Alles anders. Der Holzmarkt gilt als ein Beispiel für neue Formen von Stadtplanung abseits der üblichen Investorenarchitektur. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Update Holzmarkt Rettungsplan für Berliner Vorzeigeprojekt am Spreeufer

Eine Lösung für den bedrohten Holzmarkt am Friedrichshainer Spreeufer ist möglich, sagt ein Expertengremium. Nur der Baustadtrat müsste noch mitziehen.

Aus Sicht der Holzmarkt-Community wäre Wolfgang Wieland der klar bessere Baustadtrat für Friedrichshain-Kreuzberg. „Der Holzmarkt wird abgesichert“, sagt der grüne Ex-Senator. Und: „Das Eckwerk wird so gebaut wie geplant.“ Da bricht am Mittwoch kurzzeitig Jubel aus im „Säälchen“, dem Veranstaltungssaal der Holzmarkt-Genossenschaft am Spreeufer in Friedrichshain.

"90-Tage-Rat" legt eine Lösung vor

Problem ist nur, dass der 71-jährige Wieland Privatier ist und am Holzmarkt offiziell nichts zu melden hat. Die Genossen hatten ihn zusammen mit der Architektin Barbara Hoidn und John Schierhorn von der Club-Stiftung Hamburg im Herbst in einen „90-Tage-Rat“ berufen, der einen Ausweg aus der juristisch vertrackten, finanziell existenzbedrohenden Situation des Berliner Vorzeigeprojekts finden soll. Das ist auch gelungen. Nicht gelungen ist, den amtierenden Baustadtrat Florian Schmidt von der Lösung zu überzeugen. „Er hält uns für U-Boote des Holzmarktes“, sagte Wieland. Schmidt sei nur unter erheblichem Druck überhaupt zu einem Gespräch mit dem Rat bereit gewesen.

Bunt und ungewöhnlich: auch das Hinweisschild. Foto: Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
Bunt und ungewöhnlich: auch das Hinweisschild. © Kitty Kleist-Heinrich

Der 90-Tage-Rat legte acht „Leitplanken“ für eine Lösung vor. Demnach soll der Rechtsstreit zwischen dem Bezirk und der Genossenschaft durch eine gütliche Regelung beigelegt werden, ein Entwurf dafür liege bereits vor. Die Abendrot-Stiftung, der das Grundstück gehört, solle die weiteren Planungen für das strittige Eckwerk-Projekt einem neuen Investor anvertrauen, der die Holzmarkt-Genossen angemessen entschädigt. Interessenten gebe es bereits, sagte Wieland. Die müssten allerdings bereit sein, „in den Kampf mit dem Bezirk“ zu ziehen, mit Baustadtrat Schmidt also, der die bisherigen Eckwerk-Planungen als elitär und unsozial ablehnt.

Umstrittene Planung sieht ein zweites Standbein vor

Die Planungen sahen vor, dass der Holzmarkt neben dem bereits realisierten Alternativ-Dorf mit Club, Café und viel Platz zum Chillen und Kreativsein ein zweites Standbein bekommt. Das Eckwerk auf der anderen Seite des S-Bahn-Viadukts sollte eine Mischung aus gemeinschaftlichem Wohnen und Arbeiten für junge Forscher und Kreative werden, designt unter anderem von den weltweit gefeierten Graft-Architekten. Doch Florian Schmidt sträubte sich gegen die von seinem Vorgänger abgesegneten Planungen. Auch eine Kooperation der Genossen mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag endete im Streit. Die Schweizer Abendrot-Stiftung zog den Erbbauvertrag mit den Genossen zurück, die verklagten ihrerseits den Bezirk wegen Verzögerung beim Planungsrecht und forderten 19 Millionen Euro Entschädigung für bereits erbrachte Planungsleistungen. Seitdem geht nichts mehr voran.

Die grünen Parteibande halfen nicht weiter

Die Parteibande zwischen den Grünen Wieland und Schmidt haben in diesem Fall nichts geholfen. Wieland: „Florian Schmidt ist der erste Grüne, mit dem ich per Sie bin.“ Auch sonst übte er über kleine Indiskretionen Kritik an der starren Haltung Schmidts. Der habe nur auf Druck von außen einem Gespräch zugestimmt. Er sei „unendlich beleidigt, dass er eine Klage über 19 Millionen an der Hacke hat“. Schmidt wolle die Stadtgesellschaft an den Planungen beteiligen, wie bei allen größeren Bauprojekten im Bezirk, aber „das passt nicht zum Eckwerk“, das sei schließlich ein Privatgrundstück. Und die Stiftungsleute von Abendrot seien „Alt-68er, die mir sehr sympathisch sind“. Die wollten kein „Akw errichten, auch kein Bordell“.

Sachlich betrachtet gebe es für das Eckwerk keine unüberwindbaren Hindernisse, sagte Barbara Hoidn. Die Lärmproblematik auf dem Grundstück an der Stadtbahn könne man mit einer Umwidmung zum „Urbanen Gebiet“ entschärfen. Schmidt war für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht zu erreichen.

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