälle verstärken sie. Berlins Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek fordert jetzt eine landeseigene Regelung. "Innerhalb des S-Bahn-Rings" solle "das Böllern und das Abschießen von gefährlichem Feuerwerk untersagt" werden, sagte sie im Interview mit dem Tagesspiegel. Zudem will Kapek über eine Begrenzung des Verkaufs diskutieren. Die Grünen-Politikerin verurteile auch Attacken auf Rettungskräfte und Polizei in der Neujahrsnacht: "Die Grenze des friedlichen Feierns ist damit weit überschritten." Von einem Böllerverbot erhofft sie sich auch eine Befriedung in dieser Hinsicht.

Das UKB verfügt über die größte Rettungsstelle Berlins. Schwerverletzte werden im Zweifel direkt in die Biesdorfer Klinik gefahren, da sich dort hochspezialisierte Abteilungen für Handchirurgie und Replantation befinden sowie Spezialisten für Verbrennungen und für Rückenmarksverletzungen.

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