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Ersatzmedikament für Heroin-Süchtige, eine Packung Methadon-Tabletten. picture alliance / imageBROKER
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Update „Fast unlösbares Problem“ Berlins größte Anlaufstelle für Heroin-Substituierte sucht dringend neue Räume

Der Drogennotdienst in Kreuzberg soll nach 20 Jahren umziehen. Welcher Vermieter will eine Anlaufstelle für 350 Suchtpatienten? Auch die Kassenärzte sind ratlos.

Berlins größte Einrichtung für Heroin-Substituierte droht das Aus. Dann verlieren, so befürchten Ärzte und Sozialarbeiter, 350 schwer Suchtkranke ihre stadtweit bekannte Anlaufstelle am Checkpoint Charlie. Die meisten dieser Männer und Frauen erhalten dort täglich einen Heroin-Ersatzstoff.

Die Einrichtung in der Kochstraße gibt es seit 2002 und wird vom gemeinnützigen Drogennotdienst betrieben. Das Haus, in dem sich die Anlaufstelle befindet, gehört der Malteser-Stiftung. Der Mietvertrag endet zum 31. Dezember 2021 – ob es zwingend dabei bleibt, ist noch unklar. Der Drogennotdienst bemüht sich seit Monaten erfolglos um neue Räume.

In der Kochstraße werden die nötigen Medikamente – die bekanntesten sind Methadon und Subutex – von drei Ärzten den Schwerstabhängigen verabreicht. Zudem helfen acht Sozialarbeiter den Patienten, die sich so trotz Sucht weitgehend im Alltag zurechtfinden.

„Wir befürchten, dass die geübte, auch für die Anwohner verträgliche Praxis unseres Hauses komplett auf dem Spiel steht“, sagte Heike Krause vom Drogennotdienst. „Wir appellieren an den künftigen Gesundheitssenator, sich dieser Frage anzunehmen. Leider hat Amtsinhaberin Dilek Kalayci nicht auf unsere E-Mails und Briefe reagiert.“

Suchtkranke, Ärzte, Sozialarbeiter wollen am Checkpoint Charlie demonstrieren

Der Drogennotdienst, der unter dem Dach der Paritäter arbeitet, habe in vielen Bezirken nach Ersatzräumen gesucht, auch landeseigene Wohnungsbaugesellschaften angefragt. Die aktuell üblichen Mieten in Berlin könne sich der Verein nicht leisten, die eigene Klientel sei vielen Hauseigentümern zudem schwer zu vermitteln. Mit der Einrichtung für Heroin-Substituierte an den Stadtrand oder ins Umland zu ziehen, sei wenig sinnvoll. Die Patienten bräuchten eine Anlaufstelle, die sie gut erreichen könnten.

Am 8. November wollen die Sozialarbeiter, Ärzte und die Suchtpatienten am Checkpoint Charlie demonstrieren. Inzwischen bemüht sich auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) darum, langfristig Räume für den Drogennotdienst zu finden. Die KV, der alle ambulanten Ärzte angehören, die gesetzlich Versicherte versorgen, beteiligt sich an der Immobiliensuche.

Angespannter Immobilienmarkt macht es schwer

„Leider hatten auch unsere Bemühungen bisher keinen Erfolg, so dass wir befürchten müssen, dass die Versorgung zu Ende des Jahres nicht mehr weitergeführt werden kann“, sagte Berlins KV-Chef Burkhard Ruppert. „Gerade vor dem Hintergrund des angespannten Berliner Wohnungsmarktes stellt die Kündigung des Mietvertrages für die Substitutionsambulanz ein fast unlösbares Problem dar.“

Die Projektplanung der Malteser-Stiftung sucht eigener Auskunft zufolge nach einer Lösung, damit der Drogennotdienst das Haus noch eine Weile nutzen könne. Man stünde mit dem Senat und Baufirmen im Austausch. „Wir prüfen noch einmal, was geht“, sagte Michael Görner vom Vorstand der Stiftung.

Die Suchtkranken auf andere Einrichtungen zu verteilen, sei jedenfalls schwierig, sagte KV-Chef Ruppert. Es gebe in Berlin zu wenige Praxen, die Substitutionsbehandlungen anbieten: Circa 100 Praxen versorgen insgesamt 6000 betroffene Patienten.

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In den meisten Fällen behandeln niedergelassene Kassenärzte also eine zweistellige Zahl solcher Patienten. Quasi-öffentliche Einrichtungen, die sich gleich um Hunderte solcher Patienten kümmern, gibt es in Berlin vier. Neben der in der Kreuzberger Kochstraße, gibt es Anlaufstellen in Friedrichshain, Lichtenberg und Neukölln. Sie alle werden vom gemeinnützigen Drogennotdienst betrieben.

Seltener ist die ärztliche Hilfe mit medizinischem Heroin selbst, dem Diamorphin. Dies ist nur in Ausnahmefällen erlaubt, wird in Berlin seit Jahren in einer Praxis in Tegel praktiziert. Einen anderen Umgang auch mit harten Drogen war in Berlin zuletzt auch unter Polizisten diskutiert worden.

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