In kleinen Schritten zum Heiligabend - mit unserem Ideen-Weihnachtskalender. Foto: Patrick Pleul/dpa
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Update Geschenkideen für Weihnachten Ein Tropfen aus der alten Heimat

den Autorinnen Autoren des Tagesspiegels

In unserer Weihnachtsserie stellen wir bis zum 24. Dezember jeden Tag persönliche Geschenkideen vor. Öffnen Sie hier die Türchen.

Weihnachten naht – und Sie haben immer noch keine passende Geschenkidee für Eltern, Geschwister, Großeltern und Freunde? In unserem Tagesspiegel-Adventskalender stellen wir jeden Tag persönliche Geschenkideen vor.

Türchen 7 - Weine aus der Pfalz

Im Winter wird er betrogen, durch heiße Konkurrenz ersetzt, und im Sommer bevorzugt man meist seine süßen Rivalen. Ja, der Weißwein hat’s nicht leicht. Es fällt ihm schwer, zwischen all den anderen Getränken aufzufallen. Und trotzdem, oder gerade deshalb, ist der Weißwein ein schönes Weihnachtsgeschenk. Er bleibt ein treuer Begleiter, an warmen wie kalten Tagen – und man verbrennt sich an ihm nicht die Zunge.

Weißwein wärmt von innen, in meinem Fall dank schöner Erinnerungen: Als ich nach Berlin zog, packte mir mein Vater eine Kiste voller Wein aus der Pfalz ein, um Heimweh zu verhindern. Und wenn mich Freunde von dort besuchen, bringen sie ein paar Flaschen mit. So sammelt sich über das Jahr ein Vorrat an, der an dunklen Wintertagen zu schrumpfen beginnt und bald ganz verschwindet.

Ein Riesling des Weinguts Borell-Diehl. Foto: Promo Vergrößern
Ein Riesling des Weinguts Borell-Diehl. © Promo

Während der Glühwein frierend auf Weihnachtsmärkten geschlürft wird, können Weißweintrinker gemütlich zu Hause bleiben – oder eine Flasche zu einem Anlass mitbringen. Dass sich der Vorrat dadurch leert, ist kein Problem, denn in Berlin gibt es viele tolle Weinläden. Zum Beispiel die Weinhandlung Suff in der Oranienstraße 200 in Kreuzberg (suffberlin.de). Ich empfehle den trockenen Riesling des Weinguts Borell-Diehl, importiert aus dem pfälzischen Hainfeld. Ein guter Weißwein schmeckt für mich nach Gesprächen in WG-Küchen und der Vorfreude auf den nächsten Sommer. Er eignet sich als Geschenk für gute Freunde, in deren Gesellschaft sich der Wein dann auch gleich trinken lässt – im Winter und dem Rest des Jahres.

Türchen 6 - Tagesspiegel-Kiezkalender

Ich verschenke gerne richtig „Berliniges“, wie den Tagesspiegel-Kiezkalender. Die Fotos, die die Kollegen über das Jahr mit der Kamera eingefangen haben, offenbaren Unerwartetes, wie jene Kreuzberger Ecke am Oranienplatz, die trotz Gentrifizierung schmuddelig-bunt geblieben ist. Oder sie beweisen, dass man auch in Mittes Touristentrubel öfter mal stehenbleiben und genauer hinschauen sollte. Plötzlich ergibt sich da eine Aufnahme, die in einer einzigen Perspektive zugleich die historische Schönheit des alten Berlins ebenso wie die stetige Erneuerung der Stadt dokumentiert.

Mal ist es ein Foto von Tempelhofer Kleingärtnern am frühen Morgen, mal von einer Demo vor dem Kanzleramt am Mittag oder am späten Abend vom Promi-Auflauf beim Bundespressball. Doch bei all ihrer Professionalität haben die Tagesspiegel-Fotografinnen und -Fotografen den Blick aufs echte Berlin nie verloren, das zeigen die lokalen „Schnappschüsse“ im Kiezkalender.

Das ganz Große findet man oft im Detail: Das zeigen einem diese ganz eigenen Stadtbilder im großformatigen Wandkalender. Dazu erläutern Tagesspiegel-Autoren, wie die zwölf Berliner Bezirke und ihre Kieze ticken. Ein ideales Geschenk für ferne Freunde und Verwandte, denen man so zeigen kann, warum man es in dieser verrückten, aber liebenswerten Stadt immer noch gerne aushält.

