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Delivery Day: Die ersten 30 Kunden sollten am Dienstag ihre Teslas erhalten. Foto: Thorsten Metzner
© Thorsten Metzner

Update Elon Musk übergibt erste Autos an Kunden Neue Tesla-Fabrik in Grünheide offiziell eröffnet

Am Dienstag ist die „Gigafactory“ in Grünheide eröffnet worden. Bundeskanzler Olaf Scholz sagte zur Einweihung: „Der Osten ist industriell vorne mit dabei“.

Startschuss in Grünheide: Teslas neue Elektroautofabrik bei Berlin ist offiziell eröffnet worden. Mit einem "Delivery Day" feierte der US-Konzern am Dienstag seine Werkseröffnung. Tesla-Gründer Elon Musk übergab die ersten Fahrzeuge aus brandenburgischer Produktion an Kunden.

Zur Einweihung der "Gigafactory" in Grünheide in Brandenburg kamen auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Zum Start des Werks lobten auch Scholz und Habeck die Milliardeninvestition.

Konzernchef Elon Musk sprach von einem Meilenstein für den Übergang zu erneuerbaren Energien. Mit Blick auf den Klimawandel sagte er, das Problem werde gelöst werden. Diese Fabrik sei ein großer Schritt dorthin. Der 50-Jährige twitterte zudem „Danke Deutschland!!“ und versah seine Kurznachricht mit vier Bundesflaggen.

Aus Sicht von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gibt es nach der Eröffnung rund um den Standort noch viel Arbeit. „Die Infrastruktur von Kita über Wohnen bis Bahnanbindung muss ausgebaut werden“, sagte Woidke am Dienstag. „Wir sind hier auf einem guten Weg, haben aber noch eine ordentliche Strecke vor uns.“ Er sei sicher, dass es gelinge, auch dies gemeinsam zu schultern, sagte Woidke. Die Autofabrik nahe Berlin bringe Tausende neue Arbeitsplätze. „Die Region um Grünheide wird sich verändern.“

Tesla hatte den Bau seiner Fabrik 2019 angekündigt. Im Rückblick sagte Woidke: „Wir haben Tesla vor manche schwere Aufgabe gestellt und ich sage ganz unumwunden: Tesla hat auch uns vor manche schwere Aufgabe gestellt, aber am Ende haben wir es gemeinsam gerockt.“ Nun freue er sich auf eine lange gemeinsame Zeit mit Tesla, sagte Woidke.

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Der Autobauer mache Brandenburg als „Hightech-Standort“ bekannter. „Gemeinsam bauen wir an einer neuen Wertschöpfungskette für E-Mobilität, für nachhaltiges Wirtschaftswachstum und Klimaneutralität.“ Der Grundstoff dafür sei erneuerbare Energie. „Wir müssen und werden sie noch deutlich schneller ausbauen - auch, um unabhängiger von Gas- und Erdöl-Importen zu werden.“

Scholz: „Der Osten ist industriell vorne mit dabei“

Aus Sicht von Bundeskanzler Scholz profitiert Ostdeutschland von der neuen Autofabrik in Grünheide. „Der Osten ist industriell vorne mit dabei“, sagte er bei der Eröffnung. Mit Blick auf die vergleichsweise kurze Bauzeit von zwei Jahren sagte Scholz: „Deutschland kann schnell sein.“ Die Fabrik liegt in der Nähe des Hauptstadtflughafens BER, der 2020 mit neun Jahren Verspätung eröffnet wurde.

„Elektromobilität wird die Mobilität der Zukunft prägen“, sagte Scholz außerdem. Zugleich sprach er sich für internationale Wirtschaftsbeziehungen aus. „Wir brauchen globalen Wettbewerb, keine Deglobalisierung. Das geht schief.“

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sagte, dies sei ein besonderer Tag für die Mobilitätswende. Tesla habe sich für Deutschland entschieden, weil das Unternehmen hier den Leitmarkt für Elektromobilität erwarte. Das sei auch sein Ziel, sagte der Minister. Er freue sich, dass die Abkehr vom Öl damit neuen Schub bekomme.

Habeck sieht im zügigen Bau der Tesla-Autofabrik in Grünheide bei Berlin einen Ansporn für künftige Projekte. „Diese kurze Zeit des Fabrikbaus kann natürlich ein bisschen auch eine Maßgabe sein für Tesla-Tempo auch in anderen Bereichen“, sagte er bei der Eröffnung des Werks. „Ich arbeite daran, 24 Stunden, 7 Tage die Woche.“

Habeck erinnerte daran, dass das US-Unternehmen zu bauen begonnen hatte, bevor die Genehmigungen vorlagen. „Wären die Genehmigungen nicht gekommen, hätten die zurückbauen müssen. Das ist eine andere Unternehmens-Wagemut-Kultur - aber hat ja geklappt.“

