Gastgeberin Anke Engelke (l.) und Berlinale-Direktor Dieter Kosslick. Foto: AFP
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Eröffnung der Filmfestspiele Die Berlinale bringt sich in Partystimmung

Ein Film, der begeistert, glitzernde Lollis und modische Mittelwege. Ein erstes Stimmungsbild von der 69. Berlinale.

Die Frage, ob auch genug Stars zur Berlinale kommen, ist so alt, wie die Riesenleinwand im Berlinale-Palast. Im Jahr bevor die Festspiele mit der 70 das biblische Alter erreichen, scheint die Weisheit eingekehrt zu sein in die langen bunten Nächte, in denen anfangs manchmal noch fremde Filmfreunde aus aller Welt miteinander feiern. Es ist tatsächlich die grundlegende Freundlichkeit, der Sinn fürs Gemeinsame, der nicht nur verbindet, sondern den eigentlichen Glanz verbreitet, den auch die schickste Robe auf dem Roten Teppich nicht generieren kann.

Warum wohl reisen der frühere US-Botschafter John Emerson und seine Frau Kimberly, die daheim in Beverly Hills ausgiebig mit Oscarpreisträgern plaudern könnten, eigens an zur Berlinale und tauchen strahlend ein in die glänzende Nacht? Es ist das beflügelnde Klima, das diesmal selbst zum Star wird. Davon lassen sich auch Politiker wie Monika Grütters und Michael Müller anstecken. Der Regierende Bürgermeister, nicht gerade fortgeschrittener Feierfreudigkeit verdächtig, drehte nach der Party im Berlinale-Palast sogar noch eine Extrarunde bei der großen „Opening Night“ im Hotel Stue, zu der Ufa-CEO Nico Hofmann und Gala-Chefredakteurin Anne Meyer-Minnemann im Anschluss der Eröffnung gemeinsam geladen hatten.

Etliche Party-Pendler feierten am Tiergarten bei silbern glitzernden Kuchenlollies und knisternd verpacktem Popcorn. Vor allem brachten sie die beschwingte Stimmung von der eigentlichen Eröffnung mit. Gutes Klima zu schaffen gelingt wenigen Topmanagern so wie Dieter Kosslick, der nach all den Lobreden selber fast etwas ernster auftrat als sonst.

Eine "ganz normale" Berlinale

Wobei in der Nacht und auch am folgenden Tag immer wieder die Frage aufkam, ob für ihn nicht noch eine besondere Ehrung folgen sollte. Produzentin Regina Ziegler etwa hatte erwartet, dass „nach all der Arbeit“ noch ein ordentlicher Preis überreicht würde, „ein großes Verdienstkreuz oder eine Ehrenbürgerschaft oder irgendsowas“. Aus eigener Erfahrung wisse sie, „dass man sich über jeden einzelnen Preis immer wieder richtig neu freut.“ Burkina Fasos Honorarkonsulin Helga Exner fand, es müsste eigentlich eine besondere Gala geben. Dem Wunsch des Festival-Chefs folgend, soll seine letzte Berlinale aber erst mal ganz normal verlaufen, war zu hören.

Was Überraschungen nicht ausschloss. Max Raabe erzählte den Partygästen vergnügt, dass sein Duett mit Anke Engelke für Dieter Kosslick wirklich eine Überraschung war: „Wir haben nur zweimal geprobt. Anke hat wirklich einen tollen Sopran!“

Die Regisseurin des Eröffnungsfilms „The Kindness of Strangers“, Lone Scherfig, kam kaum zum essen, zu beschäftigt war sie, Komplimente entgegenzunehmen. Diesmal gab es richtig großen Applaus im Anschluss. Allein der Titel ist ja Teil des Berlinale-Programms.

Noch einmal genossen die Gäste das gesunde Essen. Special Guest Rolf Hiltl etwa punktete mit Mangomousse und großartigem Züri-Geschnetzeltem. Als vegan ausgewiesene Gerichte hatten die geradezu Missionscharakter.

Debatte um die Zukunft der Filmwelt

Der FilmFernsehFonds Bayern, der sonst immer in der zweiten Hälfte des Festivals zum großen Schaulaufen in die Bayerische Landesvertretung geladen hat, bot schon am Freitag die Chance, den Kater der ersten Nacht mit Weißwurst zu bekämpfen. Die Debatte, wie es weitergeht mit dem Kino und dem Streaming, mit der Förderphilosophie, dem Kampf um junge Talente und vor allem mit dem Film als Kulturgut, wollte Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein auch auf eigenem Terrain gern schon gleich zu Beginn führen. Die neue bayerische Digitalministerin Judith Gerlach beschrieb sehr komisch, wieso sie sich am Rednerpult viel wohler fühlt als auf dem Roten Teppich, wo sie schon mal angeschrien wurde, weil sie versehentlich eine C-Schauspielerin verdeckt hatte.

Souveräne Routine zeigte die Schauspielerin Irina Wanka, der erst beim Posieren auffiel, dass sie versehentlich flache Schuhe anbehalten hatte. Die tauschte sie kurzerhand gegen High Heels und posierte erneut. Statt Abend- oder Cocktailkleidern sieht man öfter weite Hosen, die ein Stück über dem Knöchel enden. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop trug ein solches, erst am vergangenen Wochenende erstandenes Teil mit goldenen Pumps, freute sich aber schon darauf, es demnächst auch mal mit Sneakers auszuführen. Rosa von Praunheims Berlinale-Markenzeichen sind die Hüte. Diesmal war’s ein Filzherz von Amors Pfeil durchbohrt, das auch die Liebe zu den Filmen symbolisieren sollte.

Für Veronica Ferres, Maria Furtwängler und Iris Berben war der bayerische Empfang nur der Auftakt zu einem großen Party-Marathon in wechselnden Garderoben, aber mit vielen Umarmungen. Die Wärme im Februar ist zu einer Berliner Spezialität geworden.

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