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Entlang der Straße des 17. Juni verläuft die Teststrecke für autonomes Fahren in Berlin. Foto: imago images/Westend61
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Forschungsprojekt zu fahrerlosem Verkehr Autonomer Linienbus soll durch Berlins Zentrum fahren

Ab April soll ein autonomer Bus selbstständig durch das Berliner Regierungsviertel und die City West fahren. Die Mitfahrt soll kostenlos möglich sein.

Das Berliner Regierungsviertel wird im kommenden Frühjahr um eine Attraktion reicher. Ab April 2022 soll ein autonom betriebener Linienbus durch das Stadtzentrum fahren und die Blicke von Tourist:innen und Berliner:innen auf sich lenken.

„Es wird einen festen Fahrplan geben, und man kann kostenlos damit fahren“, sagte Sahin Albayrak, Informatik-Professor an der TU Berlin und Leiter des Labors für verteilte Künstliche Intelligenz (DAI-Labor). Innen und außen werde der Bus dazu mit Bildschirmen ausgestattet. „So kann man sehen, welche Aktionen der Bus gerade ausführt und was das Fahrzeug sieht.“

Die Schaufahrten sollen auf einer zehn Kilometer langen Route zwischen City West und Regierungsviertel stattfinden. Vom Start am Ernst-Reuter-Platz in Charlottenburg wird der Bus über die Straße des 17. Juni zum Brandenburger Tor fahren, von dort entlang des Reichstagsgebäudes und am Schloss Bellevue vorbei zurück zum Ernst-Reuter-Platz rollen.

Anschließend soll die Route über die Hardenbergstraße zum Bahnhof Zoo führen und nach einer Fahrt über den Kurfürstendamm am Adenauer Platz enden. Der Ein- und Ausstieg solle entlang der Route jeweils an den Haltestellen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) möglich sein, sagte Albayrak.

Der Forscher war am Montag in den „Mobility Space“ des ADAC Berlin-Brandenburg in der Niederbarnimstraße in Friedrichshain gekommen. Seit Sonnabend läuft dort eine Informationswoche zum Thema autonomes Fahren. Im Zentrum steht das Projekt BeIntelli, mit dem das DAI-Labor, der ADAC und zehn weitere Projektpartner autonom fahrende Autos erforschen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentieren wollen.

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„Das Projekt soll autonomes Fahren im echten Verkehr testen“, sagte Karsten Schulze, Vorstand für Technik im ADAC Berlin-Brandenburg. „Die Autos können zur Sicherheit beitragen, weil sie mehr sehen als der Mensch.“ Das sei besonders im Berliner Großstadtverkehr wichtig. Zudem könne der Parksuchverkehr durch die intelligent-vernetzten Fahrzeuge sinken, ergänzte Schulze.

Um die Technik weiterzuentwickeln, fahren bereits heute Autos, Transporter und Lieferroboter selbstständig auf dem Kurs, auf dem künftig auch der zwölf Meter lange Bus durch die Stadt rollen soll. Einen solchen Wagen, einen VW-SUV, präsentierten die Projektpartner am Montag in Friedrichshain. Das Fahrzeug ist mit etlichen Kameras, Lasertechnik (Lidar) und Ultraschall ausgestattet. Verarbeitet werden die Daten durch zwei Computer an Bord.

Straßen in Berlin mit Kameras und Sensoren ausgestattet

Beim Berliner Projekt bildet das aber nur eine Hälfte der Technik. Zugleich sind auch die Straßen entlang des Testfelds mit insgesamt 250 Sensoren ausgestattet, um Parkplätze, Wetter, Ampelschaltungen und den Verkehr zu erfassen. All dies erhöhe die Sicherheit, sagte Albayrak. Fahrzeuge könnten durch die festinstallierte Technik frühzeitig vor gefährlichen Situationen gewarnt werden. Bislang treffen selbstfahrende Fahrzeuge ihre Entscheidung nur auf Grundlage der Daten, die sie selbst durch Sensoren sammeln.

Zumindest in Großstädten, sagte der Forscher, müsse daher das Straßennetz künftig vollständig digitalisiert werden. Nötig sei daneben auch der Ausbau des 5G-Netzes. Ansonsten könnten die großen Datenmengen nicht schnell genug zwischen Straße und Fahrzeugen ausgetauscht werden, so Albayrak.

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Seit Jahren arbeiten Autokonzerne und Zulieferer am autonomem Fahren. Trotz vieler markiger Ankündigungen etwa von Tesla-Gründer Elon Musk sind vollständig selbststeuernde Autos noch nicht zugelassen. Als technisch am weitesten entwickelt gilt laut Albayrak derzeit die neue S-Klasse von Mercedes-Benz. Sie erreiche Level drei von fünf auf dem Weg zum autonomen Fahren. In definierten Anwendungsfällen fährt der Pkw selbstständig. Fahrer:innen dürfen sich dabei vorrübergehend vom Fahren und dem Verkehr abwenden.

Die Test-Fahrzeuge aus dem TU-Projekt erreichen bereits Level 4 beim Automatisierungsgrad. Auch das sei noch nicht das Ende, ist Albayrak überzeugt: "Level 5 wird in zehn Jahren funktionieren. Niemand wird diese Entwicklung stoppen können", sagte er. Allerdings gehe es in nicht darum, die Technik schnellstmöglich zu erreichen, sondern auch die Gesellschaft auf dem Weg dahin mitzunehmen. "Deshalb ist es wichtig, dass wir den Menschen die Technik in unserem Projekt näherbringen."

Ab April können das alle Interessierte im Busbetrieb in Berlin selbst erleben. Bislang sind nur selbstständig fahrende Kleinbusse unter anderem in Tegel im Einsatz. Ganz ohne Fahrer:innen geht es dann jedoch noch nicht: Auch wenn der Bus selbstständig fahren wird, Fahrer:innen, die das Lenkrad halten, werden zunächst rechtlich weiterhin nötig sein.

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