Koffein-Fans der CDU (so hieß mal deren Motto). Foto: imago/Christian Ditsch
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Friedlieb Ferdinand Runge Was den Entdecker des Koffeins mit Berlin verbindet

Friedlieb Ferdinand Runge wurde heute vor 225 Jahren geboren. Eine Spurensuche in Oranienburg und Berlin.

"Guten Morgen! Käffchen gefällig?" Bei Google haben sie dem Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge ein Denkmal gesetzt, ohne den in diesem Land nichts laufen würde. Oder nur ganz langsam.

Es geht um Friedlieb Ferdinand Runge, der als Koffein-Entdecker gilt. Und weil der heute vor 225 Jahren geboren wurde, steht sein Vermächtnis prominent als Doodle ganz oben auf der Google-Startseite. Guten Morgen!

Logo, Berlin ist eine Kaffee-Stadt, aber welche ist das eigentlich nicht? Gucken wir mal kurz aus lokaler Sicht auf seine Vita: Bingo, der Mann hatte so einiges mit Berlin zu tun. Aber der Reihe nach: Geboren 1794 in Hamburg, studierte der Mann ab Herbst 1816 für eineinhalb Jahre an der Uni in Berlin - welche, war jetzt nicht auf die Schnelle herauszufinden, trotz Kaffees! - und begann hier das Medizinstudium. Über Göttingen kehrte Runge wieder zurück und schaffte hier in der Stadt seinen Doktortitel.

"Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Breslau ging er 1832 nach Oranienburg, um hier für 20 Jahre als technischer Leiter der Chemischen Produkten-Fabrik zu arbeiten", lesen wir auf der Internetseite www.friedlieb-runge.de. Er starb 1867 in Oranienburg, kurz hinter der nördlichen Berliner Stadtgrenze. Er wurde 73 Jahre alt. Sein Grab - mit einem stattlichen Obelisk - befindet sich noch immer auf dem städtischen Friedhof von Oranienburg. Mit der S-Bahnlinie S1 anreisen, dann zu Fuß weiter.

Nach ihm benannt ist dort oben in Oranienburg übrigens auch das Friedlieb-Ferdinand-Runge-Gymnasium. Seit wann die Schule den berühmten Namen trägt? Gucken wir mal in die Chronik der Schule, bitteschön, nicht gähnen: "Im April 1992 erfolgte im feierlichen Rahmen die offizielle Namensgebung. Die Mehrheit der befragten Oranienburger/innen und 70% der Gymnasiasten hatten sich für den Namen Gymnasium „Friedlieb Ferdinand Runge“ ausgesprochen, um das Lebenswerk Runges zu würdigen", heißt es in der Schulchronik.

In Berlin selbst erinnert wenig an den Koffein-Entdecker - die Stadt döst etwas in Sachen Kulinarik. Es gab mal ein Kaffeemuseum in Prenzlauer Berg, das zog später weiter nach Kreuzberg in die Gneisenaustraße. Blick ins Berliner Straßenlexikon Kauperts? Keine Friedlieb-Ferdinand-Rungestraße, nirgends. Aber das Schicksal teilt der Koffein-Entdecker mit Berliner Größen, ohne die für so manchen nichts geht in dieser Stadt.

Zwei Beispiele aus Berlin-Charlottenburg: Hertha Heuwer erfand 1949 am "Stutti" die Currywurst, Kadir Nurman bastelte 1972 den Döner Kebab am Bahnhof Zoo zusammen. Auch sie: ohne Straßennamen. Wenn also mal wieder ein Straßenschild gesucht wird, mit dem verdiente Menschen aus dieser Stadt gewürdigt werden sollten - bitte, hier sind drei Kandidaten. Das Berliner Buffet steht bei der Party zumindest schon mal fest: Curry, Kebab, dazu ordentlich Koffein. Mahlzeit.

Nicht Herr Runge, aber Koffein-Fan: Bundestrainer Joachim Löw. Foto: dpa Vergrößern
Nicht Herr Runge, aber Koffein-Fan: Bundestrainer Joachim Löw. © dpa

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