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Sie wollen hier nicht weg: Radikale Aktivisten haben sich auf der Straße festgeklebt. Foto: Joana Nietfeld
© Joana Nietfeld

Update Hände auf der Straße festgeklebt Klimaaktivisten blockieren erneut Autobahn-Zufahrten in Berlin

Die Gruppe „Aufstand der letzten Generation“ hat ihren Protest für eine nachhaltige Landwirtschaft fortgesetzt. Diesmal griff sie zu drastischeren Maßnahmen.

Klimaaktivisten der Gruppe „Aufstand der letzten Generation“ haben in Berlin erneut die Zufahrten zu Autobahnen blockiert, um für eine nachhaltige Landwirtschaft und gegen die Verschwendung von Lebensmitteln zu protestieren. Wie schon am Montag versperrten sie auch am Mittwochmorgen den Weg zu den Autobahnen A103 am Rathaus Steglitz und A114 in Pankow. Autos stauten sich teils erheblich zurück.

Anders als am Montag handelte es sich aber nicht nur um eine Sitzblockade: Diesmal klebten einige Aktivisten jeweils eine Hand mit Sekundenkleber auf dem Asphalt fest.

Die Demonstranten seien am Nachmittag von der Polizei auf der Mittelinsel eingekesselt und bisher nicht frei gelassen worden, sagte eine Sprecherin der Aktivisten am frühen Abend. Ein Gefangenentransporter sei laut der Sprecherin nicht vorhanden gewesen, da diese für die Coronaproteste freigehalten wurden. Auf Nachfrage des Tagesspiegels konnte die Polizei keine Angabe zur aktuellen Situation machen.

Um 8 Uhr begann der Protest. Wenige Minuten später war die Polizei in Pankow, wo sich die Aktivisten erneut an der Ecke von Prenzlauer Promenade und Granitzstraße niedergelassen hatten, bereits angerückt. Wiederholt riefen die Einsatzkräfte die Aktivisten zum Verlassen der Fahrbahn auf. Nach einer Stunde räumten die Einsatzkräfte die mittleren beiden Spuren: Vier Aktivisten trugen sie weg, einer ging von sich aus zur Seite.

In der Mitte hatte sich niemand festgeklebt, um eine Rettungsgasse freimachen zu können - nun konnten die aufgestauten Autos sich hier einfädeln. Auf den Spuren links und rechts saßen weiterhin sieben Aktivisten, die festgeklebte Hand jeweils mit Wärmekissen und Rettungsdecken gegen die Kälte bedeckt.

Es dauerte noch mehr als eine Stunde, bis Spezialisten der Polizei die Hände von der Fahrbahn ablösten. Die Polizei nahm die Aktivisten daraufhin in Gewahrsam. Die übrigen, die sich nicht festgeklebt hatten, erhielten Platzverweise.

Mit Skalpell vom Asphalt gelöst, Krankenhaus - und wieder festgeklebt

Auch an der Zufahrt zur A103 am Rathaus Steglitz, Einfahrt Wolfensteindamm, hatten Aktivisten ihre Hände auf der Fahrbahn festgeklebt. Auch dort mussten zusätzliche Einsatzkräfte anrücken. Bis zum Mittag waren die Blockaden an beiden Orten geräumt, sagte eine Polizeisprecherin.

Drei Aktivisten am Mittwochnachmittag an der Auffahrt zur A103 in Steglitz - rechts Lea Bonasera, die Hand auf den Asphalt geklebt. Foto: Joana Nietfeld Vergrößern
Drei Aktivisten am Mittwochnachmittag an der Auffahrt zur A103 in Steglitz - rechts Lea Bonasera, die Hand auf den Asphalt geklebt. © Joana Nietfeld

Am Nachmittag besetzten sieben Aktivisten allerdings erneut die Zufahrt zur A103. Unter ihnen befand sich auch Lea Bonasera. Sie klebte ihre Hand wieder auf die Fahrbahn, obwohl die Polizei sie erst am Vormittag mit einem Skalpell vom Asphalt lösen musste und Bonasera die Stunden danach im Krankenhaus verbrachte.

24 Aktivisten wurden am Montag festgenommen

Die Gruppe hatte an beiden Stellen bereits am Montagmorgen dieselben Zufahrten blockiert. Nach einer Räumung sprach die Polizei Platzverweise aus. Weil 24 Aktivisten diesen nicht folgten, wurden sie vorübergehend festgenommen.

Der „Aufstand der letzten Generation“ war im vergangenen September bekannt geworden, als einige Aktivisten mit einem wochenlangen Hungerstreik vor dem Reichstagsgebäude für eine entschiedenere Klimapolitik eintraten - darunter Lea Bonasera. Die Aktion erlangte auch deshalb große Aufmerksamkeit, weil sie in die Schlussphase des Bundestagswahlkampfs fiel - am Ende kam es zu einem Gespräch mit dem damaligen Kanzlerkandidaten der SPD und heutigen Bundeskanzler Olaf Scholz.

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Unter dem Motto "Essen retten - Leben retten" fordern die Aktivisten die Bundesregierung nun auf, eine "zukunftstaugliche Agrarwende" bis zum Jahr 2030 umzusetzen. Außerdem solle sie sofort ein "Essen-Retten-Gesetz" erlassen, das große Supermärkte verpflichte, "noch genießbares Essen zur Verfügung zu stellen und somit gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen".

Beide Maßnahmen würden helfen, den Ausstoß an Treibhausgasen in Deutschland effektiv zu reduzieren und die globale Erwärmung zu begrenzen, hieß es in einer Pressemitteilung. Die Gruppe hat angekündigt, ihre Aktionen so lange fortsetzen zu wollen, bis die Politik reagiert.

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