Ein Sprühwagen der BSR bewässert eine Straße in Kreuzberg (Symbolbild). Foto: Mike Wolff
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Hitze in Berlin BSR-Aufguss: Sauna oder Sommerfrische?

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Die BSR will ab sofort Berlins Haupstraßen nach heißen Tagen duschen. Was bringt das? Zumindest der erhoffte Abkühlungseffekt ist umstritten.

Klingt erstmal gut – aber was bringt es tatsächlich? Wie berichtet, will die Berliner Stadtreinigung (BSR) künftig nach heißen Tagen den erhitzten Asphalt der Hauptstraßen mit Spülfahrzeugen besprühen. In der Nacht zum Freitag wird die Aktion im Auftrag des Senates losgehen. Man erhoffe sich davon unter anderem Abkühlung, heißt es.

Aber das ist umstritten. Abgesehen davon, dass es ja auch in der Nacht zum Freitag auch möglicherweise ohnehin regnen sollte. Aber das ist jetzt gerade nicht das Thema, deshalb weiter mit der BSR-Straßendusche: Kritiker meinen, man bewirke damit das glatte Gegenteil. Auf Twitter fragt beispielsweise ein User den Meteorologen Jörg Kachelmann: „Das auf die Fahrbahn aufgebrachte Wasser verdunstet und erhöht die Luftfeuchtigkeit. Wie ein Saunaaufguss. Oder?“ Kachelmann antwortet: „Korrekt. Die lustige PR-Idee macht die Hitze schlimmer.“

Haben Senat und Stadtreinigung das vorab in Erwägung gezogen? BSR-Sprecher Sebastian Harnisch muss passen. Die genauen physikalischen Folgen der Straßendusche kann er nicht vorhersagen. Man habe noch keine Erfahrungen mit solchen Aktionen, sagt er. „Wir machen das erstmals in Berlin. Aber es ist ja einen Versuch wert.“ Den Effekt werden man natürlich auswerten.

Berlin kann mit Wasser prassen

Und Berlin geht dabei voran: Der Sprüheinsatz ist bislang offenbar bundesweit einmalig. Allerdings kann sich die Hauptstadt das leisten. Berlin hat wesentlich reichere Grundwasservorräte als die meisten anderen deutschen Kommunen. Anruf bei der Straßenreinigung in Frankfurt am Main: Sprühen sie auch nachts die Straßen? „Nee“, sagt deren Sprecher. „Das können wir uns gar nicht erlauben. Bei uns wird das Wasser knapp.“ Selbst Kehrmaschinen, die mit Wasser arbeiten, seien schon umstritten. Und sogar die Bewässerung von Straßenbäumen.

Doch zurück zur Verdunstung. Was passiert zuallererst, wenn die BSR den noch warmen Asphalt beregnet? Dann verdunstet das Wasser auf der Straßenoberfläche. Damit dies gelingt, brauchen die Wassermoleküle Energie. Sie holen sich diese in Form von Wärme aus dem Asphalt und kühlen den Straßenbelag entsprechend ab. Ganz ähnlich, wie sich die menschliche Haut abkühlt, wenn Schweiß verdunstet.

„Soweit, so richtig“, sagt Hans-Stefan Bauer vom Institut für Physik und Meteorologie der Universität Hohenheim bei Stuttgart. Aber die Frage ist nun, in welchem Ausmaß die Verdunstungskälte spürbar ist. Bauer hält es für realistisch, dass man den Kühlungseffekt noch 10 bis 20 Zentimeter oberhalb des Asphaltes, also etwa bis in Wadenhöhe, spürt. Aber darüber wohl kaum, es sei denn bei stärkerem Wind. „Es hängt von den Bedingungen der Umgebung ab.“

„Wir binden durch die Sprühaktion jede Menge Staub“

Und der prophezeite, gegenteilige Saunaeffekt? „Na, vielleicht ein bisschen, weil die Luft etwas höher über der Straße ja das verdunstete Wasser aufnimmt.“ Aber mit einem echten Saunaufguss auf 100 Grad Celsius heißen Steinen sei das überhaupt nicht vergleichbar.

Wie auch immer. BSR-Sprecher Harnisch setzt noch auf einen weiteren Effekt – und der ist ihm besonders wichtig. „Wir binden durch die Sprühaktion jede Menge Staub.“ Das sei für Menschen mit Atemwegsproblemen eine große Erleichterung. Und es verhindert, dass der Staub erst beim nächsten Unwetter mit Starkregen aus überquellenden Rückhaltebecken direkt in die Spree und Havel gelangt.

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