Florida-Eis-Chef Olaf Höhn (l.) mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD). Foto: imago/Stefan Zeitz
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Firma der Woche: Florida Eis Der Eis-Öko aus Spandau

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Die Eis-Trends für 2019? „Creme Holunder und Joghurt-Zitrone!“, sagt Olaf Höhn. Er eröffnete 1984 die erste "Florida-Eis"-Filiale in Spandau.

Beste Eissorte? Geschmackssache. Beste Geschichte? Geht so: „Ich bin USA-Fan, ich mag ,Miami Vice‘“, erzählt Olaf Höhn, 69, „und deshalb sollte mein Café ,Miami Eis‘ heißen“. Pech. Den Namen gab’s schon, also fand Höhn einen anderen: „Florida Eis“. 1984 war das. Der Wirtschaftssenator in West-Berlin hieß Elmar Pieroth, CDU, und war im bürgerlichen Leben Weinhändler. Das öde Spandau lag noch etwas weiter in der Ödnis, weil dahinter nur Mauer und Stacheldraht kamen. Aber Eis gab’s dort, oh ja, und zwar richtig gutes! Die Schlangen reichten in den heißen Ferien weit die Klosterstraße hinab, und weil das die wichtigste Nord-Süd-Meile in Spandau war, und alle Kinder dort lang mussten, war das beste Werbung.

Fast 35 Jahre später sieht der Eisladen in der Klosterstraße immer noch aus wie in den 80ern (und ist immer noch knackevoll), doch das Unternehmen ist ein anderes. 2013 kam die Eisfabrik in Staaken dazu, die Produkte gibt es längst deutschlandweit in Supermärkten und Hotels, und so hat Höhn ein Problem: „Wir wachsen und wachsen, wir sind 240 Mitarbeiter, allein in der Produktion 100 Leute, auch im Winter. Hier klingelt dauernd das Telefon. Ich habe damals zu klein gebaut in Staaken, es ist zu eng. Ich schiele aus meinem Büro auf ein Stück Wiese. Dieses Nachbargrundstück will ich kaufen, das liegt hinter der Fabrik, aber die Gespräche sind kompliziert …“ Im Büro von Wirtschaftsstadtrat Gerhard Hanke, CDU, nicken sie prompt wissend mit dem Kopf und rufen: „Wir sind dran.“

Eiskalt und elektronisch

Höhn ist eine Berliner Type. Einer, den manche unterschätzen. Ein Eisfritze aus Spandau? Pff, süß! Aber dieser Höhn hat Termine, mit dem Regierenden, mit Altmaier, mit seinen Tüftlern. Denn Höhn hat Ideen ohne Ende. Sein neuestes Projekt: ein Elektro-Kühl-Lkw („vermutlich weltweit der einzige … neben China vielleicht“) oder eine smarte Tiefkühltruhe mit RFID-Codes („Erhebliches Einsparpotenzial in der Logistik – Patent ist angemeldet“).

Von anderen Dingen löst er sich radikal: Filialen, die bremsen. Autos, die stinken. Oder auch sein Flugzeug. Höhn ist aktuell eher so öko unterwegs. „Umwelt ist für mich das große Thema, die Eisproduktion ist längst CO2-neutral“, erzählte er jetzt dem Spandau-Newsletter des Tagesspiegels. „Ich fahre seit drei Jahren Elektroauto.“

2019 plant Höhn ein Öko-Café am Rathaus Spandau. Die dortige Filiale wurde 2005 eröffnet und könnte mal eine Auffrischung vertragen. „Ich will daraus ein ‚Green Coffee’ machen, so wie die Öko-Cafés in Friedrichshain“, erzählt Höhn. „Im Sommer bricht das Café zusammen. Ganz anders der Winter: Da stehen wir uns schon mal die Füße platt – wer an den BVG-Bushaltestellen nebenan friert, der will kein Eis auf die Hand, der will warme Füße.“ Höhn: „Ich will keine Bouletten verkaufen, sondern guten Kaffee, Kuchen, Eis. Und alles öko.“ Knackpunkt: die Suche nach Baufirmen. Letzte Frage, Herr Höhn, die Eis-Trends für 2019? „Creme Holunder und Joghurt-Zitrone!“

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