Werden die Preise auch für BVG-Busse erhöht? Foto: imago images/Stefan Zeitz
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Folge der Coronakrise Ticketpreise für Bus und Bahn in Berlin könnten steigen

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg diskutiert über höhere Preise für Fahrkarten. Eine andere Idee kommt von der SPD im Osten: ein Homeoffice-Ticket.

Steigen die Tarife oder steigen sie nicht? Derzeit diskutieren Berlin, Brandenburg und die vielen im VBB zusammengeschlossenen Unternehmen intensiv. Ein Sprecher der Verkehrsverwaltung sagte, dass noch nichts entschieden sei.

Die „Morgenpost“ hatte am Donnerstag Preise genannt: So könnte das ABC-Ticket (derzeit 2,90 Euro) 10 oder 20 Cent teurer werden. Am 30. September soll im Aufsichtsrat eine Entscheidung fallen – ob es eine Erhöhung gibt und wenn ja eher für Einzeltickets oder für Zeitkarten.

Vor allem die vielen kleinen Busbetriebe im Umland wurden hart von der Coronakrise getroffen und fordern eine Anhebung. In den vergangenen Jahren wurden mehrfach die Tarife für Zeitkarten erhöht, weil dies sichere Einnahmen verspricht – damit werden aber gerade die Stammkunden bestraft.

Ihnen wollen Teile der SPD nun auf andere Weise entgegenkommen: Der Kreisverband Marzahn-Hellersdorf fordert „Neue ÖPNV-Tarife für die neue Arbeitswelt“. Mit ihrem Antrag für den SPD-Landesparteitag wollen die Genossen aus dem Osten jenen Stammkunden entgegenkommen, die dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg treu geblieben sind, obwohl sie seit Beginn der Coronakrise ihre Monatskarte weniger nutzen - weil sie mehr von zu Hause aus arbeiten. Sie plädieren für ein Homeoffice-Ticket.

VBB und BVG sollten „noch in diesem Jahr“ Angebote für Leute entwickeln, die im Homeoffice, ortsungebunden oder in Teilzeit arbeiten, und die neuen Fahrkarten ab dem 1. Januar 2021 einführen, heißt es in dem Antrag – mittelfristig am besten auch für den Verbund mit Brandenburg.

SPD-Politiker: Neue Angebote für Stammkunden schaffen

„Wir brauchen so etwas wie ein Zehn- oder Zwölf-Tages-Ticket für Leute, die jetzt öfter von zu Hause arbeiten“, schlägt der stellvertretende Kreisvorsitzende Jan Lehmann, der das Amt von Sven Kohlmeier übernommen hat, vor. „Es droht sonst eine breite Abkehr von Pendlerinnen und Pendlern von den Monats- und Jahresabos“, sagt die Kreisvorsitzende Iris Spranger, die auch Mitglied im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses ist.

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Die Genossen in Marzahn-Hellersdorf haben als Problem ausgemacht, dass es zwischen den Zeitkarten für eine feste Woche oder einen Monat auf der einen und Vier-Fahrten-Karten auf der anderen Seite kein Angebot gibt, das für Teilzeit-Pendler attraktiv wäre, die nur einige Tage in der Woche ins Büro müssen oder gelegentlich zu Meetings und Außenterminen fahren.

Zwar sei eine Kündigungswelle bisher ausgeblieben, was jedoch an Kündigungsfristen zum Jahresende liegen könnte, heißt es aus der Partei. Dann aber laufen auch die Stützungszahlungen von Bund und Ländern an die Nahverkehrsbetriebe aus. Um Finanzproblemen vorzubeugen, will die SPD die Stammkunden an die BVG und den Verkehrsverbund zu binden. Während die Verkehrsbetriebe sich bislang wenig kulant in der Krise zeigten, haben sie sich zumindest besondere Angebote im September überlegt, um die Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weiterzugeben.

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