Diese Rohre sind für jeden Starkregen gewappnet - sie besitzen einen Durchmesser von 2,40 Meter. Foto: Stefan Jacobs
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Fertigstellung im Herbst 2021 In Charlottenburg entsteht ein riesiger Abwasserspeicher

Zwischen Schlosspark Charlottenburg und Ringbahn wird das zweitgrößte Berliner Abwasserpumpwerk entstehen.

Als endlich alle Fotoapparate schussbereit sind, um den Taucher abzulichten, wie er die Leiter herunter in die Baugrube klettert, springt er einfach rein: Von der Spundwand vielleicht drei, vier Meter tief in die mit türkisblau-basisch verfärbtem Grundwasser gefüllte Grube unter der Sophie-Charlotten-Straße. Platsch! Ist bequemer mit der zentnerschweren Montur, erklärt sein Kollege, der oben den Sauerstoffschlauch hält und über einen Lautsprecher die Atmung des nur noch durch Blubberblasen zu ortenden Tauchers hört.

Bautaucher kennt man in Berlin, seit nach der Wende im Grundwasser die Fundamente am Potsdamer Platz betoniert wurden. Inzwischen hatte man sie fast wieder vergessen, aber hier am ehemaligen Güterbahnhof Charlottenburg gibt es wieder welche. Die Wasserbetriebe haben am Mittwoch auf die Baustelle geladen, an deren Rand sich genervte Auto- und Lkw-Fahrer – allein 92 Betonmischer wurden an diesem Tag erwartet – per Hupe duellieren. Zwei Lastwagen zugleich gießen Beton in einen Trichter, durch den er in die Grube geleitet wird. Unter Wasser bindet er ab und wird so zum Fundament des zweitgrößten Berliner Abwasserpumpwerks, das bis zum Herbst 2021 neben dem mehr als 100 Jahre alten Vorgängerbau zwischen Schlosspark Charlottenburg und Ringbahn entsteht.

Doch die Baustelle ist vor allem deshalb so gewaltig, weil neben dem Pumpwerk – das die Abwässer der City-West ins Klärwerk Ruhleben leitet – ein unterirdischer Speicher entsteht, der die berüchtigten „Mischwasserüberläufe“ in die Spree verhindern soll. Die passieren, wenn es über der Innenstadt mit ihren gemeinsamen Kanälen für Haus- und Straßenabwässer so kräftig schüttet, dass nicht alles gleich ins Klärwerk fließen kann, sondern sich als unappetitliche Düngerfuhre in die Gewässer ergießt. Der neue Zwischenspeicher in Charlottenburg soll 7000 Kubikmeter fassen – fast dreimal so viel wie ein olympisches Schwimmbecken mit acht 50-Meter-Bahnen.

Später wird er als Grashügel mit vier Schornsteinen zu sehen sein

Es ist einer der größeren Posten im „Stauraumprogramm“ der Wasserbetriebe. 245.000 Kubikmeter Speicherkapazität sind über solche Becken sowie Staustufen und Wehre in der Kanalisation bereits geschaffen worden, 300.000 sollen es werden. Die größten noch kommenden Projekte sind ein Speicher im Mauerpark und eine Art unterirdische Mega-Tonne nahe der BND-Zentrale, die ab 2020 gebaut werden soll.

In Charlottenburg stehen bereits die 80 Zentimeter dicken Außenwände des Speichers, der acht Meter hoch wird, aber sich zu drei Vierteln unter der Erde befindet. Später wird er von der S-Bahn aus als Grashügel mit vier Schornsteinen zu sehen sein. Die sind nötig, damit bei einem Unwetter die Luft aus dem Speicher verdrängt werden kann. Mit welcher Wucht das Wasser kommen kann, lassen die auf der anderen Straßenseite vor dem alten Pumpwerk zur Montage bereitliegenden Rohre aus glasfaserverstärktem Kunststoff ahnen: Mit 2,40 Meter Durchmesser gehören sie zu den größten Kalibern, mit denen Projektleiterin Marina Boldt und Bauleiterin Ronny Richter zu tun haben. Sie sollen eben groß genug für jeden Regen sein.

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