Das 16-stöckige Huthmacher-Haus am Hardenbergplatz in Charlottenburg entstand Mitte der 1950er Jahre. Die heutige Fassade erhielt es 1985. Foto: Cay Dobbberke
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Huthmacher-Haus in Charlottenburg Ein Stück Berliner Geschichte verschwindet

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Das weiße Hochhaus am Hardenbergplatz steht für die Zeit des Wiederaufbaus in Berlin. Nun will ein Investor das Baudenkmal abreißen. Ein Rückblick.

Ein Kind der Nachkriegszeit: Entstanden war das rund 60 Meter große, weiße Hochhaus am Hardenbergplatz in den Jahren 1955 bis 1957 nach Plänen der Architekten Paul Schwebes und Hans Schoszberger als Teil des „Zentrums am Zoo“. Zu diesem Gebäude-Ensemble, das inzwischen „Bikini Berlin“ heißt, gehören auch das Kino Zoo-Palast an der Hardenbergstraße, das Bikini-Haus in der Budapester Straße und das sogenannte Kleine Hochhaus nahe dem Elefantentor des Zoos, das zuletzt als Sitz des Hotels 25hours und der Monkey Bar bekannt geworden ist.

Das Zentrum am Zoo war mit Wiederaufbaumitteln aus dem US-Marshallplan und mit Geld des Schweizer Investors Jacques Rosenstein für die Berliner Bekleidungsindustrie entstanden. Anfangs wurde der Turm „DOB-Hochhaus“ genannt, weil Hersteller von Damen-Oberbekleidung darin Büros und Ausstellungsräume betrieben – und Textilien im benachbarten Bikini-Haus mit bis zu 700 Nähmaschinen produzieren ließen.

Der Volksmund benannte den Turm nach dem Café Huthmacher

Jetzt plant der Hamburger Investor "Newport Holding" den Abriss und 95 Meter hohen Neubau des sogenannten Huthmacher-Hauses am Hardenbergplatz. Dieser Name verbreitete sich durch das Café Huthmacher in der ersten Etage, das auch als Tanzlokal beliebt war. 1983 eröffnete McDonald’s an gleicher Stelle sein erstes Berliner Restaurant. Ende 2016 zog die Hamburger-Kette aus, und ein arabisches Schnellrestaurant übernahm die Räume. Im Erdgeschoss gibt es weitere Imbisslokale.

Die originale Sichtbetonfassade des Hochhauses wurde 1985 während einer klimatechnischen Sanierung durch eine Aluminiumfassade ersetzt, auch alle Fenster wurden damals ausgetauscht. Im Jahr 2002 erwarb das Immobilienunternehmen Bayerische Hausbau das gesamte Zentrum am Zoo. Ab 2010 folgte dessen Umbau zu „Bikini Berlin“, wobei das Hochhaus als einziges Gebäude unangetastet blieb.

Zu den vielen Büromietern gehören der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), die Bundespolizei, die Verbraucherzentrale Berlin, eine Sprach- und eine Wirtschaftsschule. Auch die Bayerische Hausbau nutzt dort Räume. Das Unternehmen hat den Turm zwar im vorigen Frühjahr an Newport verkauft, fungiert aber noch als Hausverwalter.

Denkmalamt bezweifelt, dass der Abriss nötig ist

Das Berliner Landesdenkmalamt reagiert zurückhaltend auf die neuen Pläne. Bisher sei „nicht bekannt, dass die Bausubstanz einen Abriss erforderlich machen könnte“, sagte Sprecherin Christine Wolf dem Tagesspiegel. Im einstigen Zentrum am Zoo „manifestiert sich wie sonst an kaum einer anderen Stelle der Wiederaufbau Westberlins in den 1950er Jahren“. Nach den Abrissen zweier anderer Baudenkmäler in der Gegend (dem Schimmelpfenghaus und dem Gloria-Palast) sowie der Umnutzung des Cafés Kranzler „kommt den verbleibenden Elementen besondere Bedeutung zu“.

Bereits 2015 und 2017 hatte sich der Landesdenkmalrat, der das Amt ehrenamtlich berät, mit „Veränderungsplänen“ der Bayerischen Hausbau befasst. Im Mai vorigen Jahres positionierte sich das Gremium gegen den Abriss. Der damalige Stadtentwicklungssenator und heutige Innensenator Andreas Geisel (SPD) schloss sich dem an.

Beim Zentrum am Zoo beziehungsweise Bikini Berlin handele sich „um eine Gesamtanlage, in der jeder konstituierende Bestandteil ein Baudenkmal ist“. Außerdem habe der damalige Eigentümer „keine zwingenden Gründe gegen eine Sanierung“ vorgetragen.

Andere Hochhäuser in der Nachbarschaft überragen sowohl das jetzige Huthmacher-Haus als auch den geplanten Neubau. Das Anfang 2013 eröffnete „Zoofenster“ und das im Frühjahr 2017 fertiggestellte „Upper West“ am Breitscheidplatz messen je 118 Meter. Der Büroturm des Europa-Centers am Breitscheidplatz ist 86 Meter hoch (mit dem Mercedes-Stern 103 Meter).

Das neue Huthmacher-Haus wurde von den Architekten Piet und Wim Eckert entworfen. Foto: promo
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Noch mehr Hochhauspläne in der Nähe

Außerdem wollen verschiedene Planer mit Neubauten hoch hinaus in der Umgebung. Etwa 120 Meter soll der Büroturm messen, den ein Investor auf dem Gelände des gescheiterten Riesenradprojekts an der Hertzallee hinter dem Bahnhof Zoo bauen will. Berlins Stadtentwicklungsverwaltung begrüßt dies – und erwägt zusätzlich, ein benachbartes TU-Gelände für drei weitere neue Gebäude mit 60 bis 80 Metern Höhe zu nutzen.

Bisher chancenlos scheint dagegen die bereits vier Jahre alte Idee des Architekten Christoph Langhof für einen 209 Meter großen Wolkenkratzer mitten auf dem Hardenbergplatz. Sogar bis zu 240 Meter soll ein zweites Hochhaus für das Europa-Center messen, dessen Entwurf der Architekt Helmut Jahn vor einem Jahr vorgestellt hat. Allerdings betonte Centermanager Uwe Timm dabei, es gehe noch nicht um ein konkretes Projekt, sondern um eine langfristige „Vision“.

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