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Die Tische an der Johanna-Eck-Schule in Berlin-Tempelhof stehen alle mindestens zwei Meter auseinander. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
© Kitty Kleist-Heinrich

Erster Schultag im Corona-Modus Spielen verboten, Klo nur mit Passierschein

Die meisten hatten sich auf den ersten Schultag seit Wochen gefreut. An die Umstellungen müssen sich Berliner Schüler und Lehrer aber noch gewöhnen.

An einer Charlottenburger Grundschule strömen die Kinder einer JÜL-Klasse – Erst- und Zweitklässler lernen hier gemeinsam – um 11.30 Uhr ins Freie, wo die Eltern mit Regenschirmen und Gesichtsmasken schon auf sie warten. Die Kinder berichten von aufregenden, aber auch schönen ersten dreieinhalb Stunden Schule. Jedes Kind hat seinen eigenen Platz bekommen, auf zwei Räume verteilt, mit 1,50 Meter Abstand zum Nachbarn, genau ausgemessen vom Hausmeister.

An diesem Sitzplatz – und nur dort – darf der Mund-Nasen-Schutz abgenommen werden. Wer nur zum Papierkorb will, muss ihn wieder aufsetzen. Zur Toilette dürfen die Schülerinnen und Schüler alleine, dann nehmen sie eine „Toilettenkarte“ mit, die sie an der Tür des Waschraums anbringen – dann gilt der ganze Raum als besetzt, andere Kinder müssen warten. Die Pause findet nicht auf dem Hof statt, sondern in der Turnhalle: Fangenspielen auf Abstand, ohne abschlagen und anfassen.

Das geht dann so: bis auf einen Meter darf man sich nähern, dann muss man die Hand austrecken und "Hab' dich!" rufen. Morgens werden von der Klassenlehrerin als Erstes die neuen Regeln erklärt, dann gibt es eine Aufgabe: Was hast Du in den letzten Wochen erlebt? – male dazu ein Bild und schreibe einen Text!

Ein Mädchen schreibt auf, wie es mit der ganzen Familie Gesichtsmasken eingekauft hat. Ein Junge berichtet vom Fußballspielen in der Wohnung. Die Lehrerin will wissen, wer sich freut, dass die Schuler wieder angefangen hat: 15 von 18 Kindern melden sich, manche strecken gleich beide Zeigefinger in die Höhe.

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Johannes, Schüler einer 5. Klasse an der Nord-Grundschule in Zehlendorf, war am Morgen vor der Schule ein bisschen aufgeregt. „Ein komisches Gefühl hatte ich nur, weil ja nicht die ganze  Klasse da war, nur neun Kinder, wir haben an dem riesigen Tisch alleine gesessen, wo sonst zwei sitzen“, erzählt er.

Und: „Die Hofpause war blöd, wir konnten nicht spielen, keinen Sport machen, war alles verboten.“ Dennoch sei er froh, dass er endlich wieder ein paar Freunde sehen konnte. „Das war ein cooler erster Schultag.“ Und seine Mutter bestätigt: "Er ist total fröhlich nach Hause gekommen."

Abstandslinien und Richtungspfeile

Eine Lehrerin an einer Grundschule in Steglitz-Zehlendorf berichtet, die die Kinder hätten nun zu versetzten Zeiten Unterricht, sie kommen und gehen in einem Abstand und einem Einbahnstraßensystem in die Schule. „In den Klassen finden die Kinder frontal ausgerichtete Tische mit Namen vor, die den geforderten Abstand zueinander haben“, sagt sie. Beim Rein- und Rausgehen herrsche Maskenpflicht, Hinweisschilder verweisen auf die Hygieneregeln, es gibt Aufsichten an den Treppenabgängen und Toiletten.

Auf dem Boden sind - wie in den Geschäften - Abstandslinien und Richtungspfeile, vor der Schule mit Farbe gemalte Fußabdrücke. Die Hände müssen vor dem Unterricht gewaschen werden, nur zwei Kinder dürfen in den Toilettenraum, alle Türen stehen auf, natürlich nicht die zur Toilette, um eine Schmierinfektion zu vermeiden. Insgesamt sei es sehr ruhig, aber die Wirkung sei schon etwas militärisch. „Die Kinder sind auffallend zurückhaltend.“

Eine Woche Pause

Ein 15-jähriger Schüler aus einem Steglitzer Gymnasium ist ganz zufrieden, denn nach einer Woche Pause sind auch die zehnten Klassen wieder in die Schule gegangen. "Lief heute viel besser", sagt er. „Beim ersten Mal vor zwei Wochen mussten wir alle mit Abstand in der Turnhalle sitzen, das wirkte alles etwas gespenstisch.“

Dieses Schild hängt in der Johanna-Eck-Schule in Berlin-Tempelhof. Foto: Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
Dieses Schild hängt in der Johanna-Eck-Schule in Berlin-Tempelhof. © Kitty Kleist-Heinrich

Jetzt sei die Klasse geviertelt. Normalerweise seien sie 32, "jetzt bin ich mit sieben anderen im Klassenraum mit Abstand zwischen den Tischen" - und die Lehrer machen ganz normal den Unterricht. „Weniger Leute ist einerseits gut, andererseits muss man viel besser aufpassen und kommt öfter dran. Das ist anstrengend“, sagt der Schüler. In dieser Woche wird die Klasse insgesamt nur an drei Tagen Schule haben.

Unterschiedlicher Unterrichtsbeginn

In einer Brandenburger Grundschule begann der Unterricht für die Klassen zu jeweils unterschiedlichen Zeiten. Die sechsten Klassen um 7:50 Uhr, 8 Uhr, 8:10 Uhr, und 8:20 Uhr, ab 8:30 Uhr, dann die fünften Klassen. Ein Schüler hatte sich auf den Unterricht sehr gefreut, und war dann doch enttäuscht, weil er einen so großen Abstand zu seinen Freunden halten musste.

Ähnlich war es an einer Potsdamer Schule. Ein Zwölfjähriger hatte die Wochen zuhause ohne Unterricht zum Schluss nicht mehr so toll gefunden. Als Fünftklässler einer freien Schule sah er dem ersten Tag trotzdem mit gemischten Gefühlen entgegen. In seiner Klasse waren sieben Kinder an diesem Tag anwesend.

Sie sollten in einem zehnminütigen Zeitfenster zur Schule kommen, wurden von Lehrpersonal in Empfang genommen und ohne Kontakt zu anderen Gruppen in den Klassenraum geführt. Dort waren die Tische so weit auseinandergerückt, dass sie dem Mindestabstand entsprachen. Und bei Tischen, bei denen das nicht funktionierte, waren Flächen mit Klebeband abgeteilt worden.

Seine Mitschüler und er trugen bei ihrer Ankunft eigene Gesichtsmasken. Die Schule gab ihnen jedoch neue Exemplare für den Unterricht. Schon in der ersten Stunde ging es turbulenter zu als gewöhnlich. Bei den sieben anwesenden Kindern, die zum Teil eng befreundet sind und sich nur selten gesehen hatten in den vergangenen Wochen, hatte sich viel aufgestaut. Beim Essen in der Pause saßen sie schwatzend beieinander, nicht so eng wie sonst, aber doch vertraut. Außer ihnen war niemand im Essensraum. Die Schüler rotieren in kleinen Gruppen durchs Schulgebäude.

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