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Das Riesenrad auf dem Gelände des ehemaligen DDR-Vergnügungsparks im Plänterwald.  Foto: Kay Nietfeld/dpa
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Eine stadtbildprägende Silhouette Das Riesenrad im Spreepark verschwindet im Depot

Die Sanierung des Spreeparks beginnt mit dem Abbruch des alten Riesenrads. 2024 soll es sich wieder drehen, mit Passagieren

Die originalgetreue Restaurierung eines Riesenrads muss man sich wie Metallchirurgie vorstellen. Von "Farbeindringverfahren" und "Magnetpulverprüfung" ist die Rede. Um tief verborgene Schäden aufzuspüren, kommt Ultraschall zum Einsatz, ergänzt durch eine "Durchstrahlungsprüfung" mit Röntgentechnik. 220 Tonnen Stahl sind in dem Rad verbaut.

An diesem Freitag beginnt der Abbau des Riesenrads im Spreepark. Damit verschwindet eine seit Jahrzehnten stadtbildprägende Silhouette aus dem Plänterwald in Treptow. Nicht für immer. Das Riesenrad soll zwar komplett in seine Einzelteile zerlegt werden, aber nur, um irgendwann wieder aus diesen Teilen neu zu entstehen. Das hängt allerdings davon ab, wie viele Bauteile die spezielle Diagnostik erfolgreich durchlaufen. Das gesamte Riesenrad-Material wird vor Ort geprüft und eingelagert. 

Die Abbauarbeiten begannen am Freitag. Foto: Frank Sperling, Grün Berlin Vergrößern
Die Abbauarbeiten begannen am Freitag. © Frank Sperling, Grün Berlin
Das Aushängen der 40 Gondeln war schon nach einem Tag erledigt. Foto: Frank Sperling, Grün Berlin Vergrößern
Das Aushängen der 40 Gondeln war schon nach einem Tag erledigt. © Frank Sperling, Grün Berlin

Was nicht mehr tauglich ist, nicht ausreichend belastbar oder mit inneren Verletzungen behaftet, wird durch nachgebaute Teile ersetzt. Der gesamte Sanierungsprozess soll vier Millionen Euro kosten und 2024 ein betriebsfähiges Riesenrad hinterlassen. Geplant ist, das neue alte Riesenrad wieder in Schwung zu bringen, mit echten Fahrgästen. Ob es wieder 40 Gondeln haben wird oder nur 30, ist noch offen. 

Jedenfalls werden die Gondeln so klein, offen und einfach sein, wie sie es seit 1989 sind. Damals wurde das erste Spreepark-Riesenrad von 1969 durch ein neues ersetzt, mit 45 Metern Höhe das "größte Riesenrad Europas", wie der Spreepark anpries. Der Vorgänger war 40 Meter hoch. 

Das Riesenrad wird sich auch nicht schneller drehen als früher. "Kein Hochfrequenzriesenrad", sagt Grün Berlin-Chef Christoph Schmidt. Es gehe nicht darum, möglichst viele Personen in kurzer Zeit abzufertigen, wie es auf kommerziellen Jahrmärkten üblich ist. Das würde der Vision eines künftigen Kunst- und Kulturparks widersprechen.

Bis Ende Februar dauert der Abriss

Den Abbau übernimmt die Firma "Fahrzeugbau Franke" aus Dresden. Die Firma habe selbst ein Riesenrad in Betrieb und viel Expertise in der Sanierung alter Fahrgeschäfte, sagte Projektleiter Christian Pfeuffer. Bis Ende Februar soll der Abriss dauern, danach müsse wieder Ruhe einkehren, wegen der Brutzeit der Waldvögel. Allein der Abbau der Gondeln wird mit einer Woche veranschlagt. 

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Für das künftige Riesenrad und seine Umgebung, etwa das Wasserbecken, die Freilichtbühne und das englische Dorf, wurde ein Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben, an dem sich Teams aus Ingenieuren und Künstlern beteiligen können. Schmidt könnte sich beispielsweise eine Lichtinstallation am Rad vorstellen. Die Abbauarbeiten können Interessierte live mitverfolgen via Webcam auf spreepark.berlin.

Noch vor der Wiedereröffnung des Riesenrads soll nebenan das Eierhäuschen als Ausflugsgaststätte und Künstlerresidenz eingeweiht werden. Und zwar schon im Frühjahr 2022. "Wir liegen im Zeitplan", sagte Schmidt. 

Der gesamte Spreepark öffnet erst 2026

Der Spreepark wird in Etappen saniert und eröffnet, bis 2026. Die meisten Fahrgeschäfte sollen neu inszeniert oder künstlerisch überformt werden. Eine neue Parkeisenbahn soll es geben. Zwischendrin bleibe viel Platz für Kunstaktionen, Lesungen und temporäre Ausstellungen. 

Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) sprach vor zwei Jahren bei der Vorstellung des Rahmenkonzepts von einem „Setzkasten“, den man den Berlinern zur Verfügung stellen möchte, damit sie ihn mit ihren Ideen füllen.

Einige Künstler und Kiez-Aktivisten würden lieber sofort damit anfangen, den Spreepark zu erobern. Ihnen dauert der lange Prozess von der Bürgerbeteiligung über Workshops, erste Entwürfe, Ausschreibungen und die Realisierung viel zu lange. 

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