Blick von der Friedrichstr. auf die Baustelle des "Areal am Tacheles" in Berlin-Mitte. Foto: Thilo Rückeis
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Ehemaliges Kulturhaus Berliner Politik lehnt Tacheles-Pläne ab

Der Plan, auf dem Gelände des ehemaligen Tacheles eine schwedische Fotogalerie zu eröffnen, wird von Berlins Kulturpolitikern mehrheitlich abgelehnt.

Die Berliner Politik lehnt mehrheitlich die Pläne ab, auf dem Tacheles-Grundstück in Mitte eine Filiale von „Fotografiska“ mit Bookshop, gehobener Gastronomie und Veranstaltungsräumen zu eröffnen. „Der Mythos des Tacheles ist vorbei“, sagte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) dem Tagesspiegel. Der Verkauf des Grundstücks sei ein Fehler gewesen. „Jetzt wollen die privaten Eigentümer aus dem vergangenen Mythos Kapital schlagen. Deshalb sind auch unsere Versuche, dort öffentliche Kulturnutzung einzubringen, fehlgeschlagen. Wir haben mit dem Besitzer verhandelt, um Räume für Kunst zu sichern. Wir hätten auch versucht zu kaufen. Dafür gab es keine Bereitschaft. Bei den von den Eigentümern aufgerufenen Preisen war uns auch das Mieten nicht möglich“, sagte Lederer. Berlin versuche kulturelle Strukturen zu schaffen, die marktunabhängig sind.

Kulturpolitikerin Regina Kittler (Linke) sagte, was dort entstehen solle, lasse sie an das „Prinzip Ikea“ erinnern. „Wenn man erst durch Läden und Restaurants laufen muss, um zur Fotogalerie zu gelangen, ist das keine kulturelle Nutzung, sondern kapitalistische Vermarktung.“ Außerdem habe man in Berlin bereits die zeitgenössische Fotografie im Ausstellungshaus C/O Berlin im Amerika Haus in Charlottenburg. Im Baurecht für das Grundstück sei eine kulturelle Nutzung vorgesehen, allerdings habe es offenbar auch einige „Ausnahmen und Befreiungen“ gegeben. Bedauerlicherweise gebe es keinen Zugriff des Landes Berlin darauf, da der Bezirk Mitte zuständig sei.

Auch Sabine Bangert (Grüne), Vorsitzende des Kulturausschusses, hätte sich statt eines „Edel-Kaufhauses“ gewünscht, dass man dort bezahlbare Arbeitsräume für Künstler schaffe und „bewusster mit der Vergangenheit des Tacheles“ umgehe. Die Geschichte des Tacheles hätte man „offensiv aufnehmen“ müssen. Jetzt könne man nur hoffen, dass der Bezirk „in seiner Weisheit“ sich für eine adäquate Nutzung entschließt.

Für SPD-Kulturpolitikerin Susanne Kitschun sind die Pläne „sehr exklusiv und hochpreisig“ für eine gehobene Klientel. Das Land habe darauf keinen Einfluss. Wie ein privater Investor mit so einem Ort verfahre, zeige wie wichtig staatliche Kulturförderung sei. FDP-Politiker Florian Kluckert ist auch „nicht wirklich glücklich“ über diese Pläne. Das Areal könnte man anders nutzen und dort Künstler unterbringen. Auch Kluckert hätte sich gewünscht, die Pläne für das Tacheles-Gelände mit der Geschichte des Ortes inhaltlich zu verbinden. Die CDU hatte zu den Plänen noch keine abschließende Meinung.

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