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Innensenator Andreas Geisel (SPD) im Abgeordnetenhaus. Foto: dpa
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Innensenator schreibt Brief an Seehofer Berlin will mehr Flüchtlinge aufnehmen

Deutschland will 50 minderjährige Flüchtlinge aus Griechenland holen, Innensenator Geisel fordert mehr. Auch Schwangere und Kranke könnten aufgenommen werden.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat in einem Brief Innenminister Horst Seehofer (CSU) aufgefordert, weitere Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen. „Die Aufnahme von 50 unbegleiteten Minderjährigen wird die Situation vor Ort kaum entspannen können. Die humanitäre Notlage auf den griechischen Inseln hält weiter an“, heißt es in dem auf Dienstag datierten Schreiben.

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Wie berichtet, hatte sich die Bundesregierung in der vergangenen Woche dazu entschlossen, 50 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge von der griechischen Insel Lesbos nach Deutschland zu holen. Sie sollten auf die Bundesländer verteilt werden, Berlin wollte davon zehn Kinder aufnehmen. Die ersten zwölf Flüchtlinge sollen am Mittwoch nach Luxemburg ausgeflogen werden, die 50 Kinder nach Deutschland sollen am Freitag folgen. Das erfuhr der Tagesspiegel aus diplomatischen Kreisen.

"Deutschland kann mehr"

„Ich bin überzeugt, Deutschland kann mehr“, schrieb Geisel in seinem Brief. Auch wenn die Europäische Union und Deutschland aktuell mit der Bewältigung der Coronakrise beschäftigt seien, gebe es eine „humanitäre Verpflichtung, für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe einzustehen“. Geisel schlug vor, auch schwangere Frauen und chronisch Kranke aufzunehmen. Bereits im Dezember hatte Berlin angeboten, mindestens 70 Flüchtlinge aufzunehmen – dieses Angebot wiederholte der Innensenator in seinem Brief.

Zuletzt war wiederholt über das Flüchtlingscamp Moria berichtet worden. Dort leben 20.000 statt der konzipierten 3000 Menschen. Die sanitären und hygienischen Bedingungen sind erbärmlich. Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) hatte im Tagesspiegel angekündigt, Berlin könne kurzfristig 500 bis 1500 Flüchtlinge aufnehmen. Dies sei „eher eine Frage von Stunden als Tagen“. Drei Tage später erklärte der Senator aber im Abgeordnetenhaus, dass ohne die Hilfe des Bundes keine Hilfe möglich sei. Laut Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat die Stadt angesichts der aktuellen Corona-Lage Kapazitäten für bis zu 300 geflüchtete Kinder in der Jugendhilfe.

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