Jede Menge Drogenutensilien fanden die Anwohner bei einer Aufräumaktion auf Schöneberger Spielplätzen. Foto: Britta Pedersen/dpa
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Folgen des Drogenkonsums Berliner Eltern gehen jetzt auf Spielplätzen auf Patrouille

Markus Lücker
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Viele Berliner Bezirke beklagen Probleme mit Utensilien von Drogensüchtigen. Im Schöneberger Akazienkiez werden nun Anwohner aktiv.

Auf den Spielplätzen im Schöneberger Akazienkiez gehen die Eltern neuerdings auf Patrouille. Zweimal täglich halten sie Ausschau nach Fixerbestecken und Herointütchen. „Die ersten Spritzen haben die Kinder im Dezember gefunden“, sagt Vanessa Rücker. Seitdem würden immer wieder verdächtige Abfälle gefunden, meistens Plastiktüten für benutzte Spritzen.

Besonders betroffen sei der Spielplatz in der Merseburger Straße, direkt hinter der Apostel-Paulus-Kirche. Zusammen mit anderen Eltern aus der Nachbarschaft startete Rücker das Projekt Clean-Kiez. Gemeinsam wollen sie sich engagieren, um das Problem durch Kontakte zur Politik und Putzaktionen einzudämmen.

Die erste dieser Aktionen fand im Februar statt. In den Gebüschen der Kiezspielplätze fanden sie unter anderem sieben Spritzen. Die nächste Aktion ist für den 18. März geplant. Als Erklärung für die plötzlichen Funde seit Dezember wird immer wieder eine Verdrängung beschrieben: Die Drogenkonsumenten kommen von der U7-Linie, habe der Präventionsbeauftragte der Polizei Rücker gegenüber erklärt.

Wenn an der Haltestelle Yorckstraße Drogenkontrollen stattfinden, würden die Nutzer zur Station Eisenacher Straße ausweichen. Die Konsumenten setzen sich ihren Schuss dann auf Spielplätzen wie dem in der Merseburger Straße. „Es ist ja auch sehr schön hier bei uns“, sagt Rücker.

Lösungsvorschläge für den Kiez

Auch Johanna Wichelhaus engagiert sich bei Clean-Kiez. Natürlich sei sie besorgt, aber hauptsächlich wegen der für die Kinder gefährlichen Drogenabfälle, nicht wegen der Konsumenten. „Die Fixer waren eigentlich meistens friedlich“, sagt sie. Deshalb wolle sie die Menschen auch nicht wegjagen. „Aber uns fehlt die Expertise für Lösungsvorschläge.“

Aktuell werde etwa unter den Eltern diskutiert, ob ein Fixerstube in der Nachbarschaft sinnvoll wäre. Die Hoffnung ist, dass so die Konsumenten von den Spielplätzen ferngehalten werden. „Anderseits könnte sich das Problem so auch verfestigen“, sagt Wichelhaus. Die Gruppe habe bereits mit dem Verein Fixpunkt Kontakt aufgenommen, der Drogenabhängige beim Konsum medizinisch betreut.

Auch ein offener Diskussionstisch für die Nachbarschaft sei angesetzt. Dann sollen etwa Gastronomen einbezogen werden, die von Fixern auf ihren Restauranttoiletten berichtet haben. Nur der Bezirk habe bislang noch nicht auf das Anliegen der Eltern reagiert. Dem Tagesspiegel sagte Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, das Problem sei bekannt und der Bezirk wolle im größeren Rahmen dagegen vorgehen.

Bekannte Brennpunkte

Drogenprobleme auf Spielplätzen hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. So schlugen im November 2017 Neuköllner Eltern Alarm, nachdem eine Kindergartengruppe auf einem Spielplatz in der Mahlower Straße mit vier benutzten Spritzen in Kontakt gekommen war. Drei Kinder wurden daraufhin zur Kontrolle in ein Krankenhaus gebracht.

Seit Anfang 2017 seien die Funde von Drogenbesteck im öffentlichen Raum sprunghaft gestiegen, hieß es danach bei Grünflächenamt. Im Bezirk erprobt man nun ein Modellprojekt mit Spielplatzpatenschaften, bei dem lokale Initiativen und Unternehmen die Reinigung unterstützen.

Ein neuralgisches Areal ist seit langem der Görlitzer Park. Zu den Orten, an denen Dealer ihre Ware bunkern, gehört etwa der Kies am Klettergerüst des Spielplatzes. Auch der Tiergarten mit seinen Obdachlosencamps ist betroffen. Das Einsammeln der benutzten Spritzen könne schon mal eine Viertelstunde dauern, hatte Markus Schwenke, Revierleiter des Grünflächenamtes, im Oktober gesagt.

Am Magdeburger Platz in Tiergarten hatte das Bezirksamt im Herbst 2015 sogar die gesamte Grünanlage samt Spielplatz schließen und mit einen Bauzaun abriegeln lassen. Immer wieder wurden dort Spritzen, Kondome, Fäkalien und andere Hinterlassenschaften der im Kiez zwischen Kurfürsten- und Lützowstraße zahlreichen Prostituierten und ihrer Freier gefunden.

Seit Sommer 2016 ist die Anlage wieder zugänglich, ist nun aber von einem etwa 1,60 Meter hohen Zaun umgeben. Die Tore werden von einem Schließdienst morgens geöffnet und abends verschlossen. Noch immer gebe es „Nutzerkonflikte“, heißt es beim Quartiersmanagement. Auch würde der Zaun gelegentlich, wie Anwohner berichteten, überstiegen. Insgesamt gebe es aber eine spürbare Verbesserung.

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