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Auf dem autofreien Abschnitt der Friedrichstraße gibt es bislang viel Radverkehr. Foto: Carsten Koall/dpa
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„Fahrrad-Autobahn“ in der Straßenmitte Berliner CDU und Einzelhändler fordern Öffnung der Friedrichstraße für Autos

Die Berliner CDU fordert einen völligen Neustart in der Friedrichstraße sowie ein Verkehrskonzept für die gesamte historische Mitte.

„Die Friedrichstraße ist tot“, sagte CDU-Landeschef Kai Wegner am Freitag. Als Begründung nannte er die „Fahrrad-Autobahn“ in der Straßenmitte. Der Leerstand in den Läden sei enorm, auch weil Fußgänger Angst vor rasenden Radfahrern hätten. „Früher im Autostau kam man ungefährdet über die Straße“, sagte Wegner in Mitte. Er lehnt weitere Experimente in der Friedrichstraße ab.

2020 hatte die Verkehrsverwaltung die Friedrichstraße für Autos gesperrt und einen Radweg angelegt. Das ist auch aus Sicht der neuen Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) gescheitert. Vor drei Wochen hatte Jarasch angekündigt, die Friedrichstraße in eine reine Fußgängerzone zu verwandeln, in eine „Piazza“.

Aus Sicht der CDU, dem Hotel- und Gaststättenverband sowie dem Einzelhandelsverband ist dies das nächste überflüssige Experiment. „Wir müssen den alten Zustand wieder herstellen“, sagte Wegner. Das heißt: Autos rein, ob fahrend oder am Rand geparkt. Radfahrer sollten besser durch die Glinkastraße, weiter westlich. Für Radfahrer gilt in der Friedrichstraße ein Tempolimit von 20. 

Christian Andresen, Präsident der Hotel- und Gaststätteninnung Berlin, kritisierte, dass „mit uns keiner gesprochen hat“. Andresen ist auch geschäftsführender Gesellschafter des Mandala Hotels in der Friedrichstraße: „Unsere Gäste finden den Eingang nicht mehr“, sagte er. Selbst Taxis dürften nur noch in Seitenstraßen halten. Andresen nannte es einen „Skandal“, dass die Verkehrsverwaltung etwas durchsetze, „was hier keiner will“.

Charlottenstraße soll zur Fahrradstraße werden

Der Autoverkehr rollt jetzt durch die parallele Charlottenstraße, wenn er denn rollt. Hier klagen die Geschäftsinhaber über zu viele Autos. „Ab 16 Uhr steht alles nur noch“, sagte Anja Schröder, Inhaberin eines Weinladens nahe dem Gendarmenmarkt. Der Verkehr habe um 140 Prozent zugenommen.

Die Verkehrsverwaltung will wie berichtet aus der Charlottenstraße dennoch eine Fahrradstraße machen. Das wird nicht funktionieren, hieß es, weil sie Zufahrtstraße zu drei Parkhäusern mit 1300 Plätzen und zu fünf Hotels ist. „Das gibt nur Konflikte“, sagte Wegner. Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbandes, warnte vor dem nächsten Experiment mit der Fahrradstraße in der Charlottenstraße. „Die Friedrichstraße ist mit Ansage gescheitert“, sagte er, „wir haben es vorausgesagt.“ Busch-Petersen sprach von „Experimenten zu Lasten von Existenzen“.

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Eine differenziertere Meinung vertrat Vincent Veltjens, Manager des Möbelgeschäfts „Bo Concept“ in der Runde. Sicher sei der Radweg nicht allen Geschäftsleuten gut bekommen, die Kundenfrequenz sei um bis zu 80 Prozent eingebrochen. Dass Ketten wie MarcCain und Escada sowie Banken ihre Filialen geschlossen hätten, „das liegt ganz sicher nicht an der Straße“. Der sei es schon vorher schlecht gegangen.

Aus seiner Sicht seien fehlendes Marketing und die schlechte Durchmischung angesichts extrem hoher Ladenmieten Schuld an der Situation. Einfach zurück zum Auto sei kein Konzept. Eine „Piazza“ könne funktionieren, wenn sie richtig angebunden sei. Busch-Petersen schlug vor, sich in anderen Ländern nach Lösungen umzusehen.

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