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Ehrenamt, ganz neu. Warum es lohnt, sich für die Gesellschaft zu engagieren, können Jugendliche beim digitalen Impact-Camp entdecken. Foto: Rainer Kurzeder
© Rainer Kurzeder

Engagieren leicht gemacht Beim Bar Camp sollen Berliner Jugendliche für das Ehrenamt begeistert werden

Junge Menschen tun sich schwer mit Vereinen oder festen Verpflichtungen. Sich digital engangieren fällt vielen leichter.

Sechs Berliner Freiwilligenagenturen haben vor einem Jahr etwas Visionäres begonnen: Sie veranstalteten ein digitales Bar Camp über bezirkliche Grenzen hinweg, um Jugendliche für das Engagement zu begeistern. Der Ausgangspunkt? „Bei einem Austausch haben wir festgestellt: Unsere Zielgruppe lässt sich nicht durch bezirkliche Strukturen eingrenzen oder auf einen Kiez beschränken“, sagt Jenny Stiebitz, Koordinatorin für junges Engagement der Oskar Freiwilligenagentur Lichtenberg. Bei jungen Bewegungen wie Fridays-for-Future oder Extinction Rebellion sei das schließlich auch nicht der Fall.

In jedem Berliner Bezirk gibt es Freiwilligenagenturen für ehrenamtliches Engagement – Hilfesuchende, Freiwillige oder Organisationen können sich dort melden und vernetzen. Aber klopfen dort auch Jugendliche an? „Es gibt junge Leute, die sich bereits engagieren“, erklärt die 39-jährige Freiwilligenkoordinatorin und verweist auf große Träger wie das Technische Hilfswerk, den Bund für Umwelt und Naturschutz oder den Naturschutzbund Deutschland e.V..

Die meisten jungen Menschen lernen diese Strukturen über Freunde oder ihre Eltern kennen. Es gebe allerdings auch Jugendliche, „die nirgends so richtig angebunden sind und sich nicht angesprochen fühlen, wenn es um Engagement geht“.

Auch der dritte Engagementbericht der Bundesregierung (2020) befasste sich mit dem Thema „Junges Engagement“, vor allem mit Fokus auf das digitale Zeitalter. Der Bericht zeigt: Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren sind engagiert – über die Hälfte (63,7 Prozent) der rund 1000 Befragten setzt sich für einen gesellschaftlichen Zweck ein. Viele agieren dabei allerdings außerhalb von traditionellen Strukturen wie beispielsweise in Vereinen – und 43,2 Prozent üben ihr Engagement fast vollständig digital aus. Es braucht also mehr Engagementformate, die Jugendliche besser erreichen.

Genau da setzen die Teams der sechs Freiwilligenagenturen aus den Bezirken Tempelhof-Schöneberg, Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf, Charlottenburg-Wilmersdorf, Pankow und Lichtenberg an. Bereits zum dritten Mal wollen sie innerhalb der Freiwilligentage „Gemeinsame Sache“ mit dem „Berlin Impact Camp“ eine Plattform schaffen, wo sich junge Menschen miteinander austauschen und finden können.

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Die organisatorische Form des Bar Camps lässt den Jugendlichen dabei viel Freiraum: Die konkreten Themen, über die diskutiert werden soll, können sie aus Überthemen – diesmal „Junges Engagement“ und „was wir für Umwelt und Natur tun können“ – selbst bestimmen. In Kleingruppen, Workshops oder bei Vorträgen, sogenannten „Sessions“, können sie dann ihr Wissen teilen, neue Kontakte knüpfen und Ideen oder Projekte diskutieren.

Beim letzten „Berlin Impact Camp“ ging es um Antirassismus. Die Menschenrechtsaktivistin Elisabeth Kaneza sprach über strukturellen Rassismus und zur rechtlichen Situation Schwarzer Menschen in Deutschland.

Am 9. September wird das Bar Camp zum ersten Mal analog stattfinden, im Kulturzentrum „Weiße Rose“ in Schöneberg. Die Freiwilligenkoordinatorin Stiebitz findet, das dies hilfreich ist, um die Jugendlichen ab 15 Jahren „zu catchen“, wie sie sagt. Das „Berlin Impact Camp“ soll neben den thematischen Diskussionen auch einen Raum schaffen, in dem sich die Jugendlichen wohl fühlen können. So sind ein veganes Catering, ein Konzert und Poetry Slam des Kultur-Kollektivs „Kiezpoeten“ geplant.

Was sich die sechs Freiwilligenagenturen vom Bar Camp erhoffen? „Junge Leute ins Engagement bringen, die bislang nichts davon gehört haben“, sagt Stiebitz. Schließlich sei freiwilliges Engagement der „soziale Kleber“, also eine Möglichkeit, die Gesellschaft mitzugestalten und viel über sich und andere Menschen zu lernen. „Wenn eine Gesellschaft nicht im Austausch bleibt, driftet sie auseinander.“

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Auch die Schule kann ein Ort sein, um Jugendliche an ein Engagement heranzuführen. Jenny Stiebitz arbeitet neben dem „Berlin Impact Camp“ noch an der Fortbildungsreihe „Engagement macht Schule“. Die Idee dahinter ist, dass Lehrer:innen das „Lernen durch Engagement“ in den Unterricht integrieren. Schüler:innen können dabei Projekte entwickeln, die ihrem Lebensumfeld zugute kommen.

Berlin Impact Camp: 9. September, 17-22 Uhr, Kulturzentrum „Die Weiße Rose“, Martin-Luther-Straße 77, Schöneberg. Das kostenlose „Berlin Impact Camp“ bietet 30 Plätze für Jugendliche ab 15 Jahren. Anmeldungen unter: https://www.bringdichein-berlin.de/impactcamp.

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