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Vor der vorläufigen Schließung: Terminal 5, also der alte Flughafen Schönefeld, wird beim BER bald schon nicht gebraucht. Foto: imago images/A. Friedrichs
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Finanzkrise am BER Berliner Flughafengesellschaft hält Teilentschuldung für nötig

Erst der BER, nun die Coronakrise: Die FBB braucht noch über Jahre öffentliche Gelder. Bis 2025 rechnet sie mit 83 Millionen Passagieren weniger als geplant.

Auf den Steuerzahler kommen am neuen BER-Hauptstadtairport mit der Coronakrise neue Belastungen zu - auf Jahre. Die Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) erwartet nun erst im Jahr 2025 wieder die Passagierzahlen von 2019, als 35,6 Millionen Passagiere an den Berliner Flughäfen abgefertigt worden waren.

"Bis wir das Vor-Corona-Niveau erreicht haben, werden wir weiter auf die Unterstützung unserer Gesellschafter angewiesen sein“, erklärte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Montag nach einer Sitzung des BER-Aufsichtsrates, in deren Mittelpunkt die dramatische Finanzlage stand.

Nach einer FBB-Erklärung werden die bereits geplanten Einsparungen in der Summe "nicht ausreichen", um die coronabedingten Umsatzverluste in den kommenden Jahren aufzufangen. "Deshalb ist die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH auf die erneute Unterstützung ihrer Gesellschafter und eine Teilentschuldung zur Erhaltung der Kapitalmarktfähigkeit angewiesen", hieß es.

In den vergangenen Wochen war bereits kommuniziert worden, dass die FBB nach 300 Millionen Euro 2020 in diesem Jahr von den Eignern weitere 660 Millionen Euro benötigt, um über die Runden zu kommen. Nun wird erstmals öffentlich erklärt, dass auch eine Teilentschuldung zwingend ist.

Keine Rücklagen, keine neuen Kredite auf dem freien Markt

Das Unternehmen Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) hatte den Bau des neuen BER-Airports, der mit acht Jahren Verspätung 2020 ans Netz ging, vor allem über von der öffentlichen Hand verbürgte Milliardenkredite und zuletzt auch Darlehen der Eigner finanziert.

Der BER ist im Notbetrieb, weil kaum einer fliegt. Und braucht mindestens bis 2025 Steuergeld.  Foto: Patrick Pleul/dpa Vergrößern
Der BER ist im Notbetrieb, weil kaum einer fliegt. Und braucht mindestens bis 2025 Steuergeld.  © Patrick Pleul/dpa

Mit der Coronakrise, die zum Einbruch des Luftverkehrs führte, fehlen auch für den Schuldendienst die erforderlichen Einnahmen. Rücklagen hat die Firma anders als andere Airports nicht. Neue Kredite auf dem freien Markt bekommt sie keine mehr.

Vor der Krise waren in Berlin 100.000 Passagiere täglich abgefertigt worden. Jetzt seien es im Schnitt 7500 am Tag, erwartet die FBB 2021 nur rund zehn Millionen Passagiere. Die FBB rechnet vor, dass nach der Prognose "in den Jahren 2021 bis 2025 insgesamt rund 83 Millionen Passagiere weniger als ursprünglich angenommen ab dem BER fliegen" würden: "Damit einher gehen erhebliche wirtschaftliche Verluste."

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Das Unternehmen hat bereits einen Sparkurs eingeleitet. In diesem Zusammenhang wird der  BER demnächst erstmals wirklich zum Single-Airport der Hauptstadtregion: Der alte Schönefelder SXF-Airport aus DDR-Zeiten, der inzwischen als BER-Terminal T5 firmierte, soll nun schon Ende Februar eingemottet werden – statt wie bisher vorgesehen Ende März. Um die wenigen Passagiere  abzufertigen, reicht das am 31. Oktober 2020 eröffnete BER-Hauptterminal völlig aus.

Von der Schließung des alten Schönefelder Airports verspricht sich die FBB jährliche Einsparungen von rund 25 Millionen Euro. Geplant ist das zunächst zwar nur vorübergehend für ein Jahr. Doch im Grunde glaubt niemand, dass das T5 (früher SXF) je wieder in Betrieb geht. Erst recht nicht, weil direkt am BER bereits das für rund 200 Millionen Euro errichtete nagelneue Terminal 2 bereit steht, das die FBB gar nicht erst in Betrieb genommen hatte. 

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