Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Hohe Strafe. Ein ehemaliger Kumpan des Berlin-Attentäters Anis Amri muss wegen Raubes und weiterer Delikte für mehr als fünf Jahre in Haft Foto: Sabine Gudath/imago
© Sabine Gudath/imago

Gewalttätig und drogenabhängig Mehr als fünf Jahre Haft für Kumpan von Berlin-Attentäter Amri

Walid S. ist als terroristischer Gefährder eingestuft und abhängig von Schmerzmitteln. Wegen brachialer Überfälle muss er zum Entzug und ins Gefängnis.

Er gilt als gefährlich, doch jetzt ist das Risiko für die Öffentlichkeit für längere Zeit reduziert. Das Berliner Landgericht hat am Montag den Islamisten Walid S. (22) wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und weiterer Delikte zu fünf Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt.

Der ehemalige Kumpan des Berlin-Attentäters Anis Amri muss zudem wegen seiner Drogensucht die ersten sieben Monate der Strafe in einer Entziehungsanstalt verbringen. Die 37. Strafkammer blieb mit dem Urteil in dem Prozess, der Ende März begonnen hatte, nur knapp unter der Forderung der Generalstaatsanwaltschaft. Selbst der Verteidiger des Deutschirakers hatte sich für fünf Jahre Haft ausgesprochen. Die Taten waren unpolitisch, aber von irrer Wut geprägt.

Es begann im Juli 2020. Walid S. schlug in Wedding eine Delle in einen VW-Caddy und bedrohte dessen Besitzer. Dann attackierte Walid S. die herbeigerufenen Polizisten. Zwei Beamte erlitten Verletzungen. Im Oktober folgten die nächsten Aggressionen. Walid S. bedrohte in Charlottenburg mit einem Messer einen Passanten und verlangte Geld. Das verängstigte Opfer händigte seine teure Armbanduhr und einen Fünf-Euro-Schein aus.

Kurz danach hielt Walid S. einem weiteren Mann das Messer an den Hals und nahm ihm ebenfalls Bargeld ab. Es folgte der Überfall auf einen dritten Passanten, der allerdings floh. Walid S. rannte hinterher und trat ihn zu Boden. Die Polizei nahm ihn noch am Tag der Tat fest.

Enthemmt durch ein starkes Schmerzmittel

Die Richter zählten im Urteil eine Reihe von Straftaten auf. Besonders schwere räuberische Erpressung in zwei Fällen, versuchte besonders schwere räuberische Erpressung, vorsätzliche Körperverletzung, tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidung, versuchte Nötigung, Sachbeschädigung.

Bei einer Blutprobe nach der Tat im Juli wurde Tilidin entdeckt. Das stark wirkende Medikament ist in gewaltaffinen Milieus junger türkisch- und arabischstämmiger Männer als "Amok-Droge" beliebt, weil es es enthemmt und Schmerzen unterdrückt.

Die Sicherheitsbehörden haben Walid S. seit 2015 im Blick. Damals soll er versucht haben, in den Irak zu reisen, um sich der Terrormiliz "Islamischer Staat" anzuschließen. Walid S. besuchte zudem mehrmals die Fussilet-Moschee in Moabit, einen Treffpunkt gewaltorientierter Salafisten. Auch Anis Amri verkehrte hier, zuletzt am 19. Dezember 2016 kurz vor seinem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz.

Nach dem Terrorangriff mit einem gekaperten Lkw, zwölf Menschen starben und mehr als 60 wurden verletzt, tauchte Walid S. am Tatort auf. Dass er am Anschlag seines tunesischen Freundes beteiligt war, ließ sich jedoch nicht nachweisen. Die Polizei hat Walid S. allerdings als terroristischen Gefährder eingestuft.

Anschlag auf Berliner Halbmarathon befürchtet

Im Dezember 2017 durchsuchten Polizeibeamte seine Wohnung und die Räume von drei weiteren Salafisten. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte ein Verfahren eingeleitet wegen des Verdachts, Walid S. und zwei seiner Kumpane seien 2016 nach Syrien zum IS gereist. Im April 2018 wurden Walid S. und fünf weitere Salafisten vorläufig festgenommen, da die Sicherheitsbehörden einen Anschlag auf den Berliner Halbmarathon befürchteten.

Die Männer hatten sich mehrmals zu Örtlichkeiten an der Route des bevorstehenden Sportspektakels begeben, auch nachts. Die Salafisten bestritten, einen Angriff geplant zu haben, doch die Ermittlungen laufen noch heute.

Im Oktober 2019 schlug Walid S., offenbar in religiösem Wahn, in einem Krankenhaus einem Sanitäter ins Gesicht. Danach wurde der Deutschiraker in die Psychiatrie eingewiesen. Ein Gutachter hielt aber eine längere Unterbringung für unnötig, im Januar 2020 wurde Walid S. entlassen. Ein halbes Jahr später schlug er in Wedding auf den VW-Caddy ein und prügelte sich mit Polizisten. Im Mai 2020 war Walid S. zudem in Verdacht geraten, unrechtmäßig 9000 Euro staatliche Corona-Soforthilfe für eine Eisdiele beantragt zu haben.

Zur Startseite