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Auch in der Pandemie ist Engagement gefragt: Die Berliner Tafel verteilt weiterhin Lebensmittel an Bedürftige. Foto: Britta Pedersen/dpa
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Ehrenamt in der Coronakrise Berliner Senat plant erneut Finanzspritzen für soziale Vereine

Sie verlieren Mitglieder und Einnahmen: Gemeinnützige Organisationen leiden unter Corona. An der Verteilung der ersten Nothilfen gibt es Kritik.

Der Senat will ein zweites Soforthilfeprogramm auflegen, damit gemeinnützige Vereine, Initiativen und Organisationen besser durch die Coronakrise kommen. Staatssekretärin Sawsan Chebli hält eine Neuauflage für notwendig, weil die Belastungen für die Organisationen durch die Corona-Pandemie weiterhin bestehen bleiben. „Das muss schnell kommen“, betonte sie kürzlich beim Neujahrsempfang des Landesnetzwerks Bürgerengagement die Dringlichkeit.

Das erste Berliner Hilfe-Paket für gemeinnützige Einrichtungen hatte eine enorme Nachfrage ausgelöst. Insgesamt seien 168 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 2,7 Millionen Euro gestellt worden, teilte Chebli im Partizipations-Ausschuss des Abgeordnetenhauses mit. Positiv entschieden wurden aber nur 67 Anträge im Umfang von 1,4 Millionen Euro; fünf Anträge würden noch von der Investitionsbank geprüft.

Viele Organisationen hätten in der Coronakrise erhebliche Einnahmeausfälle durch ausgefallene Veranstaltungen, geschlossene Sozial-Cafés oder besondere, kostenpflichtige Angebote. Sportvereine verzeichneten auch einen Mitgliederschwund von 14 Prozent, was einen erheblichen Einnahmeverlust für die Vereine bedeute, sagt Alexander Fuchs vom Landessportbund Berlin. Antragssteller seien sowohl sehr große Organisationen mit vielen Kursangeboten als auch sehr kleine Initiativen.

„Wenn zwei Drittel der Anträge abgelehnt werden, dann stimmt etwas nicht“, kritisierte die CDU-Abgeordnete Emine Demirbüken-Wegner im Abgeordnetenhaus. „Dann muss man sich konzeptionelle Gedanken machen.“

Vereine mit migrantischem Hintergrund wurden kaum berücksichtigt

Auch Staatsekretärin Chebli kündigte eine Überarbeitung der Antragsbedingungen an. Ein offenbar zu hoher bürokratischer Aufwand überfordere augenscheinlich kleine Organisationen, die in der Antragstellung ungeübt sind. So seien etwa Organisationen mit migrantischem Hintergrund bei der Nothilfe fast überhaupt nicht berücksichtigt worden.

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Als Ablehnungsgründe für die Anträge sei von den Antragsbearbeitern häufig eine „mangelnde Mitwirkung oder fehlende Pflichtunterlagen“ genannt worden, sagte Staatssekretärin Chebli. Es sei deshalb notwendig, die Kriterien zu verändern.

Auch eine aktuelle ZiviZ-Studie ergab für die Bundesrepublik einen Rückgang ehrenamtlichen Engagements, zunehmende Vereinsaustritte und Finanzengpässe bei gemeinnützigen Organisationen. Trotzdem verzichteten fast 80 Prozent der Vereine und Organisationen darauf, einen Antrag auf staatliche Soforthilfen zu stellen, weil sie die Kriterien nicht erfüllen konnten.

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