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Die Klimaschutzgruppe „Letzte Generation“ startete auch am Freitag Sitzblockaden in Berlin. Foto: Reuters/Michele Tantussi
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Update Erneut Verkehrsblockaden in Berlin Polizei holt Zwölfjährigen von der Stadtautobahn A100

Die „Letzte Generation“ setzt am Freitagvormittag die Proteste für mehr Klimaschutz fort. Betroffen sind sechs Ausfahrten der Stadtautobahn.

Die Aktivisten der „Letzten Generation“ blockieren wieder den Verkehr in Berlin. Bereits am Freitagmorgen klebten sie sich an mehreren Stellen der Stadtautobahn fest, wie die Gruppe am Freitag mitteilte.

„A100 zum dritten Mal diese Woche dicht“, twitterten die Klimaschützer und sprachen dabei von sechs Orten in Berlin, an denen sie aktiv seien. Sie begründeten dies damit, dass es bislang keine Reaktion von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gegeben habe. Unter dem Motto „Öl sparen statt bohren“ fordert die Aktivistengruppe Scholz dazu auf, neue Ölbohrungen in der Nordsee einzustellen.

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Betroffen waren nach Angaben der Polizei seit kurz nach acht Uhr etwa die Ausfahrten Kaiserdamm, Kurt-Schumacher-Damm Ecke Heckerdamm und die Spandauer-Damm-Brücke. Später kamen die Bereiche Goerdelerdamm/Reichweindamm, Seestraße und Messedamm hinzu, sagte ein Polizeisprecher am Mittag.

Wie viele Demonstrierende an den Blockaden beteiligt waren, konnte die Polizei am Mittag zunächst nicht sagen. Die Menschen blockierten demnach die Fahrbahn, einige waren, wie auch zuletzt immer wieder, an der Fahrbahn angeklebt. Die Blockaden führten teils zu größeren Verzögerungen und Staus im Verkehr, zu deren Ausmaß zunächst ebenfalls nichts bekannt wurde. Bereits gegen 10 Uhr seien die Blockaden aufgelöst worden, sagte der Polizeisprecher weiter. Diverse Demonstranten würden überprüft und ihre Personalien aufgenommen.

Unter den Autobahnblockierern seien diesmal auch zwei Kinder, hieß es in der Ankündigung der Proteste. Auf Anfrage bestätigte der Polizeisprecher zumindest ein beteiligtes Kind. Gegen Mittag meldete die Gruppe, dass die Polizei die Kinder von der Fahrbahn der A100 geholt habe.

Der zwölfjährige Simeon sagte, er habe Angst, dass seine Zukunft und die Zukunft aller Kinder „richtig schlimm“ würden. „Ich habe Angst davor, dass die Erwachsenen, zum Beispiel der Kanzler, der eigentlich gerade alles tun müsste, um meine Zukunft zu schützen, gar nicht richtig versteht, wie schlimm die Klimakatastrophe eigentlich ist, und deshalb nicht tut, was notwendig ist.“

Ein Aktivist der "Letzten Generation" klebt sich auf die A100 fest. Foto: Reuters/Michele Tantussi Vergrößern
Ein Aktivist der "Letzten Generation" klebt sich auf die A100 fest. © Reuters/Michele Tantussi

Die 15-jährige Rebekka war einer Mitteilung der Gruppe zufolge bereits bei Fridays for Future aktiv. Das habe aber nur geringe Wirkung gehabt, wird sie zitiert. „Das heißt, ich hab keine andere Wahl, als jetzt auf die Straße zu gehen und aktiv zu stören, um einfach diese Veränderung zu bewirken, die wir alle sehr dringend brauchen“, sagte sie.

Die Gewerkschaft der Polizei meldete via Twitter ebenfalls die Blockaden. „Unsere Kolleginnen und Kollegen haben natürlich etwas Speiseöl dabei und würden sich freuen, wenn auch Vertretende des Rechtsstaates sich von diesen Straftaten distanzieren“, kommentierte Pressesprecher Benjamin Jendro. Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann hatte am Donnerstag Solidarität mit den Klimaschützern signalisiert.

Die Klimaschutzinitiative hatte schon in den vergangenen Monaten vor allem Autobahnausfahrten und Straßen in Berlin und anderen Städten blockiert. Nun rief sie zu einer zentralen Aktionswoche in Berlin auf.

Am Montag und Dienstag blockierten die Aktivisten wieder Autobahnen, am Mittwoch beschmierten sie eine Wand des Bundeskanzleramtes mit schwarzer Farbe. Am Donnerstag gab es etwa eine große Sitzblockade auf einer zentralen Kreuzung in Berlin-Friedrichshain. Dutzende Demonstranten wurden in den vergangenen Tagen von der Polizei vorläufig festgenommen und wieder freigelassen.

Auch im Januar und Februar gab es zahlreiche Autobahnblockaden. Das führte in Berlin zu mehr als 270 Strafanzeigen und rund 120 Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten. Inzwischen gibt es bei der Polizei eine mittlere dreistellige Zahl an Ermittlungsverfahren, meist wegen Nötigung und Widerstands gegen Polizisten. Bislang seien 65 Verfahren bei der Staatsanwaltschaft eingegangen, hieß es kürzlich.

Bislang sei in keinem Verfahren entschieden worden, ob Anklage erhoben oder das Verfahren eingestellt wird. Die Polizei müsse noch in allen Fällen weiter ermitteln. (mit dpa)

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