Die European School of Management and Technology befindet sich im ehemaligen Staatsratsgebäude. Foto: Thilo Rückeis
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ESMT-Campus in Berlin-Mitte Business-School kündigt Zusammenarbeit mit Senat auf

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Weil sich der Senat unkooperativ zeigte, wurde die Zusammenarbeit von der ESMT aufgekündigt. Die will ihren Campus am Schlossplatz eigentlich erweitern.

Es ist eine reizvolle Kombination: eine Hochschule für internationales Management in der ehemaligen Regierungszentrale des Arbeiter- und Bauernstaates DDR. Zumal mit dieser Adresse: Schlossplatz 1. Professoren und Studenten der European School of Management and Technology (ESMT), einer privaten Hochschule für Führungskräfte, fühlen sich im ehemaligen Staatsratsgebäude vis-à-vis dem Humboldt-Forum gut aufgehoben, versichert ESMT-Präsident Jörg Rocholl. Dennoch gibt es nun Ärger.

Grund sind zwei Bauvorhaben, die für die Hochschule wichtig sind, aber von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bislang nicht berücksichtigt werden: erstens eine Vorfahrt für Gäste am Haupteingang. Wer mit dem Taxi zur Hochschule fährt, muss schon 100 Meter davor aussteigen oder den Fahrer bitten, ordnungswidrig an der Straße zu halten. Außerdem möchte die Hochschule gerne ein kleines Studentenwohnheim im Hof des Gebäudes errichten. Rund 80 Prozent der ESMT-Studenten kommen aus dem Ausland und sprechen kein oder nur wenig Deutsch. Für sie ist die Wohnungssuche besonders schwierig.

"Es ist kafkaesk"

Die Hochschulleitung fühlt sich von der Bauverwaltung aber nicht ernst genommen. „Es ist kafkaesk, man bringt sein Anliegen vor, aber alles prallt ab und wird nicht umgesetzt“, sagt Rocholl. Im Entwurf des Bebauungsplans für das Areal rund um das Staatsratsgebäude ist weder das Wohnheim noch die Vorfahrt eingeplant. In dieser Woche beginnt die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit.

In einem Schreiben an die Senatsverwaltung hat Rocholl die Zusammenarbeit vorerst aufgekündigt. Die von der Verwaltung gewünschte Öffnung des Gartens des Staatsratsgebäudes werde nicht weiterverfolgt, zudem kündigte die Hochschule den Pachtvertrag mit dem Verein Flussbad, der auf einem Geländestreifen am Spreekanal sein Projekt vorantreibt. Die Kündigung dient allein dazu, den Druck zu erhöhen. Das Flussbad genießt breite Unterstützung im Senat. Auch Rocholl findet das Projekt eigentlich sehr sympathisch.

Die ESMT, eine Stiftung großer deutscher Unternehmen, erhielt das Staatsratsgebäude 2004 per Erbpacht für einen symbolischen Zins. Der Vertrag könne bis 2109 verlängert werden, sagt ESMT-Geschäftsführer Georg Garlichs, es gibt also ausreichend Planungssicherheit für beide Seiten. Die Hochschule habe bislang 40 Millionen Euro in die Sanierung des denkmalgeschützten Baus gesteckt, als nächstes Projekt soll der Westflügel mit Staatsratssaal und Kino hergerichtet werden.

350 Vollzeitstudenten betreut die Hochschule derzeit, hinzu kommt die berufsbegleitende Fortbildung für Führungskräfte. Um weiter wachsen zu können, möchte die Hochschule das Bürogebäude entlang der Breiten Straße abreißen und durch einen größeren Neubau ersetzen, das ist auch im Bebauungsplan so festgehalten. Die „Honecker-Garage“, ein Flachbau für den Fuhrpark der DDR-Führungskader, und ein Teil des Parkplatzes sollen ebenfalls überbaut werden.

Senatsverwaltung begründet Ablehnung nicht

Der Garten ist denkmalgeschützt. Die Verwaltung würde ihn gerne stärker für Besucher öffnen, also mindestens einen weiteren Zugang am Spreekanal schaffen. Bislang müssen Besucher durch das Staatsratsgebäude hindurchgehen. Das ist zwar zu den Öffnungszeiten der Hochschule möglich, wird aber kaum genutzt, weil es keine Hinweise gibt.

Die Senatsverwaltung erklärt auf Anfrage wortreich den Stand der Planung, begründet die Ablehnung der Hochschulwünsche aber nicht weiter. Eine Vorfahrt für Taxis habe die zuständige Senatsverwaltung für Verkehr verworfen. „Eine Anpassung der Planung zu einem späteren Zeitpunkt ist ggf. möglich.“ Was Wohnheimplätze betrifft, so könnten Studentenwohnungen in einem Teilbereich des geplanten Büroneubaus untergebracht werden. Der Parkplatz an der Sperlingsgasse, ebenfalls aus DDR-Tagen erhalten, soll offenbar dem Garten zugeschlagen werden. Der Entwurf des B-Plans basiere auf einer städtebaulichen Studie des Büros Chipperfield.

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Am Donnerstag wird die Planung zur „Mittleren Spreeinsel“ in einem Projektwerkraum in der „Stadtwerkstatt“, Karl-Liebknecht-Straße 11, ab 18 Uhr öffentlich vorgestellt und diskutiert.

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