Ob sich die Türen des Kinos "Colosseum" jemals wieder für Publikum öffnen? Foto: Paul Zinken/dpa
© Paul Zinken/dpa

Ein Jahrhundert Kinogeschichte „Colosseum" meldet Insolvenz an

Auslöser für die Insolvenz war offenbar die lange Schließung aufgrund der Coronakrise. Das Kino war bei der ersten Berlinale nach der Wende dabei.

Das klingt noch halbwegs optimistisch: „Liebe Gäste, unser Kino ist bis auf weiteres geschlossen. Wir freuen uns, euch so bald wie möglich wieder begrüßen zu dürfen.“ Der Hinweis findet sich auf der Webseite der Kinokette UCI, gilt für alle dort aufgeführten Kinos, für eines aber nur bedingt. Wie berichtet, hat die Betreibergesellschaft des Multiplex-Kinos „Colosseum“ in der Schönhauser Allee 123 in Prenzlauer Berg am Amtsgericht Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Grund sei der über zwei Monate dauernde Umsatzausfall aufgrund der coronabedingten Schließung, hatte der vorläufige Insolvenzverwalter Sebastian Laboga der Agentur dpa mitgeteilt. Er mache sich derzeit in Gesprächen mit der Geschäftsführung ein Bild der Lage.

Der Insolvenzantrag sei eine schlechte Nachricht für Berlin. „Schließlich gehört das ,Colosseum‘ zum kulturellen Erbe der Hauptstadt.“

Das Kino entstand aus einer Halle der Straßenbahn

Das Erbe einer fast 100-jährigen Geschichte, wäre zu ergänzen. Am 12. September 1924 war in einer aus dem späten 19. Jahrhundert stammenden Wagenhalle der Straßenbahn ein Lichtspieltheater mit 1000 Plätzen entstanden. Dank des Denkmalschutzes haben sich sogar noch einige Wandringe erhalten, an denen vor Einführung der „Elektrischen“ die Pferde angebunden wurden.

Nach der Wende übernahm Artur Brauner das Kinogelände. Foto: Jens Kalaene/dpa Vergrößern
Nach der Wende übernahm Artur Brauner das Kinogelände. © Jens Kalaene/dpa

Das anfangs auch für Varietévorstellungen genutzte Kino erlebte über die Jahrzehnte mehrere Umbauten, die erste 1930 bei der Übernahme durch die Ufa. Im Zweiten Weltkrieg diente es zeitweise als Lazarett – und von 1947 bis 1954 als Spielstätte des Metropol-Theaters, dessen Haus in der Behrenstraße durch Bomben zerstört worden war. Der junge Horst Buchholz hatte dort als Komparse in „Emil und die Detektive“ seinen ersten Bühnenauftritt.

Nach erneutem Umbau wurde das „Colosseum“ 1957 wieder zum Kino, aber nicht irgendeines, sondern das Premierenkino von Ost-Berlin – eine Rolle, die 1963 das „International“ übernahm. Dieses, das „Kosmos“ und eben das „Colosseum“ waren bei der Berlinale 1990 die ersten Ost-Berliner Kinos, in denen Festivalfilme gezeigt wurde. Auch bei der Berlinale im vergangenen Februar waren „Colosseum“ und „International“ wieder dabei.

Premieren gab es nach der Wende seltener, so etwa im März 2009 die des Animationsfilms „Monsters vs. Aliens“, mit den Stargästen Reese Witherspoon und Kiefer Sutherland, Sprecher in der Originalversion. Artur Brauner hatte das Gelände nach der Wende übernommen, nach der Sputnik Colosseum Betrieb KG und der Cinemaxx AG ist die UCI der aktuelle Betreiber des Kinos. Und möglicherweise auch der letzte – leider.

Zur Startseite