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Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup in der Bundespressekonferenz. Foto: imago images/Christian Thiel
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Eine Entschuldigung und viele Forderungen Was Flughafenchef Lütke Daldrup sich zur BER-Eröffnung wünscht

Eine ICE-Anbindung, Fernflüge nach China - und mehr Geld: Der Flughafenchef fordert Chancengleichheit für den BER und wirft sich ein bisschen in den Staub.

Seinen Gang nach Canossa absolvierte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup gleich zu Beginn seines Besuchs in der Bundespressekonferenz, in der er über die Eröffnung des BER am 31. Oktober berichten wollte: "Nicht nur Berlin, ganz Deutschland wurde im gewissen Sinne zur Lachnummer", sagte er am Dienstag angesichts der mehr als achtjährigen Verspätung der Inbetriebnahme. "Wir deutschen Ingenieure haben uns geschämt."

Auch die Kostensteigerungen um mehr als das Dreifache des ursprünglich geplanten Budgets auf mehr als sieben Milliarde Euro seien nicht akzeptabel, man müsse sich deshalb nicht mit dem Projekt brüsten. "Deshalb ist klar: Es gibt keine große Party - wir machen einfach auf."

Nach dieser Selbstkasteiung wurde Lütke Daldrup dann aber offensiver und selbstbewusster. Man sei schon jetzt der drittgrößte Flughafen und habe einen Marktanteil von 14 Prozent. Den will Lütke Daldrup mit dem BER zügig ausbauen. "Der BER kann mehr, aber dafür brauchen wir einen fairen Wettbewerb", sagte er vor den Hauptstadtjournalisten. Seine Forderung: Mehr Landerechte für internationale Fluggesellschaften.

"Wir glauben, dass Deutschland drei internationale Flughäfen braucht." Zwei Flughäfen im Westen Deutschlands - München und Frankfurt - seien nicht genug. "30 Jahre nach der Wiedervereinigung muss ein Stück Chancengleichheit geschaffen werden."

Vor allem China und der Mittleren Osten seien der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) bislang verschlossen. "Es kann nicht sein, dass Berlin-Touristen aus China in Prag landen und mit dem Bus zu uns fahren müssen." Bislang darf Berlin lediglich sieben internationale Langstreckenverbindungen anbieten, von denen in der Coronakrise jedoch nur noch eine regelmäßig genutzt wird. Flughäfen in im Westen Deutschlands hätten "weit über 100" internationale Langstreckenrechte.

"Wenn man die Hauptstädte Europas vergleicht, sind wir bei den kleinsten und unbedeutendsten Flughäfen eingeordnet, was das Flugangebot angeht."

"Es gibt keine große Party - wir machen einfach auf"

Seine Forderung richtet sich an die Bundesregierung, konkret an das Bundesverkehrsministerium unter CSU-Minister Andreas Scheuer. Dort müssten Verhandlungen schon während der Coronakrise mit den Ländern aufgenommen werden.

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Und noch eine weitere Forderung adressierte Lütke Daldrup in Richtung Scheuer: "Wir brauchen auch ICE-Linien, die den Flughafen erschließen." Die Infrastruktur sei bereits vorhanden, dies sei eine Aufgabe, die man mittelfristig angehen müsse. Zur Eröffnung wird der Flughafen mit der S-Bahn, der Regionalbahn und dem Flughafen-Express erreichbar sein. Lütke Daldrup rechnet damit, dass zwei Drittel der Fluggäste mit der Bahn anreisen werden.

Flughafen braucht 2020 mehr als 250 Millionen Euro Hilfen

In der Krise braucht die Flughafengesellschaft FBB zudem auch mehr Geld von seinen Gesellschaftern, also dem Bund, Berlin und Brandenburg. Man stecke in der tiefsten Krise der Geschichte der Luftfahrt, so Daldrup.

Derzeit liege das Fluggastaufkommen lediglich bei 20 bis 25 Prozent. Er rechne damit, dass erst im Jahr 2024 das Flug-Niveau von 2019 wieder erreicht wird. Der ursprüngliche Plan, ab dem Jahr 2025 schwarze Zahlen zu schreiben, sei daher unerreichbar. Stattdessen braucht die Flughafengesellschaft in diesem Jahr eine Finanzspritze von rund 260 Millionen Euro. Eine Prognose für 2021 wagte Lütke Daldrup nicht.

Er warb dennoch dafür, den Flughafen finanziell zu stützen. "Nach der Krise wird der BER ein Garant für eine schnellere wirtschaftliche Erholung für die Region sein." Jeder investierte Euro in den BER sei am Ende gut investiert, sagte Lütke Daldrup zum Ende. Von Canossa war da schon lange nichts mehr zu spüren.

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