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Schwindelfrei? Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Easyjet startet. Foto: dpaFoto: Soeren Stache/dpa
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Update Flughafen BER Easyjet meidet „Kotzkurve“ – Anwohner von Ausweichroute beschweren sich

Schwindelfrei? Nach bestimmten Starts am BER müssen sich Flugzeuge in eine ziemlich steile Kurve legen. Doch damit gibt es Probleme – zum Ärger von Anwohnern.

Manche nennen sie „Kotzkurve“: Die anspruchsvoll zu fliegende Flugroute am Flughafen BER, bei der die Piloten Sekunden nach dem Abheben und ab 180 Meter Höhe per Hand eine drastische Kurve nach rechts fliegen.

Easyjet nutzt die Route vorerst nicht mehr – sondern fliegt die Standardausweichroute mit Geradeaussteigflug. Anwohner des Gebiets, das durch die Hoffmannkurve vor Fluglärm geschont werden sollte, beklagen sich nun. „Dies belastet die Gemeinden Zeuthen, Schulzendorf und Eichwalde in besonderem Maße, da alle drei Gemeinden über keinen entsprechenden Lärmschutz nach der Planfeststellung verfügen“, teilte die Gemeinde Zeuthen mit.

Wie berichtet, sollen Piloten mit Hilfe der Kurve auf der BER-Südbahn bei Windstille oder Ostwind noch über der Startbahn, auf halber Fernsehturmhöhe, eine 145-Grad-Kurve einleiten – die Hoffmann-Kurve, benannt nach Privatpilot Marcel Hoffmann aus Eichwalde, der sie vor Jahren vorschlug.

Mit Hilfe der Kurve meiden die Flugzeuge dicht besiedeltes Gebiet. Sie müssen dafür aber den hohen Steiggradienten von zehn Prozent schaffen - ein „innovativer Weg“, wie es bei der Deutschen Flugsicherung heißt. Nur wenn dies nicht möglich ist, soll die Ausweichroute über Schulzendorf und Eichwalde genutzt werden. So geht es aus der Abwägung des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung von 2012 hervor.

Dieser Ausnahmefall trat laut Deutscher Flugsicherung bislang kaum ein. „Seit Inbetriebnahme der Südpiste im November 2020 wurde die Hoffmannkurve in den allermeisten Fällen und von allen Airlines - auch von Easyjet - genutzt.“ 98 Prozent der Piloten legten sich demnach mit ihren Maschinen auf dieser Route in die Kurve. Piloten dürfen alternativ auch den herkömmlichen Steigflug mit zwei in der Höhe folgenden leichten Kurven wählen.

Anfang August teilte Easyjet der Flugsicherung jedoch mit, die Route vorerst nicht mehr zu fliegen. Offenbar interpretiere der Bordcomputer die Hoffmannkurve unterschiedlich, erklärte die Flugsicherung, so meldete es die Nachrichtenagentur dpa. „Easyjet arbeitet derzeit intensiv an einer Lösung.“ Der Deutschlandchef der Fluggesellschaft, Stephan Erler, widerspricht dieser Darstellung.

Easyjet: Wegen höherer Auslastung mit mehr Gewicht geradeaus

„Es liegt nicht an unseren Bordcomputern, dass wir die Hoffmann-Kurve nicht fliegen.“ Das Zusammenspiel der Wegpunkte und der Codierung der Route funktioniere nicht in jedem Fall. „Wir haben relativ viele Passagiere in den Flugzeugen und mehr Gepäck als andere in den Flugzeugen“, sagte Erler der dpa. „Das höhere Gewicht führt dazu, dass wir entweder die notwendige Höhe nicht haben oder die Wegpunkte nicht erreichen und es uns somit gesetzlich nicht erlaubt ist, diese Abflugroute zu fliegen.“

Hoffmannkurve. BER-Flugrouten auf der Südbahn bei Ostwind Grafik: Tsp/Böttcher Vergrößern
Hoffmannkurve. BER-Flugrouten auf der Südbahn bei Ostwind © Grafik: Tsp/Böttcher

Von Anfang August bis Dienstag gab es laut Flugsicherung 1071 Ost-Abflüge von der Südbahn. 233 mal nutzen die Piloten die Ausweichroute. 205 dieser Maschinen gehörten Easyjet.

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Man sehe sich die Flüge genau an, hieß es bei der Flugsicherung. „Das Ziel aller Beteiligten ist es, das lärmmindernde Abflugverfahren von der Südbahn weiter aufrecht zu erhalten“, teilte das Bundesunternehmen schon Anfang August mit. Am Donnerstag sagte das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung dem Tagesspiegel, man werde die Flugrouten, wie vor dem Start angekündigt, prüfen. Wenn Flugrouten verändert werden, dann immer in dem Verfahren, was auch vor dem BER gegriffen hatte, unter Einbeziehung aller Beteiligten wie zum Beispiel der Fluglärmkommission.

Am Donnerstagabend werden Vertreter von Easyjet und der Flughafengesellschaft zu einer Gesprächsrunde in Zeuthen erwartet, die wird im Internet live gestreamt: www.zeuthen.de. Nach Angaben der Gemeinde gibt es erhebliche Beschwerden von Einwohnern.

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