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Gesundheitsexperten aus Berlin und Brandenburg haben eine engere Zusammenarbeit beider Bundesländer angemahnt. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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„Finanziell und intellektuell zusammenlegen" Gesundheitsexperten fordern bessere Kooperation zwischen Berlin und Brandenburg

Experten warnen vor Folgen der demographischen Entwicklung und des Klimawandels für das Gesundheitssystem. Sie fordern mehr Zusammenarbeit in der Region.

Gesundheitsexperten aus Berlin und Brandenburg haben eine engere Zusammenarbeit beider Bundesländer angemahnt. Bei einer Podiumsdiskussion des Brandenburger Landtags und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften warnten sie vor den Folgen der demographischen Entwicklung und des Klimawandels für das Gesundheitssystem.

Er sei überzeugt, dass „nur diejenigen, die großvolumig Ideen zusammenlegen, am Ende eine Chance haben“, sagte der frühere Charité-Direktor Karl Max Einhäupl. „Brandenburg ist ein armes Land, und auch Berlin hat nicht beliebig viel Geld“, sagte Einhäupl. „Wenn wir es nicht schaffen, unsere Kräfte finanziell und intellektuell zusammenzulegen, werden wir es nicht lösen können.“

Das Problem, vor dem die Region nicht nur im Bereich Medizin steht, sind die Gegensätze zwischen der Hauptstadt, dem sie umgebenden Speckgürtel und dem weiten Raum des Brandenburger Landes.

„In Berlin kann man drei Allgemeinmediziner in derselben Straße finden“, sagte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Potsdamer Landtag, Björn Lüttmann (SPD). In Brandenburg hingegen gebe es mancherorts überhaupt keinen Arzt mehr am Ort.

Ähnlich äußerte sich Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne): Für Brandenburger Krankenhäuser werde es immer schwieriger, die Qualitätskriterien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zu erfüllen.

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„Es muss dafür Sorge getragen, dass die Qualitätskriterien des G-BA auch in ländlichen, dünner besiedelten Gebieten nicht zu einer Versorgungslücke führen“, forderte die Ministerin. Denn wo es nur wenig Patienten gibt, wird es auch schwer, Mindestfallzahlen des G-BA zu erreichen.

Ganz unwidersprochen wollte Einhäupl das nicht lassen. „Wir haben in der Lausitz 15 Krankenhäuser“, sagte der frühere Charité-Chef. „Wir müssen uns die Frage stellen: Brauchen wir 15 Krankenhäuser? Und sind sie wirklich geeignet, das Beste für ihre Patienten zu bieten?“

„Den Einfluss des Klimawandels auf die Gesundheit kann niemand allein stemmen"

Konkrete Kooperationsprojekte waren ebenfalls Thema am Dienstag. Der frühere Präsident der Akademie der Wissenschaften, Günther Stock, verwies auf das Gesundheitscluster Berlin-Brandenburg.

„Wir sind die Nummer eins der Startup-Gründungscommunity bei biotechnologischen Firmen“, sagte Stock. Mittlerweile stünden im Cluster 400.000 Menschen in Lohn und Brot, 33 Milliarden Euro Umsatz würden erwirtschaftet.

Den Klimawandel und dessen Einfluss auf die Gesundheit könne indes niemand allein stemmen. „Wir brauchen eine bessere Abstimmung über Versorgungsleistungen, etwa bei der Ausbildung von Schwerpunkten“, mahnte Stock. Auch ein gemeinsamer Bettenplan für die Region Berlin-Brandenburg „wäre nicht ganz schlecht“. Nötig seien auch digitalisierte Patientendaten.

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