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Die Band ist wohl die weltweit populärste Instanz für Kritik am Putin-Regime, dem Patriarchat und am russischen Klerus. Foto: imago images
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Feministischer Punk im Funkhaus Die Putin-Kritikerinnen von Pussy Riot mischen Berlin auf

Thomas Wochnik

Die russische Punk-Gruppe kommt am Donnerstag nach Berlin-Treptow. Dabeisein soll auch die kürzlich aus dem Hausarrest geflohene Maria Aljochina.

Den folgenden Satz muss man wahrscheinlich nicht vorsichtiger formulieren: Das aufregendste Konzert des Tages steigt am Donnerstagabend im Funkhaus in der Nalepastraße. Denn auf der Bühne wird die russische feministische Punk-Gruppe Pussy Riot erwartet, die schon seit Jahren die weltweit populärste Instanz für Kritik am Putin-Regime, dem Patriarchat und am russischen Klerus sein dürfte.

Im Fokus ihrer Aktionen und ihrer Musik stehen die unterdrückten Rechte von Menschen, die nicht der konservativen russischen Leitkultur entsprechen, etwa sexueller Minderheiten.

Mehrere der Gruppe angehörige Musikerinnen saßen oder sitzen in Russland wegen verschiedener Kunst- und Protestaktionen in Haft oder unter Hausarrest, die fragliche Rechtmäßigkeit ihrer Festnahmen ist schon lange Thema von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch.

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Aufregend ist das Konzert zum einen wegen der aktuellen politischen Lage: Russlandkritik von Betroffenen, also russischstämmigen Menschen, trifft seit dem russischen Überfall auf die Ukraine auf offene Ohren. Mit Pussy Riot begegnet man einer Expertinnen-Gruppe, die zurecht behaupten kann, sie habe die Welt schon lange vor Putins aggressiv-imperialistischer Politik gewarnt.

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Mitgründerin Nadeschda Tolokonnikowa kritisierte entsprechend vor kurzem auch den Ukraine-Krieg in einem Interview beim US-Nachrichtensender MSNBC.

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Aufregend ist es zum anderen, weil eine andere Protagonistin der Gruppe, Maria Aljochina, laut eines Berichts der New York Times vor wenigen Tagen spektakulär aus dem russischen Hausarrest geflohen ist. Verkleidet als Essenslieferantin soll sie über Weißrussland nach Litauen gelangt sein. Tagesspiegel-Informationen zufolge befindet sie sich mittlerweile in Berlin und wird beim Konzert im Funkhaus ebenfalls erwartet.

Und aufregend ist das Konzert wegen der Musik, die mit einer Mischung aus wütenden Anti-Patriarchats-Lyrics in russischer Sprache, in die Magengrube gehenden Tiefbässen und verzerrten elektronischen Sounds keine allzu offenen Deutungs-Spielräume lassen dürfte. „Riot“ bedeutet schließlich Aufstand, Tumult.

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