Angesichts gestiegener Energiepreise sagte Habeck, weniger Verbrauch von Ölprodukten sei eine große Hilfe. „Wir wollen unabhängig von russischem Öl werden. Das ist nicht trivial“, sagte Habeck, angesprochen auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine. „Zu zeigen: Wir können nicht nur Öl durch Öl ersetzen, sondern wir können auch elektrisch, ist natürlich an diesem Tag ein schönes Symbol.“

Umweltschützer protestieren hingegen weiter gegen das Megaprojekt, vor allem aus Sorge um die Versorgung mit Trinkwasser in der Region. Bedenken und Einwendungen im Verfahren seien ignoriert und „Recht gebeugt“ worden, erklärte die Bürgerinitiative Grünheide. Tonnenschwere Tesla-Elektroautos seien in Produktion, Nutzung und Entsorgung „alles andere als klimafreundlich“.

64.000 Euro Einstiegspreis für einen Tesla

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sprach im Deutschlandfunk von einer positiven Wirkung für ganz Ostdeutschland. Landeswirtschaftsminister Jörg Steinbach zeigte sich im RBB-Inforadio stolz, dass Brandenburg allen „ein Schnippchen geschlagen“ habe. Beide Politiker wiesen Umweltbedenken zurück. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, jubelte auf Twitter: „Im Osten geht was!“

Produziert wird in Grünheide zunächst das Model Y Performance, ein etwa zwei Tonnen schwerer Mittelklassewagen mit einer offiziellen Reichweite von gut 500 Kilometern. Den Einstiegspreis gibt das Unternehmen mit 63.990 Euro an. Die neue Fabrik setzt deutsche Hersteller unter Druck. Auch sie setzen aber inzwischen stark auf Elektroautos und haben vergleichbare Modelle am Start.

[Lesen Sie mehr bei Tagesspiegel Plus: Europas größte E-Autofabrik wird eröffnet :„Delivery Day“ bei Tesla – ein US-Konzern mischt Deutschland auf]

Der Bundesverband der Deutschen Industrie lobte die vergleichsweise schnelle Umsetzung des Projekts. „Das Tempo bei Tesla muss als Vorbild für Investitionsprojekte in Deutschland dienen“, sagte BDI-Präsident Siegfried Russwurm der Deutschen Presse-Agentur. Die intensive Unterstützung durch die Landesregierung habe das Verfahren erheblich beschleunigt. Deutsche Unternehmen wünschten sich ähnlichen Rückhalt für jedes Genehmigungsverfahren.

Europas größte E-Autofabrik

Tesla hatte die Anlage mit einer Zielmarke von 500.000 Autos pro Jahr in gut zwei Jahren gebaut. Musk verließ sich dabei zunächst auf vorzeitige Zulassungen des Landes Brandenburg. Erst vor rund zwei Wochen kam die endgültige Genehmigung, als die Fabrik längst fertig war und mit dem Probebetrieb begonnen hatte.

Die "Gigafactory" ist Europas größte E-Autofabrik und die erste Tesla-Fabrik in Europa. Foto: Patrick Pleul/dpa Vergrößern
Die "Gigafactory" ist Europas größte E-Autofabrik und die erste Tesla-Fabrik in Europa. © Patrick Pleul/dpa

Aktuell arbeiten im Werk bereits 3500 Mitarbeiter. 12.000 sollen es in der ersten Ausbaustufe werden. Schon jetzt ist Tesla unter den Top 5 der größten Industriearbeitgeber der Hauptstadtregion. Der US-Konzern will das Werk mittelfristig zum drittgrößten Automobilstandort in Deutschland ausbauen. Es ist Europas größte E-Autofabrik und die erste Tesla-Fabrik in Europa.

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Das Land Brandenburg und der Bund feiern die Ansiedlung der Gigafactory als Aufbruchssignal für Ostdeutschland und die schnelle Bauzeit als wegweisend. Tatsächlich wollte Musk schon Mitte 2021 mit der Produktion starten. Das Verfahren verzögerte sich, unter anderem weil Tesla erst im Nachhinein auch eine Batteriefabrik anmeldete. Diese ist noch im Bau.

Erste 30 Kunden erhalten ihre Teslas

Zu den 30 Kunden, die ihre Teslas am Dienstag in der neuen Fabrik in Grünheide abholen dürfen, gehört auch Jörn Minnebusch. Der Selbstständige ist mit seiner Familie bereits am Vortag aus Oberhausen angereist.

„Wir sind glücklich, zu den ersten 30 zu gehören“, sagt der 52-Jährige vor der Eröffnung. Bestellt habe er das Fahrzeug am 19. April 2019 – es hat nun etwas länger gedauert. „Das war ja klar“, sagt er, das sei auch kein Problem.

