Bislang stammen die angebotenen deutschen Erdbeeren noch aus dem Folienanbau. In Potsdam-Mittelmark wird die Ernte wohl erst in rund zwei Wochen beginnen. Foto: Arne Dedert/dpa
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Gute Wetterbedingungen Start der Erdbeersaison in Brandenburg

Solveig Schuster
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Wetter als Wachstumsbeschleuniger: Frühstart in die Erdbeersaison dank viel Sonne. Doch wegen des Mindestlohns fehlen Erntehelfer.

Noch eine Woche, dann ist es auch in Supermärkten vorbei mit weit gereisten Erdbeeren in eingeschweißten Plastikschalen. Am 25. Mai startet Brandenburg offiziell in die Erntesaison, die Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) in diesem Jahr auf dem Erdbeerfeld der Obstgut Franz Müller GmbH in Altlandsberg in Märkisch-Oderland eröffnen wird.

Schon jetzt werden an einigen Ständen in Berlin und Brandenburg frische Früchte verkauft, etwa von Karls Erdbeerhof. Das Unternehmen mit Sitz in Rövershagen bei Rostock biete nach eigenen Angaben derzeit Beeren der frühen Sorte „Flair“ an. Die im März eingesetzten Pflanzen seien unter 270 wandernden Folientunneln mit wärmender Bodenisolierung und geschützt vor störenden Wetterkapriolen zur Blüte gebracht worden, heißt es.

Auch Mittelmarks Bauern werden zum offiziellen Start in der kommenden Woche zunächst Früchte aus Gewächshäusern und Folienzucht auf die Ladentische bringen. Bis die unter freier Sonne gewachsenen Beeren gepflückt werden können, vergehen noch einige Tage mehr, erklärt Walter Kassin, Vorsitzender des Werderschen Obst- und Gartenbauvereins. „Richtig los geht’s bei uns erst in zehn bis 14 Tagen.“

„Eine Trockenperiode in der Erntezeit wäre schlimm“

Im Vergleich zu den Vorjahren mit Erntebeginn im Juni ist dies dennoch früh. Das anhaltend warme Wetter hat die Beeren wachsen lassen. Die Obstbauern erwarten daher eine gute Ernte, sofern es hin und wieder regnet. Bislang sei die Trockenheit noch nicht zum Problem geworden, da die Landwirte die Anbauflächen zusätzlich bewässern könnten. Doch fehlt es an der Luftfeuchte. Bleibt sie weiter aus, könnte dies die Ernte doch noch schmälern. „Eine Trockenperiode in der Erntezeit wäre schlimm“, so Kassin. Dann bestünde die Gefahr, dass die Beeren am Strauch vertrocknen.

Noch ist also offen, ob nach 2015 ein neues Rekordergebnis eingefahren werden kann. Damals waren im Land auf 464 Hektar Anbaufläche rund 4000 Tonnen Erdbeeren geerntet worden. Es folgten zwei weniger üppige Jahre. 2017 konnten nach Angaben des Amtes für Statistik bei noch höherer Anbaufläche gerade 2600 Tonnen Erdbeeren vom Feld geholt werden. Dies lag vor allem am späten Frost.

Auch bei der Spargelernte deutet sich trotz der zunächst widrigen Bedingungen in diesem Jahr ein sehr gutes Ergebnis an. Die Erträge könnten rund 15 Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre liegen, so Jürgen Jakobs, Vorsitzender des Vereins Beelitzer Spargel und Geschäftsführer von Jakobs Spargelhöfen. Schon im vergangenen Jahr waren auf rund 5000 Hektar Anbaufläche im Land rund 22.000 Tonnen Spargel geerntet worden, 2000 Tonnen mehr als noch im Vorjahr und die höchste Menge seit 1991.

2010 (hier in Groß Kreutz) begann die Erdbeerernte wetterbedingt verspätet. Foto: Nestor Bachmann/ZB
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Wegen des strengen Frostes hatte sich der Beginn der Spargelernte zwar verzögert, jedoch habe der warme Mai alles wieder wett gemacht. Zumindest mengenmäßig. Jürgen Jakobs spricht von einer regelrechten Explosion. Trotzdem stünden die Spargelbauern in der Mark vor einer schwierigen Saison und spürbaren Einnahmeverlusten, erklärte er.

Zwar sei die Nachfrage nach dem Gemüse noch 20 Prozent höher als im vergangenen Jahr, jedoch drückten die hohen Erträge auf den Preis. Gerade in den Supermärkten hätte der Spargel mit Kilopreisen um die 2 bis 3 Euro einen neuen Tiefststand erreicht. Zudem kamen in diesem Jahr viele Erntehelfer nicht zur Arbeit, etwa aus Rumänien oder Polen. Allein bei Jakobs fehlten 85 der bestellten 350 Saisonarbeiter. Auch bei anderen Spargelbauern sehe es ähnlich aus, so der Vorsitzende des Beelitzer Spargelvereins. Grund sei unter anderem der Mindestlohn. Die Spargelbauern stünden mit anderen Branchen, die höhere Löhne zahlen könnten, in Konkurrenz.

Auf 20 Prozent seiner 250 Hektar Spargelanbaufläche werde er in diesem Jahr den Spargel nicht ernten können, sagt Jakobs. Ein Problem sei das aufgrund der riesigen Menge aber nicht. Im Gegenteil könne sich die Spargelpflanze früher erholen, was für das nächste Jahr auf diesen Flächen eine tendenziell bessere Ernte erwarten lässt, so der Spargelbauer.

Bei den Obstbauern gebe es hingegen keine Sorgen wegen ausbleibender Erntehelfer. Die kämen jedes Jahr zuverlässig und immer in dieselben Höfe, erklärt Walter Kassin. Sie blieben zumeist den ganzen Sommer und seien quasi Teil der Familien.

Zudem werde rund ein Drittel der Erdbeer-Anbaufläche in und um Werder zur Selbstpflücke angeboten, so der Vorsitzende des Werderschen Obst- und Gartenbauvereins. Auf welchen Höfen dies in diesem Jahr möglich ist, werde der Obstbauverein in Kürze auf seiner Webseite veröffentlichen. Insgesamt bauen in der Mittelmark 17 Betriebe Erdbeeren auf etwas über 70 Hektar an. Zum Vergleich: Das Spargelanbaugebiet um Beelitz umfasst rund 1700 Hektar.

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Größere Sorgen macht sich Kassin wegen der Kirschen, die in etwa einem Monat erntereif sein könnten. „Zur Baumblüte herrschte ein trockener und starker Ostwind“, erklärt er. Die Bienen hätten es deshalb nicht geschafft, die Kirschbäume ausreichend zu befruchten. Etwas besser sehe es zurzeit bei den Äpfeln aus, die später in der Blüte standen, sagt der Vereinsvorsitzende.

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