Die Schreibfederpassage mit dem geschlossenen Haferkater und der holländischen Snackbar "Frituur de Molen" Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Friedrichshain „Haferkater“ und „Frituur de Molen“ schließen ihre Läden

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Zwei beliebte Kiezimbisse müssen einem Neubauquartier weichen. Sie wären gern geblieben.

Die Ladenzeile lag etwas versteckt, aber das Angebot von holländischen Fritten und Porridge in allerlei Variationen sprach sich schnell herum. Die beiden Imbissbuden an der sogenannten Schreibfederpassage, eine fußläufige Verbindung von der Boxhagener Straße 76-78 zur Weserstraße, müssen weichen, denn Ende des Jahres wird das 8600 Quadratmeter große Areal um die ehemalige Schreibfederfabrik bebaut und trägt dann den Namen „Schreibfeder Höfe“.

Ein Getränke Hoffmann und ein leerstehender Schlecker wurden schon abgerissen, geblieben ist nur ein Schuttberg. Die holländische Snackbar De Molen würde eigentlich gern bleiben, der Haferkater hat freiwillig gekündigt und feiert am heutigen 8. September eine Abrissparty.

Haferkater lehnte Angebot ab

Vor zwei Jahren hat das „Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklung“ die Fläche erworben, 2021 sollen drei Bauvorhaben fertig sein: Das Baudenkmal mit dem zerstörten Dachgeschoss bekommt einem Ergänzungsbau für Büros. Die beiden anderen Vorhaben seien an der Umgebung orientiert: „Die Weserstraße ist eine Wohnstraße, die Boxhagener Straße hat ein gute Kiezlage“, erklärt Projektleiter Klaus Heldwein. So entstünden zur Weserstraße ein sechsgeschossiger Bau mit rund 100 Eigentumswohnungen und Richtung Boxhagener Straße ein Haus mit 100 Mietwohnungen sowie Geschäften im Erdgeschoss. Neben einem „Lidl“-Markt ist für weitere Gewerbe Platz.

Dem Haferkater, bei dem sich viele Nachbarn ihr Frühstücksporridge in Becher schöpfen ließen, bot das Hamburg Team an, in den Neubau einzuziehen. Doch „anders ist es nicht mehr dasselbe“, erklärt Mitgründer Leandro Burguete. Zu Anfang September hat der junge Unternehmer gekündigt.

Das neue Gebäude werde erst in zwei Jahren fertiggestellt und „das macht keinen Sinn“. Im kleinen begrünten Holzhaus mit Theke zur Straße und Terrasse nahm das Kleingewerbe 2015 seinen Anfang. Jetzt gibt es noch einen Haferkater in der Friedrichstraße, eine neue Filiale eröffnete in der Eberswalder Straße. Dem Unternehmen geht es nicht schlecht, trotzdem trauert Burguete dem Häuschen mit Kultstatus nach.

„Friedrichshain ist nicht Mitte“

Bei De Molen dagegen weiß man noch nicht, wo es hingeht: „Es ist entmutigend, die Mieten sind enorm“, klagt ein Mitarbeiter, der anonym bleiben will. Seit zehn Jahren gibt es die Snackbar im Kiez, seit drei Jahren in der Passage – mit holländischen Fritten, Soßen, Kroketten und Bier zu moderaten Preisen.

Auch die holländische Snackbar wird nicht in den Neubau einziehen. Ein Mietwohnungsbau und eine Frittenbude passten laut Heldwein nicht so richtig zusammen. „Bei entsprechender Wetterlage riecht alles nach Pommes.“ Auf das Hamburg Team ist der Mitarbeiter der Snackbar nicht gut zu sprechen: „Es kommen Gebäudekomplexe hierher, die gar nicht passen. Das sieht dann aus wie in Mitte, und Friedrichshain ist nicht Mitte.“

Heldwein hingegen betont, die Bauvorhaben würden zur denkmalgeschützten Schreibfederfabrik passen: „Wir finden es schön, dass das Grundstück schon Geschichte mitbringt. Nebenan gibt es ein großes Bauprojekt, das sich gerade eher selbst erfindet“, sagt er und meint damit die Fläche zwischen Boxhagener-, Holteis- und Weserstraße, dort entsteht Wohnen „in gehobener Lage“. So weiß und glatt wie diese Gebäude sollen die Schreibfeder-Neubauten nicht werden, stattdessen soll sich das Backsteinrot der historischen Fabrik in den Fassaden wiederfinden.

Ob eine Passage unter freiem Himmel auch zukünftig die Boxhagener Straße mit der Weserstraße verbindet, kann das Hamburg Team noch nicht sagen. „Es wird sich ein bisschen nach nebenan verlagern“, sagt Heldwein – die öffentliche Grünanlage auf dem Nachbargelände könne nach Fertigstellung durchquert werden. Die Security-Mitarbeiter an der Baustelle bedauern, dass die Snackbar und der Haferkater bald verschwinden: „Da kann man gut Mittagessen und Kaffee trinken.“

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