Hauptsache gut gekühlt. Was wäre ein Hoffest ohne prickelnden Genuss? Foto: Franziska Gabbert/dpa
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Hoffest im Roten Rathaus Feier mit Pflichtgästen

Beim alljährlichen Sommerfest des Regierenden Bürgermeisters hielten sich Weltoffenheit und Distanz die Waage. Eine Glosse

So ein Hoffest ist nicht gerade stimmschonend. Irgendwie schaffen sie es bei der Zusammensetzung der Gästeliste immer wieder, dass sich lauter alte (und neue) Bekannte treffen und die Chance nutzen, die politische und sonstige Lage ausgiebig zu erörtern. Willkommen waren am Roten Rathaus natürlich auch Gäste aus aller Welt, diesmal zum Beispiel der Bürgermeister von Jerusalem und der Kulturminister von Buenos Aires.

Bei allen wichtigen Themen, die Politik gerade zu bieten hat, spielte am Dienstagabend aber auch die nonverbale Kommunikation eine auffällige Rolle. Ob sich ein Kreis öffnet, wenn Leute hinzutreten, oder ob er sich unmerklich schließt, sagt ja schon alles darüber aus, wie willkommen oder eben nicht willkommen die Neulinge sind. Und wenn man erlebt, wie eigentlich gut gelaunte Gäste plötzlich ihre gerade noch so schüttelfreudigen Hände stillschweigend in den Hosentaschen versinken lassen und unversehens eine Rühr-mich-nicht-an-Aura um sich emporwachsen lassen, dann waren wohl gerade Pflichtgäste von der AfD aufgetaucht.

Auch die AfD war der Einladung gefolgt

Die Frage, ob man sie einladen soll oder nicht, mündet bei verschiedenen Events ja immer wieder in der Einsicht, dass es nicht korrekt wäre, demokratisch gewählte Abgeordnete nicht einzuladen. Aber wenn man ihnen schon begegnen muss, auch noch Kommunikationsbedarf vorzuheucheln, das geht vielen offenbar doch zu weit. Und selbst manche Fotografen, die sonst noch beim kleinsten Seriensternchen enthusiastisch auf den Auslöser drücken, verloren bei den anwesenden AfD-Abgeordneten die Lust, deren Anwesenheit zu dokumentieren.

Ganz anders erging es Ehrenbürgerin Margot Friedländer. Als Mädchen musste sie sich vor den Nazis in Berlin verstecken, später ging sie nach New York und kehrte im hohen Alter nach Berlin zurück. Wo immer sie erscheint, öffnen sich die Reihen und die Arme. „Mich kennen viel mehr Leute, als ich kenne“, sagte sie glücklich. Natürlich werden bei solchen Anlässen auch schöne Reden gehalten, die die Welt in rosigen Farben zeichnen. Aber das mit der weltoffenen Metropole, die der Regierende Bürgermeister und Gastgeber Michael Müller wieder einmal in verschiedenen Facetten beschwor, stimmt bei allen Ecken und Kanten, die die Stadt sonst so haben mag, eben doch.

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