Schülerinnen und Schüler des Paul-Natorp-Gymnasiums in Friedenau bekamen ihre Abiturzeugnisse auf dem Sportplatz Foto: Sven Darmer/Davids
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Update Ein Überblick mit den Top 35 Bester Abi-Schnitt seit Jahren in Berlin

Trotz der Corona-Pandemie sind die Abschlussprüfungen besser als in den Vorjahren. Aber die Begeisterung teilen nicht alle.

Wochenlang und leidenschaftlich war im Frühjahr diskutiert worden, ob Berlin trotz der Belastungen durch die Coronavirus-Pandemie an den Abiturprüfungen festhalten sollte. Die Entscheidung lautete – im Kanon aller Bundesländer – „ja“. Und nun liegt das Ergebnis der Prüfungen vor: Es ist brillant.

Dies geht aus der Auswertung aller Klausuren und Präsentationen hervor, die die Bildungsverwaltung am Donnerstag vorlegte. Der berlinweite Durchschnitt beträgt 2,3 und war damit so gut wie seit 2011 nicht. Er lag seit der Einführung des Zentralabiturs meist bei 2,4 und vorher bei 2,5, denn das Zentralabitur hatte die Anforderungen nach unten nivelliert.

Nach der Schnellauswertung der Bildungsverwaltung stieg zudem der Anteil derjenigen, die das Abitur bestanden haben. Mit 96,7 Prozent (2019: 95,4 Prozent) lag die Bestehensquote wieder so hoch wie zuletzt 2016.

Etliche Willkommensschüler sind diesmal unter den Abiturienten

Auch bei den Schülern, die nicht Deutsch als Herkunfts- oder Familiensprache sprechen, stieg die Bestehensquote – von 93,8 auf 94,1 Prozent. Unter ihnen waren erstmals auch etliche Schüler, die 2015 nach Deutschland geflüchtet waren und aus ihren Willkommensklassen heraus den Weg zum Abitur geschafft hatten. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gratulierte den Abiturienten am Donnerstag und dankte auch den Lehrkräften, die es offenbar geschafft haben, unter den erschwerten Bedingungen ihre Schüler zu unterstützen.

Abi-Zeugnisvergabe unter freiem Himmel. Foto: Kay Nietfeld/dpa Vergrößern
Abi-Zeugnisvergabe unter freiem Himmel. © Foto: Kay Nietfeld/dpa

Über 300 Absolventen schafften die 1,0

Die Spitzennote 1,0 erreichten 2,5 Prozent der Abiturienten (2019: 2,1 Prozent), Note 1,1 stand bei 1,6 Prozent der Absolventen auf dem Zeugnis (2019: 1,2 Prozent). Wie bereits in den Vorjahren schnitten die Abiturientinnen besser ab als die Abiturienten (2,27 gegenüber 2,42).

Das zeigt sich auch besonders bei denjenigen, die eine 1,0 schafften, denn darunter waren 191 Mädchen und "nur" 116 Jungen. Das beste Abitur gelang mit 893 von möglichen 900 Punkten.

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An der Spitze: Das Evangelische Gymnasium Frohnau

Das „Auf diese hervorragenden Ergebnisse können wir stolz sein – besonders im Hinblick auf die durch die Corona-Krise erschwerte Lernsituation“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Schulstiftung, Frank Olie, die Resultate: Das Evangelische Gymnasium Frohnau liegt mit einem Notenschnitt von 1,62 an der Berliner Spitze.

Trotz der vielen guten Ergebnisse haben noch nicht alle ihren Frieden mit dem diesjährigen Abitur gemacht. „Es war aus Sicht der anderen Schüler falsch, die Prüfungen zu schreiben“, findet etwa der Leiter des Steglitzer Fichtenberg-Gymnasiums, Andreas Steiner. Infolge der Abiturprüfungen seien 1,5 Wochen Unterricht verloren gegangen: „Die Ressourcen hätten lieber in den Unterricht fließen sollen“, findet Steiner.

Das Abitur hatte in diesem Jahr unter erschwerten Bedingungen stattgefunden. Foto: dpa Vergrößern
Das Abitur hatte in diesem Jahr unter erschwerten Bedingungen stattgefunden. © dpa

Es gab zahlreiche Appelle gegen das Durchziehen der Prüfungen

Insbesondere diejenigen, die 2021 Abitur machen, hätten darunter zu leiden. Davor hatte auch der Verband der Oberstudiendirektoren von Anfang an gewarnt. Wie berichtet, hatten etliche Abiturjahrgänge Appelle verfasst, die den Verzicht auf die Abiturprüfungen zum Ziel hatten, darunter auch das ein Großteil der Abiturienten des Fichtenberg-Gymnasiums und der Sophie-Scholl-Schule.

Der Landesschülerausschuss hatte lange versucht, die Prüfungen zu verhindern. „Der Kampf um die Prüfungsabsage in Berlin war nicht nur ein schulpolitischer Kampf, es ging uns auch um Mitbestimmung“, sagte der scheidende Vorsitzende Miguel Góngora, der selbst das Abitur abgelegt hat. Er freue sich aber sehr, dass die Prüfungen in diesem Jahr so gut ausgefallen seien.

Die Top 7 mit dem jeweiligen Schnitt und der Absolventenzahl

ÖFFENTLICHE GYMNASIEN

Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium 1,67/69

Rosa-Luxemburg1,73/144

Heinrich-Hertz 1,76/61

W.-v.-Siemens 1,78/115

Käthe-Kollwitz 1,87/ 92

Otto-Nagel 1,88/110

Heinz-Berggruen 1,92/118

ÖFFENTLICHE SEKUNDARSCHULEN

W.-von-Humboldt-Gemeinschaftsschule 1,66 /22

Nelson-Mandela 1,80/70

Flatow 2,21/22

Sophie-Scholl 2,25/ 122

Kurt-Schwitters 2,31/89

Poelchau-Sportschule im Olympiapark 2,33/46

Gustav-Heinemann 2,33/131

FREIE SCHULEN

Evangelische Schule Frohnau 1,62/52

Berlin Bilingual Secondary School 1,68/5

Canisius-Kolleg 1,75/101

Ev. Gymnasium zum Grauen Kloster 1,75/81

Jüdische Traditionsschule 1,77/9,

Kath. Theresienschule 1,79/69,

Ev. Schule Köpenick 1,87/65

ÖFFENTLICHE KOLLEGS

Peter-A.Silbermann-Schule 1,93/12

Abendgym. Prenzlauer Berg 2,02/21

Victor-Klemperer-Kolleg 2,12 63

Kolleg-Schöneberg 2,23/54

Treptow-Kolleg 2,33/41

Berlin-Kolleg 2,36/88

Charlotte-Wolff-Kolleg 2,42/44

ÖFFENTLICHE BERUFSSCHULEN

Staatliche Ballettschule, Schule f. Artistik 1,94/13

Elinor-Ostrom 2,26/45

Max-Bill-Schule 2,39/110

Emil-Fischer 2,39/67

Rahel-Hirsch 2,43/95

Jane-Adams 2,48/101

Anna-Freud 2,51/102

Weitere Spitzenergebnisse der Gymnasien, Sekundarschulen, Kollegs und Berufsschulen im Überblick gibt es hier.

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