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Nördlich vom Campus Mitte der Charité könnte das gemeinsame Zentrum mit Bayer entstehen. Jürgen Ritter / imago
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Forschung in Berlin Zentrum von Charité und Bayer ist auch für Start-ups offen

Senatschefin Giffey unterzeichnet Absichtserklärung für Gen- und Zelltherapie-Zentrum, 300 Fachleute könnten nahe des Bayer-Pharma-Werks am Nordhafen arbeiten.

Diesen Schritt wollte Senatschefin Franziska Giffey (SPD) dann doch gern selbst verkünden – Europas größte Universitätsklinik, die landeseigene Charité, und der global tätige Chemiekonzern Bayer planen in Berlin ein gemeinsames Forschungszentrum. Am Dienstag präsentierte Giffey im Roten Rathaus das von Charité-Vorstand Heyo Kroemer und Bayer-Pharma-Chef Stefan Oelrich unterzeichnete Memorandum zur Errichtung eines Zentrums für Gen- und Zelltherapie.

Mit der Expertise aus dem Zentrum sollen neuste Forschungsergebnisse zügiger als bislang im Klinikalltag umgesetzt werden. Kroemer sprach von „neuen Ansätzen zur Therapie und Prävention schwerer Erkrankungen“. Das Zentrum könnte neben der Pharma-Zentrale von Bayer am Nordhafen entstehen.

Noch gibt es viel zu klären – nicht zuletzt, wer genau ab wann mit dem Bau beginnen soll. Von einer „niedrigen dreistelligen Millionensumme“ war die Rede, die sich Bayer, die Charité und wenn möglich andere Partner wohl teilen müssten. Von bis zu 300 Arbeitsplätzen gehen Kroemer und Oelrich aus – wobei nicht alle dieser Stellen tatsächlich neu geschaffen, sondern wohl mit schon zuvor für Bayer und die Charité tätigen Fachleuten besetzt werden.

Im Beisein von Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) und Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos, für SPD) kündigte Giffey an, dass die Landesregierung das Projekt „fördern“ wolle. Offenkundig bedeutet das: dabei helfen, die berlintypisch ewigen Genehmigungsverfahren in diesem Fall zu beschleunigen. Wirtschaftssenator Schwarz unterstrich, dass sich neben der Charité und Bayer auch andere Akteure an dem Zentrum beteiligen könnten, beispielsweise Technik- und Medizin-Start-ups.

Der frühere Senatschef Michael Müller (SPD) hatte wie berichtet ein Konzept der „Gesundheitsstadt 2030“ entwerfen lassen: Mit der Charité als Nukleus sollte Berlin zur internationalen Medizinmetropole avancieren. Die Universitätsklinik müsse dabei besser mit den ebenfalls landeseigenen Vivantes-Krankenhäusern kooperieren.

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Neues zu den avisierten Synergien verkündeten die beiden Klinikkonzerne ebenfalls am Dienstag. Charité und Vivantes wollen demnächst Behandlungsdaten enger austauschen, weshalb schon vergangenes Jahr die IT-Struktur beider Großkrankenhäuser angepasst wurde. Nun soll bald der „digitale Austausch“ starten, man werde im Ernstfall „lebenswichtige Zeit“ gewinnen. Ärzte und Pflegekräfte könnten schneller auf aktuelle Laborwerte und Vitalzeichen zugreifen, um so zu entscheiden, in welcher der vielen Einzelkliniken der jeweilige Patient am besten versorgt werden könne.

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Die Charité verfügt über drei Hauptstandorte in Mitte, Wedding, Steglitz, die acht Vivantes-Häuser befinden sich in Spandau, Reinickendorf, Schöneberg, Tempelhof, Kreuzberg, Neukölln, Friedrichshain und Hellersdorf.

Proteste am Mittwoch

Vor der Vivantes-Zentrale in Reinickendorf wird an diesem Mittwoch zunächst protestiert. Dort tagt dann der Aufsichtsrat, dem auch Gesundheitssenatorin Gote und Finanzsenator Daniel Wesener (Grüne) angehören. Ihnen wollen Verdi-Vertreter eine Protestnote überreichen, in der die Gewerkschaft fordert, die 2021 erstreikten Tarifverträge umzusetzen.

Der Vorwurf: Der Entlastungstarifvertrag für Pflegekräfte würde noch nicht angewandt. Grob vereinfacht sieht er beispielsweise auf Intensivstationen vor: Während eine Pflegekraft im Schnitt bislang 2,5 Patienten pro Schicht versorgte, sollen es künftig maximal 1,8 sein. Andernfalls gibt es Freizeit- und Gehaltsausgleich. Bei Vivantes sei dies noch nicht der Fall. Zudem erhalten laut Verdi Beschäftigte der Vivantes-Töchter für Reinigung und Küche teils nach wie vor Stundenlöhne, die das Landesmindestentgelt von 12,50 Euro nur durch Schichtzuschläge erreichten.

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