Dass solche Vorwürfe publik werden, mit FBB-Interna, sind auch ein Indiz für Spannungen im Unternehmen. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
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Flughafen BER in Berlin Flughafenchef ließ sich mit Limousine durch Tokio fahren

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Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup flog im Juli 2017 nach Japan. Statt eines Taxis nutzte er einen Fahrdienst. War das verhältnismäßig?

Im Oktober 2020 soll der Flughafen BER eröffnen, noch stellt diesen Termin niemand infrage. Dafür gerät nun eine womöglich überzogene Spesen-Abrechnung des Flughafenchefs Engelbert Lütke Daldrup in den Fokus. Der Chefmanager der Flughafengesellschaft (FBB) soll nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ im Sommer 2017 bei einer Tokio-Dienstreise statt einem Taxi einen VIP-Limousinen-Service genutzt und die Kosten abgerechnet haben. Bei der mehrtägigen Dienstreise habe er sich mit einer Luxus-Limousine durch Tokio kutschieren lassen, unter anderem für eine Stadtrundfahrt. Die Opposition im Abgeordnetenhaus fordert Aufklärung. „Die interne Revision muss sich auf jeden Fall Belege und Verhältnismäßigkeit für diesen Fahrservice einmal anschauen“, sagte FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja dem Tagesspiegel.

Flughafensprecher Hannes Hönemann wies dagegen die Vorwürfe als „Blödsinn“ zurück. „Es gab keine Stadtrundfahrt.“ Dass Lütke Daldrup einen Shuttle-Service genutzt habe, rein dienstlich, bestätigte der FBB-Sprecher – mit dieser Erklärung: Der Flughafenchef sei „nur knapp 24 Stunden in Tokio gewesen“. Er habe zusammen mit Burkard Kieker, dem Chef von Visit Berlin, am 12. und 13. Juli 2017 in Tokio und Peking um neue Langstreckenverbindungen geworben. Da der Zeitplan sehr eng getaktet gewesen sei, habe Lütke Daldrup den Flughafen-Shuttle-Service genutzt. „Vom Flughafen zum Hotel und vom Hotel zum Flughafen, um weiter nach Peking zu fliegen“, sagte Hönemann. Die Kosten hätten insgesamt bei einigen Hundert Euro gelegen, „weniger als 500 Euro“.

Dass solche Vorwürfe jetzt publik werden, mit FBB-Interna, ist auch ein Indiz für Spannungen im Unternehmen. Lütke Daldrup, bekannt für einen rigiden Führungsstil, hat sich auch dort nicht gerade Freunde gemacht. In der zweiten Führungsebene sei die Stimmung schlecht, heißt es. Zuletzt hatte Lütke Daldrup auch den Berliner BER-Untersuchungsausschuss gegen sich aufgebracht, weil er einen Besuch des Gremiums im Flughafen Tegel verweigerte, zunächst jedenfalls. Erst nach Protesten selbst aus den Reihen der rot-rot-grünen Koalition lenkte er ein. „Über das Compliance-Verständnis des Flughafenchefs“, sagte FDP-Politiker Czaja nach diesen Turbulenzen, „kann man sich angesichts seines jüngsten Auftretens gegenüber dem Abgeordnetenhaus auch nicht mehr wirklich wundern.“

Das Hamburger Landgericht hat der "Bild am Sonntag" nun die Behauptung untersagt, Daldrup habe eine Stadtrundfahrt auf Dienstkosten mit einem Limousinen-Service unternommen. Das Landgericht erklärte, der Vorwurf habe sich als nicht wahrheitsgemäß herausgestellt.

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