Einmal um den Äquator reichen die im neuen Hauptstadtflughafen BER verlegten Kabel, deren Windungen selbst den Planern zeitweise Rätsel aufgaben. Foto: Mike Wolff
p

Flughafen Berlin-Brandenburg Endspurt beim BER

4 Kommentare

Der Beteiligungsausschuss des Abgeordnetenhauses befasste sich erneut mit Kabeltrassen und der Brandmeldeanlage. Der Flughafen-Chef ist optimistisch.

Der Herr der Kabel kam zu spät in die Sitzung. Aber dafür konnte Burkhard Schmidt nichts. Der Chef der Rudolf Otto Meyer Technik Ltd. & Co. KG, kurz ROM, musste am Flughafen Tegel ungebührlich lange auf sein Gepäck warten. Deshalb konnte Schmidt über den Zustand der Stromtrassen am Flughafen BER in Schönefeld, für dessen ordnungsgemäße Verlegung seine Firma zuständig ist, im Beteiligungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses erst verspätet Auskunft geben.

Das tat er am Donnerstag selbstbewusst. Seit November 2015 sei ROM für die Sicherheitsstromversorgung und -beleuchtung zuständig und seit eineinhalb Jahren sei die Anlage „betriebssicher und ohne wesentliche Mängel“. Nun sei man mit der Beseitigung der nicht ordnungsgemäßen Belegung von Kabeltrassen beschäftigt. Dass dies langsamer voranschreite, als der BER-Geschäftsführung lieb sei, „liegt nicht nur an uns, da gibt es auch Einflüsse der anderen Gewerke und des Hochbaus“.

ROM sei mit 200 Mitarbeitern auf der Baustelle, teilweise in Schichtarbeit und samstags. Die tägliche Herkulesaufgabe, so Schmidt, sei die „Koordinierung aller Gewerke“. Für die rechtzeitige technische Prüfung und baurechtliche Abnahme des BER sieht der Kabelspezialist keinen Hinderungsgrund.

Viel Optimismus

Auch Axel Schultz, der im Parlamentsausschuss den Siemens-Konzern vertrat, gab sich entspannt. 95 Prozent der Mess- und Regelungstechnik sei fertig und die Software für die Entrauchungssteuerung sei komplett und funktioniere fehlerfrei. „Das ist ein Meilenstein.“ Einregulierungen und Integrationstests, also die Prüfung des Zusammenspiels mit der Brandmeldeanlage, der Feuerwehr und der Gebäudetechnik seien noch nötig. „Aber wir gehen davon aus, bis März 2019 mit allem fertig zu sein“, sagte Schultz.

Hinter so viel Optimismus, der bei den regelmäßigen Anhörungen im Bewilligungsausschuss schon Tradition hat, wollte Engelbert Lütke Daldrup nicht zurückstehen. Zwar gebe es bei der Brandmeldeanlage im mittleren Bereich des Hauptterminals noch einen „gewissen Verzug“, räumte der Chef der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) ein. Da hinken die Arbeiten um einen Monat dem Zeitplan hinterher. Aber er gehe davon aus, dass „bis zum Ende des Frühjahrs“ alles fertig sei. Bei den Kabeltrassen beklagte auch Lütke Daldrup die bisher „schleppende Arbeit“. Doch in den vergangenen vier Wochen habe man 500 Mängel abgearbeitet. Auch das sei noch nicht zufriedenstellend, man strebe „weitere Steigerungen“ an.

Der FBB-Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Bretschneider stärkte Lütke Daldrup den Rücken. Dass der TÜV Rheinland die Prüffähigkeit der Flughafentechnik etwas kritischer einschätze als die Geschäftsführung, sei nicht überraschend. Natürlich dränge der Aufsichtsrat darauf, „im Vollzug der Arbeiten noch an Qualität und Geschwindigkeit zu gewinnen“. Aber die Berliner Abgeordneten könnten mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Flughafen wie geplant im Oktober 2020 in Betrieb gehe.

Noch gibt es terminliche Unsicherheiten

Natürlich wurde im Ausschuss erneut nachgefragt: Wann stehe denn mit Sicherheit fest, dass der Eröffnungstermin eingehalten werden könne? „Das ist die Tausend-Dollar-Frage, die mir dauernd gestellt wird“, so Lütke Daldrup. Und er skizzierte den Zeitplan grob. Im Herbst 2019 wolle die Flughafengesellschaft den Genehmigungsbehörden in Brandenburg die Baufertigstellungsanzeige vorlegen.

Für die Bearbeitung habe das Amt dann genügend Zeit. Im Frühjahr 2020, so hofft die BER-Geschäftsführung, könne die Nutzungsfreigabe vorliegen. Voraussetzung dafür, dass dieser Zeitplan hält, ist aber der Beginn der mehrwöchigen Wirkprinzipprüfung. Das ist der „gewerkeübergreifende Test der Brandfallsteuerung“ im Volllastbetrieb, bauordnungsrechtlich vorgeschrieben.

Da gibt es derzeit aber noch terminliche Unsicherheiten. Der TÜV Rheinland gehe vom Start in der zweiten Hälfte des Sommers 2019 aus, sagte Lütke Daldrup. Die FBB-Geschäftsleitung habe die Prüfung Anfang Sommer geplant. „Die Wahrheit wird irgendwo dazwischen liegen.“ Dass ein vorsichtiger Prüfer Risiken einplane, sei doch richtig.

Zur Startseite