Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Das Würmchenmuster war dazu gedacht, die Schmierereien von Vandalen weniger Sichtbar machen. Foto: Britta Pedersen/dpa
© Britta Pedersen/dpa

Update Ein Stück Berlin verabschiedet sich Ikonisches BVG-Sitzmuster verschwindet aus Bus und Bahn

Die einen liebten es, die anderen hassten es: Das Design der Sitzbezüge bei der BVG. Eine Erinnerung an mehr als 30 Jahre „Würmchenmuster“. Nun verschwindet es nach und nach. 

Jeder Berliner kennt es. Eine Hälfte liebt es, die andere Hälfte hasst es. Das sind die Fakten. Nur wenige kennen seinen Namen, und kaum einer wird ahnen, dass wir schon 30 Jahre darauf sitzen: Auf dem „Würmchenmuster“ der BVG-Sitze, blau, rot, schwarz, weiß.

Kurz vor seinem Ende macht „Urban Jungle“, wie das Muster offiziell heißt, noch einmal Schlagzeilen. Die „Berliner Zeitung“ berichtet von einem Rechtsstreit mit dem Erfinder, schon im vergangenen Jahr war es Thema in der „B.Z“.

Die BVG sieht dem Prozess im Sommer gelassen entgegen. Rausreißen werde deswegen keine Polster, hieß es bei den Verkehrsbetrieben. Deshalb gibt es auch keine Angabe, wann der letzte Wagen mit diesem Design durch Berlin rollen wird. Das Muster habe sich schlicht überlebt, sagte eine BVG-Sprecherin, deshalb laufe es aus. Tatsächlich werden schon seit mehreren Jahren neue Modelle mit dem „Nachtlinien“-Design (schwarzgrau mit ein paar Farbklecksen) ausgestattet, viel weniger aggressiv, aber genau so wirkungsvoll.

Erfunden hatte das „Würmchenmuster“ Herbert Lindinger einst für die S-Bahn, als die nämlich zu West-Berliner Zeiten in der Hand der BVG war. Das Muster sollte „die von Vandalen so beliebten und schwer entfernbaren ‚Malereien‘ mit Filzstiften weniger auffällig erscheinen lassen“, schrieb Lindinger 1990.

[Und was passiert konkret in Ihrem Berliner Kiez? Die 12 Tagesspiegel-Newsletter für die 12 Berliner Bezirke gibt es kostenlos hier - leute.tagesspiegel.de]

Jetzt kostenlos bestellen

Ja, die BVG litt schon damals unter den Graffiti-Schmierern. Den Berlinern war der Stoff egal, die Stadt stritt um Größeres, nämlich um die Außenfarbe der Waggons. Professor Lindinger wollte blau, doch der Protest war zu groß. Die Züge behielten ihr Rotbeige.

Die frühere BVG-Chefin Sigrid Nikutta und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop in "Urban Jungle" Foto: Jörn Hasselmann Vergrößern
Die frühere BVG-Chefin Sigrid Nikutta und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop in "Urban Jungle" © Jörn Hasselmann

Die Würmer wurden Kult

Lindingers Würmer aber blieben und wurden, lange Jahre später, Kult. Die BVG vermarktet es in ihrem Shop online, es gibt Badelatschen (14,90 Euro), Handyhüllen (8,90 Euro), Halstücher (25,90 Euro) oder Rucksäcke (29,90 Euro). Auch diese Devotionalien werden weiter verkauft, sagte eine Sprecherin. Nur neu bestellt werde nichts mehr. 

So sieht das neue Design aus: "Nachtlinien". Foto: Tsp Vergrößern
So sieht das neue Design aus: "Nachtlinien". © Tsp

In der Konzernzentrale der BVG ist ein Tagungsraum komplett in dem Muster dekoriert, gerne ließ sich die alte BVG-Chefin Sigrid Nikutta hier fotografieren. Nikutta verließ ohnehin nie ohne Würmchen-Schal das Haus, zu ihrem Abschied peppte sogar der Regierende Bürgermeister Müller seinen Anzug mit einer Urban-Jungle-Krawatte (Seide, 25,90 Euro im Shop). Müller geht, Urban Jungle auch. 

Was bleibt? Im Internet sammeln Fans auf sitzmusterdestodes.com die schlimmsten Designs aus aller Welt. Denn nicht nur in Berlin gibt es schrill-schräg-schreckliche Sitzbezüge.

Zur Startseite