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Beim Rendezvous mit den Pinguinen im Berliner Zoo füttert unsere Autorin die Tiere mit fettem Fisch. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
© Kitty Kleist-Heinrich

Ein Besuch bei den Pinguinen Social Distancing? Ein Date mit dem Lieblingstier ist drin!

Beim „Date mit dem Lieblingstier“ können Gäste die Bewohner von Zoo und Tierpark treffen – und sogar füttern. Ein Besuch bei den Humboldt-Pinguinen.

Platsch. Ein Schwall kaltes, fischiges Wasser spritzt über den Beckenrand, durchnässt Maske, Schal und Teile der Jacke. Ein bisschen zu schwunghaft ist der kleine Pinguin dem Fisch hinterhergesprungen, den man ihm zugeworfen hat. Trocknen macht keinen Sinn, da ist schon der nächste, der sein Köpfchen aus dem Wasser reckt, der gefüttert werden will mit frischem, glitschigem Fisch.

Normalerweise gehört das Füttern von Tieren ja explizit nicht zum Zoobesuch; beim „Date mit dem Lieblingstier“, das Berliner Zoo und Tierpark anbieten, ist es aber Teil des Programms. Treffen kann man unter anderem Okapis, Giraffen, Riesenschildkröten, Elefanten und Tapire – theoretisch. Denn die Tier-Rendezvous sind sehr beliebt und meistens wochen- oder monatelang im Voraus ausgebucht.

Bei den Elefanten, den beliebtesten Tieren, muss man mit einer Wartezeit von einem Jahr planen, für die Okapis werden erst mal gar keine Termine mehr vergeben. Und wegen der Corona-Pandemie findet ohnehin nur eingeschränktes Programm statt.

Derzeit kann man im Zoo nur die Humboldt-Pinguine treffen. Allerdings gibt es wegen Absagen aktuell noch ein paar freie Termine – gewöhnlich sind auch sie ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht. Im Tierpark in Lichtenberg gibt es noch Termine bei Giraffen und Poitou-Eseln, letztere darf man sogar streicheln – in Zeiten von Social Distancing vielleicht auch mal eine schöne Abwechslung.

Erlaubt ist derzeit eine maximale Gruppengröße von drei Personen aus einem Haushalt. Ob ab Dezember, wenn nach jetzigem Stand einige der Corona-Einschränkungen enden sollen, wieder mehr Tierbesuche möglich sind, ist unklar. Das hänge von den Infektionszahlen und natürlich den Senatsentscheidungen ab, sagt Silvan Pfefferkorn, stellvertretender Leiter der Zooschule, der an diesem Nachmittag den Pinguinbesuch betreut.

Zoo und Tierpark bleiben geöffnet

Während Museen und Fitnessstudios im November schließen mussten, Restaurants und Bars nur Außerhausverkauf anbieten dürfen, können Zoo und Tierpark geöffnet bleiben – allerdings nur die Außenanlagen. Und es gilt eine strenge Maskenpflicht auf dem gesamten Gelände.

An diesem kalten Novembernachmittag sind aber ohnehin so wenige Besucher da, dass man kaum Angst haben muss, jemandem zu nahe zu kommen. Ungestört kann man Zebras, Seelöwen und sogar die Pandas beobachten, die sonst hinter den Köpfen und Handykameras anderer Leute verschwinden.

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Die Pinguine scheinen von Social Distancing noch nichts gehört zu haben. Sobald sie die grüne Jacke von Silvan Pfefferkorn sehen, kommen einige neugierig angeschwommen. Vielleicht liegt es auch an dem großen Eimer, den Pfefferkorn dabeihat: Die Pinguine bekommen Makrelen, Heringe, Sardellen – fetten Fisch, damit sie für die kalten Monate Winterspeck anlegen.

„Es schauen ja nicht nur die Besucher die Tiere an. Die Tiere schauen auch zurück.“ Fotos: Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
„Es schauen ja nicht nur die Besucher die Tiere an. Die Tiere schauen auch zurück.“ © Fotos: Kitty Kleist-Heinrich

Manche der Tiere fressen mutig direkt aus der Hand, andere schwimmen erst mal aufgeregt hin und her, um abzuchecken, ob man der Sache trauen kann. Das sei auch gut so, sagt Pfefferkorn, die Tiere sollten sich nicht zu sehr daran gewöhnen, von anderen Menschen als den Pflegern gefüttert zu werden.

Deshalb finden die Besuche nicht täglich statt. Immer wieder käme es vor, dass Zoobesucher Sachen ins Wasser schmissen oder fallen ließen. Die Robben im Becken ein paar Meter weiter seien inzwischen darauf trainiert, solche Dinge aus dem Becken rauszuholen und den Pflegern an den Rand zu legen.

Auch den Tieren fehlen die Zoo-Besucher

Die Pinguine hingegen zeigten kein besonderes Interesse an irgendeiner Form spielerischen Trainings. „Brauchen sie aber auch nicht“, sagt Pfefferkorn, „denen wird eh nicht so schnell langweilig“. Zumindest normalerweise. Die Corona-Pandemie und die dadurch ausbleibenden Besucher seien auch bei den Tieren nicht unbemerkt geblieben. „Es schauen ja nicht nur die Besucher die Tiere an“, sagt Pfefferkorn. „Die Tiere schauen auch zurück.“

Ansonsten beschäftigen sich die Humboldt-Pinguine, die ihren Namen von Alexander von Humboldt haben, der sie in Peru entdeckt haben soll, aber auch ganz gut selbst: Mit bis zu 30 Stundenkilometern pesen sie durchs Wasser, hüpfen an Land und wieder zurück ins Nass. Im Gegensatz zu den meisten anderen Tiergruppen im Zoo gibt es bei Pinguinen keinen männlichen Herdenführer, der für die Befruchtung der Weibchen zuständig ist und dafür Revierkämpfe ausführen muss.

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Während selbst die Zoo-Mitarbeiter die flinken Tiere nur an einem farbigen Armband unterscheiden können, erkennen sie sich untereinander offenbar ganz gut wieder: Die Pinguine leben monogam, bleiben in der Regel ihr Leben lang beim selben Partner – manchmal auch in homosexuellen Beziehungen. Schon mehrfach haben schwule Pinguinpaare in Zoos Eier von Hetero-Pinguinen ausgebrütet und danach das Junge aufgezogen.

Auch gebe es keinerlei Hierarchien bei ihnen, sagt Pfefferkorn. „Bei den Pinguinen herrscht Anarchie.“ Damit passen sie ja wunderbar nach Berlin. Und man lernt: Es sind nicht alle Anzugträger Spießer.

Der Besuch beim Lieblingstier kostet 80 Euro für eine Gruppe von derzeit maximal drei Personen aus einem Haushalt. Die Teilnehmer müssen mindestens 16 Jahre alt (mit Erziehungsberechtigtem) sein, bei den Pinguinen ist das Mindestalter zehn Jahre. Alle Informationen, Termine, Kosten und Gutscheine finden Sie hier für den Zoo und hier für den Tierpark.

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