Man fahre bereits ein Model 3. Das Angebot, eines der Fahrzeuge zu nehmen, die Schanghai in Deutschland ausgeliefert werden, habe man abgelehnt. Die Version, die in Grünheide produziert werde – das Model Y –, „die hat einfach mehr Power“, sagt Minnebusch.

Jörg Minnebusch (Mitte) mit seinen Söhnen Mike (links) und Kevin (rechts). Foto: Thorsten Metzner Vergrößern
Jörg Minnebusch (Mitte) mit seinen Söhnen Mike (links) und Kevin (rechts). © Thorsten Metzner

Er sei gespannt, Elon Musk kennenzulernen. Er sei ja „ein außergewöhnlicher Typ“. Minnebusch zeigt noch ein Foto der ersten Autos aus Grünheide, das am Morgen bereits auf Twitter kursiert, mit den Nummernschildern „Giga 01“, „Giga 02“, „Giga 03“ und so weiter.

Am Vormittag gab es für die künftigen Tesla-Besitzer und ihre Familien sowie akkreditierte Journalisten eine Führung durch die Fabrik. Gezeigt wurde das weitgehend automatische Werk mit Hunderten von Robotern. Insgesamt ist die Halle 327.000 Quadratmeter groß – eine Fläche von 31 Fußballfeldern.

IG Metall gratuliert zur Werkseröffnung

Lobworte kamen am Dienstag von der Gewerkschaft IG Metall. Elon Musk war der Schrecken der Gewerkschaften in Deutschland, umstritten wegen der Arbeitsbedingungen bei Tesla in den USA, auch wegen seines Hire-and-Fire-Images, das er sich hart erarbeitet hat. Doch nun, zur Einweihung der "Gigafactory" in Grünheide in Brandenburg, meldete sich die IG Metall der Hauptstadtregion und Sachsen mit einem überraschenden, fast überschwänglichen Lob für den US-Elektroautobauer.

"Zur Werkseröffnung gratuliere ich dem Unternehmen Tesla und seinem Gründer Elon Musk", erklärte Birgit Dietze, Bezirksleiterin für Berlin, Brandenburg und Sachsen, am Dienstag. "In Grünheide arbeiten die Beschäftigten als Pioniere der Elektromobilität in einem weltweit führenden Werk an der Antriebstechnik des 21. Jahrhunderts", schrieb Dietze.

Scheut keine Auseinandersetzung: Tesla-Chef Elon Musk, hier bei einem Besuch in Grünheide im August 2021. Foto: Patrick Pleul/dpa Vergrößern
Scheut keine Auseinandersetzung: Tesla-Chef Elon Musk, hier bei einem Besuch in Grünheide im August 2021. © Patrick Pleul/dpa

"Wer auf einer Weltkarte die großen Automobilstandorte sucht, wird künftig auf den Ort Grünheide in Brandenburg stoßen. Mit der Eröffnung der Tesla-Fabrik stärkt Ostdeutschland seine internationale Vorreiterrolle bei der Elektromobilität", erklärte die Gewerkschafterin weiter.

Das VW-Werk in Zwickau sowie BMW und Porsche in Leipzig, Mercedes und Daimler in Berlin-Marienfelde und Ludwigsfelde, Accumotive in Kamenz und viele andere ständen für das erhebliche Potential der Region im weltweiten Wettbewerb um die Führungsposition beim Ausbau der klimaneutralen Mobilität, schrieb Dietze. Diese Innovationskraft und die hohe Produktivität seien eine "wichtige Voraussetzung für gute Arbeitsbedingungen und gute Löhne in Deutschland".

Autobahn nahe Tesla-Fabrik wegen Aktion gesperrt

Am Tag der Eröffnung hat zudem eine mutmaßliche Protestaktion in der Nähe des neuen Tesla-Werks bei Erkner zu einer stundenlangen Sperrung des Berliner Autobahnrings geführt. Der Verkehr auf der A10 wurde in beide Richtungen gestoppt, weil Menschen an einer Brücke über der Autobahn hingen, wie ein Polizeisprecher sagte. Es habe sich ein Stau gebildet. In sozialen Medien war von einer Abseilaktion die Rede, die sich gegen die neue Tesla-Autofabrik richte.

Klimaaktivisten der Gruppen Sand im Getriebe, Ende Gelände und Extinction Rebellion protestierten ebenfalls gegen die „Gigafactory“ und blockierten nach eigenen Angaben ein Werkstor. Sie kritisieren, die neue Fabrik gefährde die Wasserversorgung in Brandenburg und Berlin. Zudem sei es nicht sinnvoll, Autos mit Verbrennungsmotor durch Elektroautos zu ersetzen.

„Was wir stattdessen brauchen, sind kollektive Formen der Mobilität, ein ticketfreier und gut ausgebauter ÖPNV, vor allem auf dem Land, sowie ein Umbau der Autoindustrie, gemeinsam mit den Beschäftigten“, hieß es in einer Mitteilung. (mit dpa)

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