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Interaktiver Dokumentarfilm Field Trip Das Tempelhofer Feld verstehen

Die Filmemacher porträtieren Menschen, deren Leben mit dem Feld verknüpft sind. Ein Ort zwischen Schrecken und Freiheit, Geschichte und Zukunftsvision.

Auf einer gigantischen Landebahn steht ein Lautsprecher. Davor tanzen zwei Dutzend Leute – auf Rollschuhen. Hundert Meter weiter baut jemand einen wackeligen Hochsitz neben einem Garten voller Sonnenblumen. Es riecht etwas nach angebrannter Wurst, nach Wasserpfeife und nach frisch gemähter Wiese. Wer diese Szene einem Menschen beschreiben würde, der nie im Sommer auf dem Tempelhofer Feld war, würde zum Fantasten erklärt werden. Und doch ist er da, dieser fröhlich verlotterte Strand ohne Meer inmitten der Großstadt.

Was macht das Feld aus?

Doch was ist dieser Ort wirklich? Das fragte sich die Regisseurin Eva Stotz erstmals 2004, als sie einen Film über die Flugzeugbeobachter am Flughafenzaun machte. Als das Tempelhofer Feld sechs Jahre später geöffnet wurde, beschloss sie: Das Feld irgendwie greifbar zu machen, das wird ihre nächste Aufgabe.

Mit inzwischen mehr als 20 Mitstreitern dreht sie seit drei Jahren einen Film über Menschen, deren Geschichten an diesem Punkt in der Stadt zusammenkommen – nicht nur Künstler, Hobbygärtner und Berliner aus aller Welt, sondern auch jene, deren Geschichten oft vergessen werden: Zwangsarbeiter, die hier im Zweiten Weltkrieg gezwungen wurden, zwischen Bombenangriffen zu arbeiten. Geflüchtete, die in den Hangars einst in Berlin ankamen. Und Helfer der Luftbrücke, deren Ende vor 70 Jahren heute Zehntausende auf dem Feld feiern werden.

Wer das Feld versteht, versteht Berlin

All diese Geschichten zusammen erlauben vielleicht, irgendwie zu verstehen, was das für ein Ort ist zwischen Schrecken und Freiheit, Geschichte und Zukunftsvisionen. Von den Menschen, deren Leben mit dem ehemaligen Flughafengelände verbunden ist, erzählen wir hier. Doch das ist nur ein Anfang. Viele weitere Geschichten finden Sie ab heute auch online in einem interaktiven Dokumentarfilm auf unserer Website: fieldtrip.tagesspiegel.de.
Der Dokumentarfilm wird ständig ergänzt, immer mehr Porträts kommen hinzu. So ergibt sich ein eindrucksvolles Mosaik, das die ambivalente Vergangenheit des geschlossenen Flughafens, aber auch die Gegenwart des Stadtparks und seine Zukunft spiegelt. Und es zeigt ein Stück Berliner Geschichte, die jeden Tag fortgeschrieben wird.

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Wie man beim Projekt mitmachen kann

Die sechs Geschichten hat das Team des Projekts Field Trip recherchiert. In Archiven wurde mühevoll nach Material und Informationen über Personen gesucht, die ehemalige Zwangsarbeiterin (ganz links) etwa wurde eigens nach Berlin eingeladen. Inzwischen haben an Field Trip mehr als 20 Personen mitgearbeitet, viele ehrenamtlich. Unterstützer, darunter die Stiftung Luftbrückendank und das Medieninnovationszentrum Babelsberg haben das Projekt gefördert. Um weitere Filme zu finanzieren, wird auf Startnext.com um Spenden gebeten. Bei Field Trip kann jeder mitmachen: Einfach 030-54907590 anrufen und die eigene Geschichte auf dem Anrufbeantworter hinterlassen. Die interessantesten Beiträge werden veröffentlicht. Alle Filme finden Sie auf fieldtrip.tagesspiegel.de. (Tsp)

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