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Sie sind da: Das "Futoro13" ankert derzeit an der Spree in der Nähe des Rummelsburger Sees.  Foto: Robert Klages
© Robert Klages

„Futuro13“ an der Spree Berlins „DDR-Ufo“ kehrt zurück

Früher haben Kinder dort auf ihre Eltern gewartet, heute schippert es über den Rummelsburger See. Das „Futuro13“ diente als Beschallungsstudio im ehemaligen DDR-Kulturpark. Dorthin soll es nun zurückkehren.

Eine Gruppe junger Tourist:innen schaut auf das Objekt am Ufer, es sieht aus wie ein Ufo. Mit ihrem gemieteten Boot fahren sie näher ran, das Objekt ist unbemannt, sie fahren weiter, zucken mit den Schultern. 

Viele Berliner:innen kennen das Ufo, das an der Spree in der Nähe vom Rummelsburger See liegt. 

Vielleicht haben einige von ihnen sogar schon einmal daringesessen, damals, zur DDR-Zeit im „Kulturpark“ im Plänterwald. Denn dort diente es als zentrales Beschallungsstudio. Kinder, die ihre Eltern verloren hatten, warteten darin, während die Eltern ausgerufen wurden. 

Aber wie ist das Ufo in den Bezirk Lichtenberg gekommen? Die Requisiteurin Cora Geißler hatte es Anfang der 2000er Jahre aus der Insolvenzmasse des längst geschlossenen Parks gekauft und ließ es zunächst über die Spree auf das einstige Funkhausgelände an der Nalepastraße im Bezirk Treptow-Köpenick bringen. 

Wohin nur mit dem Ufo?

Doch dort musste es weg, der Eigentümer hat andere Pläne mit dem Gelände - und da das Objekt nur auf dem Wasserweg transportiert werden kann, „ankert“ es derzeit an einem Hafengelände in der Nähe des Restaurants „Hafenküche“ am Rummelsburger See - also in etwa schräg gegenüber vom ehemaligen Kulturpark. Es wiegt 4,5 Tonnen und hat einen Durchmesser von acht Metern. Für den einfachen Transport auf der Straße ist es daher zu schwer und zu klobig. 

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Zusammen mit rund 20 anderen Personen aus dem Bereich der Architektur restauriert Cora Geißler das "Futuro13", wie das Ufo heißt. Auf einem Ponton befestigt soll es leichter den Standort wechseln können. "Wir hoffen, dass die Ausstrahlung des Futuros erhalten bleiben und es zu einem Symbol an der Spree werden kann. Es wäre schade, wenn wir Berlin verlassen müssten", sagt Geißler. 

Wieso "Futuro13"? 13 ist die Seriennummer, "Futuro" der Produktname. 1965 entwarf der finnische Architekten Matti Suuronen die Nummer 1 als Skihütte. Diese sollte, so die Idee, mit Hubschraubern durch die Berge transportiert werden können. 

Durch das geringe Raumvolumen konnten die Behausungen günstig und schnell beheizt werden. In Finnland begann die Serienproduktion. Allerdings verließen nur 22 Futuros das Werk. "Die Ölkrise von 1972 hatten den Preis für Kunststoff verdreifacht", erzählt Geißler. 

Auf der Suche nach den "DDR-Futuros"

Heute existieren noch elf Originale: Nur eines dient seinem ursprünglichen Zweck als Skihütte - in den Bergen Russlands. Andere Exemplare stehen beispielsweise in Japan, Neuseeland, den USA oder in einem Jugendclub bei Frankfurt am Main. Geißler arbeitet derzeit an einem Film über die weltweit erhaltenen Futuro-Häuser. 

Das Futuro mit der Seriennummer 13 wurde 1969 zum 20. Geburtstag der DDR im Kulturpark im Plänterwald aufgestellt. Es diente als Funkstudio, von dem aus der gesamte Park mit Musik beschallt wurde.

Bei vielen Berliner:innen bekannt: das Riesenrad im "Spreepark".  Foto: Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
Bei vielen Berliner:innen bekannt: das Riesenrad im "Spreepark".  © Kitty Kleist-Heinrich

Nach dem Ende der DDR wurde das Gelände von einer Firma namens Spreepark GmbH übernommen und in „Spreepark“ umgetauft. In dem kommerziellen Freizeitpark fand das Futuro13 keinen Platz mehr und lagerte als Schrott am Rande des Parks. Dort hatte es Geißler bei einem Spaziergang 2002 entdeckt. 

Die Verhandlungen mit dem Spreepark über einen Kaufpreis waren jedoch sehr zäh, erzählt Geißler. Erst nach der Insolvenz der Eigentümer konnte sie mit den neuen Verwaltern einen Kaufvertrag abschließen.

Der Spreepark wird derzeit für rund 20 Millionen Euro neugestaltet und gehört der landeseigenen Grün Berlin GmbH. "Das Futuro13 soll ein mobiler Baustein dieses ambitionierten Projektes werden und als Satellit seine Runden auf der Spree drehen", sagt Geißler. "Es werden dort Gesprächsrunden und Workshops zu aktuellen Themen von Kunst und Kultur stattfinden."


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