Der Tagesspiegel Berliner Kiezkalender für 2020. Foto: Tagesspiegel Shop Vergrößern
Der Tagesspiegel Berliner Kiezkalender für 2020. © Tagesspiegel Shop

Den Kalender gibt es für 24,95 Euro (Abonnenten 22,95 Euro) im Tagesspiegel-Shop im Redaktionsgebäude direkt am Anhalter Bahnhof und online via shop.tagesspiegel.de Michael Pöppl

Türchen 5 - Rosa Plastik Magie

Eigentlich besitze ich genug Kulis. Sie sind ja gewissermaßen mein Handwerkszeug. Gedankenstützen und Ideen schreibe ich in der Regel immer noch altmodisch auf, statt sie ins Smartphone zu tippen. Es ist also nicht so, dass dringender Bedarf bestünde oder dass ein Kuli-Geschenk eine Riesenüberraschung und besonders originell wäre.

Und trotzdem ist es ein Kuli, der in meiner Geschenke-Erinnerung einen besonderen Platz einnimmt. Eigentlich war er nur ein Beigeschenk zu einem Buch, das auch sehr gut war. Aber dann hat er sich doch zum Hauptgeschenk entwickelt, weil er so nachhaltig Freude bereitet hat.

Der Kuli in pink mit der Aufschrift „You are magic“. Foto: Doris Spiekermann-Klaas Vergrößern
Der Kuli in pink mit der Aufschrift „You are magic“. © Doris Spiekermann-Klaas

Es sind keineswegs immer die großen, platzheischenden Geschenke, die auch die größte Freude bereiten, sondern manchmal kleine Ideen, in denen sich Gesten verstecken. Das gilt besonders für Menschen, die keine Riesenhäuser besitzen, obwohl sie welche bräuchten, weil sie so schlecht wegwerfen können.

Dieser Kuli ist rosa und aus Plastik, er ist hübsch, aber kann wohl nicht sehr teuer gewesen sein. Er trug die Aufschrift „you are magic“. Jedes Mal, wenn ich ihn in die Hand nehme, um etwas zu schreiben, muss ich lächeln. Man kann die Aufschrift als Kompliment verstehen oder als Herausforderung, was mir noch besser gefällt. Etwas von augenzwinkernder Wertschätzung steckt da drin, die im Alltag oft fehlt, die für mich etwas sehr Festliches hat. Nicht nur in der magischen Geschenke-Saison.

Schreibgeräte und andere schöne Dinge gibt es bei „Zweite Liebe“, Florastr. 59, Pankow. Elisabeth Binder

Türchen 4 – Berliner Fernsehturm aus recyceltem Holz

Dirk Gericke arbeitet nur mit Massivholz, und er hat Respekt vor seinem Material. „So ein Baum wächst 150 Jahre, oft machen wir uns darüber gar keine Gedanken“, sagt der Tischler. Er drechselt auch gerne, und so kam er irgendwann darauf, aus altem Holz den Berliner Fernsehturm zu formen.

Daraus ist inzwischen ein eigener kleiner Geschäftszweig geworden. „Wenn wir in einem Haus eine Treppe abbauen, dann verleime ich das Holz und mache einen Fernsehturm daraus“, sagt der 46-Jährige. Auch der Kirschbaum aus Schwiegervaters Garten, der gefällt werden musste, hat ein neues Leben als Fernsehturm erhalten. „Material wiederzuverwenden, das hat man schon immer gemacht“, sagt der gebürtige Brandenburger, der in Hermsdorf lebt. „Heute nennt man es Upcycling.“

Billig sind seine Werke nicht. Der günstigste Turm hat 30 Zentimeter und kostet 180 Euro, der Größte misst stattliche drei Meter und kostet 6800 Euro. Die Türme werden im Möbelhaus Smow am Kurfürstendamm 100 verkauft.

Lieber ist es Gericke aber, wenn man persönlich mit ihm bespricht, was man sich wünscht. Dann kann der Kunde das Holz aussuchen, über das Finish entscheiden und mitunter lassen sich auch persönliche Bezüge herstellen, etwa über die Herkunft des Materials. Wer diesen Weg gehen will, schreibt an info@tischlerei-gericke.de Fatina Keilani

Türchen 3 - Zuckerschock für die ganze Familie

Mein liebstes Berlin-Geschenk kommt ursprünglich aus Syrien: Jedes Jahr verschenke ich Baklava von der Konditorei Damaskus in Neukölln. Kostenpunkt 30 Euro pro Kilo, auf Wunsch arrangieren die Konditoren die mit Sirup getränkten Happen kunstvoll in Pappschachteln. Die machen so unter jedem noch so christlichen Weihnachtsbaum eine gute Figur – versprochen.

Baklava der syrischen Bäckerei "Damaskus" aus Berlin-Neukölln. Foto: Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
Baklava der syrischen Bäckerei "Damaskus" aus Berlin-Neukölln. © Kitty Kleist-Heinrich

Der Konditorei, betrieben von der aus dem syrischen Homs stammenden Familie al-Sakka, habe ich nicht nur dieses Allround-Geschenk zu verdanken, sondern auch meine liebste Vorweihnachtstradition: ein Spaziergang über die Sonnenallee. Hier merkt man von Weihnachten nicht allzu viel. Diese kurze Pause von den sonst unausweichlichen „Last Christmas“-Dauerschleifen und grünen Nadelgehölzen ist mir willkommen.

