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Vor dem Einfamilienhaus in Senzig, einem Ortsteil der Stadt Königs Wusterhausen im Landkreis Dahme-Spreewald, hat jemand eine Botschaft gehängt. Foto: Fabian Sommer/dpa
© Fabian Sommer/dpa

Update Getötete Familie in Königs Wusterhausen Ermittler haben keine Erkenntnisse zu massenhaften Impfpass-Fälschungen

Devid R. hatte seiner Frau offenbar einen gefälschten Impfpass besorgt. Zu den Hintergründen der Tat wird weiter ermittelt.

Im Fall der getöteten fünfköpfigen Familie in Königs Wusterhausen bei Berlin haben die Ermittler bislang keine Erkenntnisse dazu, dass der Vater massenhaft Impfpässe gefälscht haben soll. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Cottbus widersprach ausdrücklich Medienberichten, in denen es hieß, Devid R. habe massenhaft Impfpässe gefälscht. Zuerst hatte der RBB am Mittwochabend unter Berufung auf Ermittlerkreise darüber berichtet.

Zu den Hintergründen der Tat wird weiter ermittelt. Die schriftlichen Ergebnisse der Obduktion stünden noch aus – sie lägen erst in einigen Wochen vor, sagte Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon am Donnerstag auf Nachfrage. Auch sei noch nicht sicher, dass die gefundene Waffe auch die Tatwaffe gewesen sei: „Die Ermittlungen gehen weiter.“ Die Ermittler gehen aber davon aus, dass es die Tatwaffe ist.

Bisher war bekannt geworden, dass Devid R. den Impfausweis seiner Frau hatte fälschen lassen. Dies ging aus einem Abschiedsbrief hervor, den Ermittler am Tatort gefunden hatten.  

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Darin begründete R. seine Tat damit, dass er Angst davor hatte, verhaftet zu werden. Auch befürchtete er, dass der Familie die Kinder entzogen werden. Seine 40-jährige Frau war in der Verwaltung der Technischen Hochschule Wildau tätig. Dort war ihr gefälschter Impfpass aufgefallen. 

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte R. in seinem Abschiedsbrief behauptet, dass die Hochschule der Fälschung mit aller Strenge nachgehen werde. Tatsächlich hat die Hochschule nach Angaben des Wissenschaftsministeriums in Potsdam die Mitarbeiterin zunächst um eine Stellungnahme gebeten, nachdem die Fälschung aufgefallen war.

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Die Ermittler gehen nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen davon aus, dass Devid R. erst seine drei Kinder, seine Frau und dann sich selbst erschossen hat.

Wie die Obduktion ergab, hatte die Familie bereits seit der Nacht zu Freitag tot in dem Einfamilienhaus gelegen. Beamte hatten die Leichen am Sonnabend im Wohnhaus der Familie entdeckt, nachdem ein Nachbar die Polizei anrief.

Der 40-jährige R. war am 25. November einer lokalen Gruppe von Impfgegnern und Coronaleugnern beim Messengerdienst "Telegram" beigetreten. Dort war er zuletzt am Donnerstagabend gegen 21 Uhr online. Für die Tat soll R. eine Kurzwaffe – eine Pistole oder einen Revolver – benutzt haben. Den Ermittlern zufolge besaß er keinen Waffenschein dafür. Sie gehen davon aus, dass R. die Waffe illegal beschafft hat. (Tsp, AFP, dpa)

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Der Tagesspiegel berichtet üblicherweise nicht über Suizide. Der vorliegende Fall hatte allerdings schon breite öffentliche Aufmerksamkeit erfahren, als noch von einem Unglück auszugehen war. Daher setzen wir die Berichterstattung im gebotenen Umfang fort.

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