In der Nähe des Flughafensees soll es noch ein Gelände geben, das zu einem neuem Fußballstadion für Hertha BSC passen könnte. Foto: Kai-Uwe Heinrich
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Hertha-Arena am Tegeler Flughafensee Geisels Stadionpläne fallen ins Wasser

Monate sind seit dem Vorschlag des Sportsenators, das neue Hertha Stadion in Tegel zu bauen, verstrichen. Der Senat verfolgt die Idee aber nicht ernsthaft.

Vor drei Monaten hatte Innen- und Sportsenator Andreas Geisel (SPD) dem Bundesligaverein Hertha BSC vorgeschlagen, ein neues Fußballstadion auf dem Gelände des Flughafens Tegel zu bauen. Die Einzelheiten müssten aber noch geprüft werden. Seitdem ist nichts passiert. Und es deutet alles darauf hin, dass im Senat kein ernsthaftes Interesse besteht, dem Verein in Tegel ein landeseigenes Grundstück zur Verfügung zu stellen.

„Einen Arbeitsauftrag zur Standortprüfung in Tegel gibt es nicht“, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dem Tagesspiegel mit. „Somit wird diese Überlegung vom Senat nicht verfolgt.“ Schließlich seien die Planungen für die Nachnutzung des Areals seit Langem festgelegt.

„Ein Stadion würde eine Verkleinerung der Flächen für das Wohnquartier am Kurt-Schumacher-Platz und den Gewerbe-, Industrie- und Forschungspark Urban Tech Republic bedeuten.“ Zwar seien Änderungen des Planungsrechts in Tegel „theoretisch“ möglich. Aber es gebe bisher keinerlei Untersuchungen oder Machbarkeitsstudien, wo dort ein Fußballstadion gebaut werden könnte.

Auch Senator Geisel und die Sportexperten der Regierungsfraktionen haben es bisher vermieden, einen genauen Standort für ein Stadion auf dem 495 Hektar großen Gelände im Nordwesten Berlins zu benennen. „Das ist nicht einfach“, räumte ein Abgeordneter ein. Sein Hinweis: In der Nähe des Flughafensees sei noch nicht alles verplant.

Gegen die Idee, eine Hertha-Arena in die Jungfernheide zu setzen, erst recht in die Nähe des Flughafensees, laufen aber nicht nur die Grünen im Bezirk Reinickendorf Sturm. Auch die Stadtentwicklungsverwaltung weist darauf hin, dass diese Flächen „als Landschafts- und Trinkwasserschutzgebiet ausgewiesen“ seien. Ein solches Projekt sei dort nicht möglich.

„Die Bedenken wogen schwer, dass so etwas machbar ist“

In der vergangenen Woche hatte sich der Senat kurz mit dem Thema befasst. Anlass waren die Pläne für eine Umgestaltung des City-Airports Tegel, der nach der Eröffnung des Flughafens BER im Oktober 2020 geschlossen wird. Dort soll ein Forschungs- und Industriepark, ein großes Wohnquartier und ein grüner Landschaftsraum für Freizeit und Erholung entstehen.

Die Bebauungspläne und das Konzept für eine „Tegeler Stadtheide“ sind weit gediehen. Deshalb wollte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop vom Kollegen Geisel wissen, welche Flächen er für ein Fußballstadion im Auge habe.

So entspann sich in der Senatssitzung ein Diskurs über die Erreichbarkeit eines Stadions in Tegel für die Fans, den Lärmschutz für Wohngebiete, über Wasserschutzzonen und eine mögliche „Harmonisierung“ der Hertha-Pläne mit der künftigen Urban Tech Republic. „Die Bedenken wogen schwer, dass so etwas machbar ist“, berichtet ein Teilnehmer.

Die Besprechung im Kabinett blieb ohne Ergebnis. Man war sich nur einig, dass Sportstaatssekretär Aleksander Dzembritzki (SPD) auf die fachlich zuständigen Verwaltungen zugehen solle, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Einig waren sie sich im Kabinett auch, dass es am besten wäre, wenn Hertha BSC über 2025 hinaus im Olympiastadion spielen würde. Dann läuft der Mietvertrag mit dem Erstligisten aus.

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Der Verein bemüht sich seit mehr als zwei Jahren darum, ein eigenes Stadion in Berlin bauen zu dürfen. Der ursprüngliche Plan für einen Neubau am Westrand des Olympiaparks hat sich im Frühjahr zerschlagen. Nun ist Tegel im Gespräch. Ansonsten müsse sich Hertha, so heißt es in der Koalition, ein privates Grundstück am Stadtrand suchen.

In einem Gutachten über mögliche Standorte für eine eigene Fußballarena, die Hertha BSC selbst in Auftrag gab, stand Tegel trotz mancher Bedenken an zweiter Stelle. Das Angebot Geisels im Mai, dort ein Stadion zu bauen, wurde deshalb vom Verein sofort positiv aufgenommen. Dies sei „ein gutes Signal“.

Bisher gibt es keine weiteren Ergebnisse

Dann verstrich ein Monat, in dem gar nichts geschah. Anschließend versprach Sportstaatssekretär Dzembritzki intern, er werde einen Gesprächstermin organisieren, an dem Vertreter der Stadtentwicklungsbehörde, der Tegel-Projektgesellschaft und des Bundesligavereins teilnehmen sollten. Bis heute ist dieser Termin nach Informationen des Tagesspiegel nicht zustande gekommen.

Stattdessen wurde dem Verein noch einmal das Olympiastadion schmackhaft gemacht – mit dem Hinweis, dass die Arena demnächst flächendeckend mit W-Lan ausgerüstet werde, das bisher nur in der VIP-Zone zuverlässig funktioniert. Vier Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. Der W-Lan-Ausbau ist allerdings kein Extra für die Bundesliga-Saison, sondern gehört zum Standard großer Sport- und Konzertveranstalter.

Immerhin plant die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus für den 6. September einen „Sportpolitischen Dialog“, zu dem auch der Stadionbaumanager von Hertha, Klaus Teichert, eingeladen ist. Der Verein äußerte sich am Mittwoch zu den laufenden Gesprächen nicht. Seit über zwei Jahren gibt es eine Arbeitsgruppe, in der Vertreter von Hertha und des Senats verhandeln. Bisher ergebnislos.

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