Mein Streifzug endet schließlich in der Hausnummer 93, wo seit Mai 2016 die besten Baklava Berlins verkauft werden. Darüber lässt sich natürlich streiten. Aber als Weihnachtsgeschenk eignen sich die der Bäckerei Damaskus ganz besonders. Denn die Boxen sehen nicht nur schön aus, sondern überstehen auch den Transport bis unter den Weihnachtsbaum bestens. Sobald mein Einkauf erledigt ist, belohne ich mich selbst mit ein paar frischen Süßigkeiten und einem mir viel zu starken schwarzen Tee. Mit einem massiven Zuckerschock laufe ich schließlich zurück zum Hermannplatz und bin wieder im vorweihnachtlichen Berlin. Nina Breher

Türchen 2 – Mundart in der Psychiatrie

Es ist nicht nur das bekannteste christliche Gebet, „Vater unser“ ist auch der Debüt-Titel der österreichischen Schriftstellerin Angela Lehner, die in Berlin lebt. Darin weigert sich die unzuverlässige Erzählerin nach Kräften, ihre familiären und sonstigen Lebensprobleme im Wiener Psychiatrie-Spital aufzuarbeiten, obwohl ihr Therapeut Doktor Korb sein Bestes zu geben scheint.

Den Roman im aggressiv pinken Schutzumschlag habe ich in Prenzlauer Berg empfohlen bekommen. Buchhändlerinnen im „Anakoluth“ haben ein veritables Print-Faible und bereichern nicht nur mich, sondern auch meinen Arzt, den ich dort zufällig mal getroffen habe, durch die Bank mit hervorragenden Literatur-Hinweisen.

Nachdem ich Lehners Roman also mit nach Hause genommen hatte (irgendeines kaufe ich auf Anraten dort immer), ereilte mich eines der schönsten Geschenke, das man von einem Buch bekommen kann: Ich wurde von ihm gefesselt.

Sprachlich zart, Mundart-Sätze, die auch in Schriftdeutsch funktionieren (klappt selten), und inhaltlich so hart wie der grelle Umschlag. Wenn sich also die nächste Festtags-Katastrophe anbahnt (soll vorkommen), dann kann das Buch um die Protagonistin in der Psychiatrie vielleicht Trost schenken: Es könnte alles schlimmer sein. Für gemütliche Weihnachts-Schmökereien ist „Vater unser“ allerdings eher ungeeignet.

Das Buch stand 2019 auf der Shortlist für den Österreichischen Literaturpreis und war auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Hier geht es zum Shop des Hanser-Verlags. Kathrin Maurer

Türchen 1 - Ein großer Schluck Liebe

Ein Geschenk, das ich zu Weihnachten gerne an Freunde außerhalb oder „Zugezogene“ verschenke, ist der Dry Adler Gin aus der Preußischen Spirituosen Manufaktur in Wedding.

Schließlich ist Weihnachten die Zeit des Zusammenkommens. Ich verbringe jeden Feiertag im Kreis meiner Familie. Traditionell gibt es an einem gemütlichen Abend den einen oder anderen Schnaps. Wir stoßen an auf Weihnachten, das Fest der Liebe, denn Familie ist Liebe – auch wenn es manchmal knirscht.

Prost. Weihnachten kann ein Absacker nicht schaden. Montage: Tsp/promo Vergrößern
Prost. Weihnachten kann ein Absacker nicht schaden. © Montage: Tsp/promo

Ein guter Wacholderbrand ist da nie verkehrt und wer ihn nicht pur trinken mag, mixt ihn mit Tonicwater, dazu ein Scheibchen Gurke und der After-Weihnachtsstress-Cocktail ist perfekt.

Der aus Wedding ist nicht nur geschmacklich empfehlenswert, er ist auch ein echtes Berliner Unikat und stammt aus einem traditionsreichen Haus. In der alten Fabrik war schon Kaiser Wilhelm I. ein gern gesehener Gast.

Seit 1874 werkeln Destillateurmeister hier an Verfahren und Rezepturen, entwickeln sie weiter und dokumentieren ihre Versuche akribisch. Die Gerätschaften sind im Originalzustand erhalten. Den alten Charme spürt man, wenn man die unscheinbare Tür am Kopf des dunklen Gemäuers nach einem Gang über den Hof gefunden hat. Wer weniger flüssig unterwegs ist, aber wissenschaftlich interessiert, kann eine Tour durch die Manufaktur buchen und preußischen Geist wenigstens inhalieren. Die Flasche Adler Gin ist für rund 30 Euro zu haben, Infos zum Verkauf unter www.psmberlin.de. Magdalena Thiele

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