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Die Clubs sollen gerettet werden. Ausgelassene Partys wie früher wird es trotzdem vorerst nicht geben. Foto: Britta Pedersen/dpa
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Feiern mit Hygienekonzept und Vernunft 40 Berliner Clubs öffnen am Tag der Deutschen Einheit

Beim „Tag der Clubkultur“ soll es coronakonformes Programm von 40 Veranstaltern geben. Die Aktion wurde vom Kultursenator und der Clubcommission gestartet.

Immerhin spielt das Wetter mit. Für den Sonnabend sind sonnige 23 Grad Höchsttemperatur vorausgesagt; Glück für alle von der Krise gebeutelten Berliner Veranstaltungsorte, die dann, am Tag der Deutschen Einheit, auch den Tag der Clubkultur feiern – wegen der Corona-Pandemie hauptsächlich draußen.

Die Aktion wurde von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und der Clubcommission ins Leben gerufen: 40 Clubs beziehungsweise Kollektive sollen an diesem Tag für ihr „jahre- oder jahrzehntelanges Engagement in der Berliner Clubkultur ausgezeichnet“ werden und sich, trotz oder gerade wegen der Corona-Pandemie, der Stadt mit einem besonderen Programm – egal ob Konzerte, Ausstellungen, Diskussionen oder Raves – präsentieren. Jeder der Ausgezeichneten bekommt außerdem 10.000 Euro.

„Es geht dabei nicht darum, die Clubs wieder für den normalen Betrieb zu öffnen“, sagte Lederer mit Blick auf die ansteigenden Corona-Infektionen bei einer Pressekonferenz zur Aktion, die am Dienstag auf dem neuen Areal der Griessmühle stattfand. Vielmehr solle den Clubs Sichtbarkeit in dieser gerade für sie schweren Zeit gegeben werden – und die Möglichkeit, ihre „soziokulturelle Vielfalt“ zu zeigen.

Man habe über den Sommer ausgiebig an Hygienekonzepten gearbeitet, die bereits in anderen Kulturbereichen zum Einsatz kämen und die sich auch für Veranstaltungen im Clubbereich eigneten. Außerdem mussten die Clubs jeweils eigene Hygienekonzepte vorlegen.

„Wir wollen ja keine Sonderrechte für die Clubs“, sagte Lederer. „Es kann schon sein, dass dort dann mal das Ordnungsamt oder auch die Polizei vorbeischauen und kontrollieren.“

Lederer: Clubs mit Hygienekonzept sicherer als private Feiern

Auf die Frage einer Journalistin, wie er mit dem Widerspruch umgehe, dass gerade die Gäste-Obergrenze für private Veranstaltungen wie Geburtstage auf 50 (draußen) beziehungsweise 25 Leute (drinnen) heruntergesetzt wurde, in den Clubs aber gefeiert werden dürfe, antwortete der Kultursenator: Die Gefahr, sich auf einer privaten Feier, wo man eng und vermutlich ohne Maske zusammenstehe, mit dem Coronavirus anzustecken, sei deutlich höher, als auf einer offiziellen Veranstaltung mit Hygienekonzept.

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Außerdem betonte Lederer, wie wichtig kulturelle Ereignisse seien: „Eine Weltsicht, die sagt, alles was nicht Schule, Arbeit und öffentlicher Nahverkehr ist, ist per se gefährlich, ansteckend und furchtbar, ist antiaufklärerisch und wird überhaupt nichts beitragen zur Eindämmung der Pandemie.“

Man müsse einen Mittelweg finden zwischen Lockdown und absoluter Freiheit. Die Clubs seien wertvoll für Berlin und müssten überleben. "Ich kann aber recht sicher prognostizieren, dass diesen Winter kein durchgängiger Rave von Freitag bis Montag stattfinden wird."

Veranstaltungen am Tag der Clubkultur: Von Panel bis zu Ambient-Konzert in der Kirche

Mit dabei sind am Sonnabend bekannte Clubs wie About Blank, Club der Visionäre, Sisyphos oder Schwuz, aber auch kleinere Läden wie das Arkaoda oder Sameheads in Neukölln. Die Veranstaltungen finden vor allem draußen statt und beginnen oft schon mittags – auf dem Programm stehen natürlich vor allem Raves oder Konzerte (bis höchstens Mitternacht) in den Open-Air-Bereichen der jeweiligen Clubs, aber auch anderes.

[Alle Infos zum Programm unter tagderclubkultur.berlin, für Ticketverkäufe sind die jeweiligen Veranstalter zuständig.]

Das queere, sexpositive Kollektiv „Buttons“ zum Beispiel veranstaltet eine Ausstellung mit Paneldiskussion und Livekonzert in der Raumerweiterungshalle am Ostkreuz. Der berühmte Club Tresor verlegt seine Hallen in die St. Thomas Kirche und präsentiert dort statt Ballertechno im Industriebau Ambient- und Experimentalkonzerte im sakralen Umfeld.

Auschlaggebend für die Wahl der Clubs und Kollektive, die ausgezeichnet wurden, waren laut den Kuratoriumsmitgliedern vor allem ihr gesellschaftliches Engagement und Diversity-Aspekte. Die trans*feministische Künstlerin und Kuratoriumsmitglied Sanni Est lobte außerdem, dass das Kuratorium sehr divers besetzt sei - endlich hätten auch Menschen, die nicht weiß und männlich seien ein Mitspracherecht bei wichtigen kulturellen Ereignissen und der Vergabe von Fördergeldern.

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