Das Logo der Aktiengesellschaft Deutsche Wohnen. Foto: Paul Zinken/dpa
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Ergebnis von Immobilienkonzern bricht ein Berliner Mietendeckel verhagelt „Deutsche Wohnen“ die Bilanz

Nur 1,7 Prozent „Mietenwachstum“ verdirbt dem Dax-Konzern die Bilanz – Schuld ist auch der Mietendeckel. Bauen will er nun in Leipzig, statt in Berlin.

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen hat das erste Halbjahr 2020 mit einem kräftig geschrumpften „Periodenergebnis“ abgeschlossen: Ein Plus von 216,7 Millionen Euro gegenüber 603 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Im Geschäftsbericht wird das vor allem mit Veränderungen bei der „Bewertung von Immobilien“ erklärt. Diese berücksichtige auch „die aktuellen gesetzlichen Regelungen (Berliner Mietendeckel)“.

Im „Großraum Berlin“ hält der im Dax notierte Konzern knapp 116.000 Wohnungen mit einem Buchwert von rund 18,5 Milliarden Euro. Hier lag bisher der Schwerpunkt der Investitionen.

Der Immobilienbestand insgesamt umfasst 165.100 Wohn- und Gewerbeeinheiten, davon gut 2000 Gewerbeeinheiten. Außerdem investiert der Konzern in Pflegeimmobilien: 1,2 Milliarden Euro in rund 10.600 Pflegeplätze und Apartments.

An die Grenzen des Wachstums ist der Konzern der Bilanz nach zu urteilen bei den weit überwiegend in Berlin erzielten Mieteinnahmen gelangt: 421,8 Millionen Euro nahm die Deutsche Wohnen an „Vertragsmieten“ ein, geringfügig mehr als im Vorjahreszeitraum (411,1 Millionen). Das Mietwachstum betrug 1,7 Prozent.

Ohne Einführung des Mietendeckels hätte der Konzern gut ein Prozent mehr erzielt. Das erklärt auch das schwächere Halbjahresergebnis. Davor hatte Konzern-Manager Henrik Thomsen bereits vor Monaten im Tagesspiegel-Interview gewarnt.

Bauen, aber kaum in Berlin

„Die Corona-Pandemie hatte bisher keine wesentliche Auswirkung auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns“, heißt es weiter. Zusätzliches Wachstum soll nun der Neubau von Wohnungen bringen.

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Berlin spielt hierfür allerdings keine große Rolle: „Die Projektstandorte, die ca. 7700 Wohneinheiten umfassen, liegen vorrangig in den Regionen Dresden / Leipzig (62 Prozent) und München (8 Prozent)“, heißt es im Geschäftsbericht.

Zwei Milliarden Euro sollen in knapp 70 Projekte fließen. Dazu beteiligt sich die Firma mit 40 % am Leipziger Projektentwickler „Quarterback“.

Für den Berliner Wohnungsbestand rechnet der Konzern mit langfristig weiter positiven Entwicklung und erklärt das so: „Wirtschaftliches Wachstum, der positive Zuwanderungssaldo sowie eine zu geringe Neubauaktivität in den deutschen Metropolregionen bilden die Basis für die weitere Wertentwicklung“. Einfach ausgedrückt: Weil es zu wenig Wohnungen gibt und trotzdem zu wenig gebaut wird, obwohl immer mehr Menschen nach Berlin kommen.

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