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Sido bei einem Konzert in Hannover Foto: imago images/Future Image
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„Guck nicht so behindert“ Rapper Sido greift „Bild“-Kamerateam nach unerwünschten Filmaufnahmen seines Hauses an

Der Berliner Rapper Sido attackiert ein Team von „Bild TV“, das an seinem Grundstück steht. Er hatte jüngst mit Verschwörungstheorien für Aufsehen gesorgt.

Der Berliner Rapper Sido hat ein Kamerateam von „Bild“ angegriffen. Die Zeitung veröffentlichte dazu am Freitag ein Video auf ihrer Webseite mit der Überschrift: „Hitler-Sprüche, Verschwörungstheorien, Attacke auf Bild-Reporter: Was ist bloß mit Sido los?

Wie in dem Beitrag zu sehen ist, befand sich das Kamerateam vor dem Grundstückszaun des Rappers, der bürgerlich Paul Würdig heißt. Der 39-Jährige läuft auf die Reporterin zu, die sich als Mitarbeiterin von „Bild TV“ vorstellt, und greift nach deren Equipment.

„Schämst du dich nicht?“, fragt er, „Bist du stolz auf deinen Beruf?“ Und weiter: „Was wär, wenn einer bei dir vor der Tür stehen würde, was würdest du dann machen?“ Die Reporterin entgegnet, sie wollten ja „nur fragen“ und das Team stehe auf einer ganz normalen Straße.

Nach einem kurzen Wortwechsel, bei dem Sido die Reporterin und den Kameramann unter anderem als „Dreck“ und „Abschaum“ beschimpft, läuft er weg und ruft: „Verpiss dich jetzt, und guck nicht noch so behindert.“ Als die Reporterin ihm hinterherruft, warum er sie beleidige, dreht der Rapper um, öffnet das Gartentor und geht auf die beiden zu.

Was dann passiert, ist nicht genau zu erkennen, offenbar kommt es zu einem kurzen Gerangel, woraufhin das Kamerateam den Rückzug ergreift. Auch Sido geht wieder auf sein Grundstück.

Sido selber sieht sein Handeln gerechtfertigt. Da das Kamerateam unter Umgehung des Sichtschutzes seinen höchstpersönlichen Lebensraum und den seiner Familie verletzt habe, habe er in Notwehr gehandelt. Mehrfach habe er höflich gebeten, nicht sein Grundstück und sein Zuhause zu filmen. Das Reporterteam habe dennoch weiter gefilmt und immer wieder lautstark minutenlang Fragen gerufen, sodass auch die Nachbarschaft auf das Reporterteams aufmerksam wurde. Dies fehle auf dem Video der BILD.

Nachdem er gesehen habe, dass das Reporterteam – obwohl er diesem gesagt hat, er möchte nicht, dass er oder sein Wohnhaus gefilmt werden – nunmehr am anderen Ende seines Grundstückes wiederum auf dieses filmte, sei er auf das Reporterteam zugegangen, um dieses von weiteren derartigen Handlungen abzuhalten.

Nach dem Vorfall postet er auf Instagram: „An das Kamerateam von der Bild, das eben vor unserem Grundstück stand, lasst uns alle froh sein, dass nur das Mikrofon kaputt gegangen ist!!!“

Sido äußerte Verschwörungstheorien

Laut eigenen Angaben wollte „Bild“ Sido zu verschwörungstheoretischen Äußerungen befragen, die er kürzlich in einem Interview mit dem Rapper Ali Bumaye gemacht hatte. Darin spricht er etwa über Kinderhändlerringe reicher Eliten, die zur Verjüngung Kinderblut trinken – eine Theorie, die auch der mittlerweile als Verschwörungstheoretiker bekannte Sänger Xavier Naidoo verbreitet. Dieser stecke aber „zu tief drin“, sagt Sido später.

Auch hier äußert er sich negativ über die „großen Medien“: Sie seien unterwandert, gehörten alle „einem reichen Typen“ – ebenfalls eine populäre Annahme von Verschwörungstheoretikern. In einem anderen Interview distanzierte sich Sido jedoch von Schwurblern wie Attila Hildmann und KenFM: „Ich halte die für sehr gefährlich“, sagte er dem Portal „Hiphop.de“.

Sido machte Hitlerwitz in Österreich

Im Januar erregte Sido bereits Aufsehen, als er bei einem Auftritt im österreichischen Kitzbühel rumpöbelte und sagte: „Wir brauchen ein bisschen deutsche Gründlichkeit, die uns ein Österreicher mal beigebracht hat.“

2012 kam es schon einmal zu einem gewaltsamen Übergriff von Sido auf einen Journalisten. Nach einer Live-Sendung der österreichischen Castingshow „Die große Chance“, bei der der Rapper in der Jury saß, schlug er den Moderator Dominic Heinzl zu Boden. Zwei Jahre später bekam Sido eine Bewährungsstrafe von neun Monaten, weil er in einem Berliner Club einen Mann mit einer Flasche geschlagen und verletzt haben soll.

Auch Rapper Fler ging kürzlich auf ein Kamerateam los

Sido ist nicht der einzige Rapper, der auf Journalisten losgeht. Anfang März hatte der Berliner Rapper Fler ein Kamerateam von RTL angegriffen und dabei einen Kameramann verletzt. Zuvor war er durch massive Drohungen gegenüber dem Satiriker Shahak Shapira und verschiedenen Frauen in sozialen Medien aufgefallen.

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Sido verteidigte danach Flers Vorgehen auf Instagram: „Bevor ihr losfahrt mit einer Kamera und einem Mikrofon, weil ihr ein Statement von irgendwem haben wollt – denkt ihr dann kurz nach, wen ihr trefft und wie das laufen könnte? Oder fahrt ihr dann mit Absicht los, weil ihr wisst, Fler ist sehr oft draußen und wird sich wahrscheinlich darüber ärgern?!“ Das Kamerateam habe Fler aufgelauert, ohne einen Termin mit ihm zu vereinbaren.

In der Tat könnte man das Vorgehen der Kamerateams von RTL und „Bild TV“ als einen Eingriff in die Privatsphäre der Rapper bewerten. Dazu, ob „Bild“ zuvor eine Interviewanfrage an Sido gestellt hatte, konnte ein Pressesprecher von Springer auf Tagesspiegel-Nachfrage nichts sagen. Sido sei aber eine Person des öffentlichen Lebens und man habe sich auf öffentlichem Grund befunden.

Zudem besteht an Sidos Aussagen zu Verschwörungstheorien, die sich zum Teil auch um das Coronavirus drehen, ein akutes öffentliches Interesse. Und dass man unangenehmen Situationen nicht mit Gewalt begegnen darf, sollte eigentlich nicht erwähnt werden müssen.

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