Rückblick: Der damalige US-Präsident Barack Obama nach seiner Rede vor dem Brandenburger Tor im Jahr 2013. Foto: Michael Kappeler/dpa
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Ehemaliger US-Präsident Barack Obama kommt am Freitag nach Berlin

Der frühere US-Präsident Barack Obama landet am Freitagabend in Berlin. Auch die Kanzlerin will ihn treffen. Da werden Erinnerungen wach.

Die Begeisterung war grenzenlos, als der Hoffnungsträger der Demokraten im Juli 2008 seine erste große Rede in Berlin hielt. Da war es auch nicht weiter schlimm, dass Barack Obama nicht, wie er es sich eigentlich gewünscht hatte, am Brandenburger Tor reden konnte. Mit seiner Strahlkraft brachte er auch die Siegessäule zum Leuchten. Rund 200.000 Menschen hatten sich im Tiergarten versammelt, um die 25-minütige Rede zu hören.

Anspielend auf Ernst Reuters große Rede rief er: „Völker der Welt, schaut auf Berlin!“ Von der Luftbrücke bis zum Mauerfall interpretierte er die Nachkriegsgeschichte der Stadt als Beweis für die Durchsetzungskraft der Freiheit. Er bekannte sich zum Klimaschutz zwecks gemeinsamer Rettung des Planeten, zu nuklearer Abrüstung und zu mehr Engagement in Afghanistan. Lange her.

Als gewählter Präsident durfte er 2013 dann endlich eine große Rede vor dem Brandenburger Tor halten, allerdings unter Sicherheitsvorkehrungen von bis dahin ungeahnten Ausmaßen. Der damalige Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, hätte das Spektakel gut von seinem Büro am Pariser Platz aus verfolgen können, durfte er aber nicht, eben wegen der Sicherheit. Also ging er, wie die anderen handverlesenen 4000 Zuhörer auch, durch die Sicherheitsschleuse an der Friedrichstraße und musste dort sogar das Mandelhörnchen abgeben, das er sich als Proviant eingesteckt hatte.

Ähnlich ging es der noch gut gefüllten Flasche Designer-Parfüm einer Society-Dame. Egal, trotz brüllender Hitze war die Stimmung locker und gut. Unter den Gästen waren Schüler der John-F-Kennedy-Schule, die sich Buttons mit dem Konterfei von Kennedy und dessen Spruch „Ich bin ein Berliner“ angesteckt hatten.

Ebenfalls dabei waren Rosinenbomber-Pilot Gail Halvorsen, der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Obamas Halbschwester Auma, die in Berlin an der Deutschen Film- und Fernsehakademie studiert hatte und die Stadt also gut kannte. Seine eher intellektuelle Ansprache wurde von vielen Seiten gelobt.

Im Jahr 2016 galt für den Berlin-Besuch von Barack Obama die höchste Sicherheitsstufe. Foto: Maurizio Gambarini/dpa Vergrößern
Im Jahr 2016 galt für den Berlin-Besuch von Barack Obama die höchste Sicherheitsstufe. © Maurizio Gambarini/dpa

Viel Herzlichkeit beim Berlin-Besuch 2017

Peter Altmaier freute sich über das Bekenntnis des US-Präsidenten zu einem globalen Klimaschutzpaket, Klaus Wowereit betonte anschließend, es sei deutlich geworden, dass die deutsch-amerikanische Freundschaft über Generationen weg Bestand habe, und der damalige Außenminister Guido Westerwelle lobte Obamas Abrüstungsinitiative.

Der Präsident zog sich, weil es so heiß war, sogar lässig das Jackett aus. Am Abend ging das leider nicht. Da hatte Angela Merkel ausnahmsweise mal zusammen mit Professor Joachim Sauer den Präsidenten und seine Frau Michelle zum Dinner geladen, und zwar ins Schloss Charlottenburg.

Ob dieser Abend zu einer Anekdote wurde? Die kleinen Boxen, die da müde gegen die brütende Hitze anfauchten, müssen den an gut funktionierende Klimaanlagen gewöhnten Amerikanern recht exotisch vorgekommen sein. Die Töchter durften derweil in den besser gekühlten Arkaden am Potsdamer Platz shoppen. Trotz der damals grassierenden Enttäuschung über die NSA-Abhöraffäre war die Stimmung bei diesem Besuch gut, wenn auch nicht ganz so überbordend wie beim ersten Mal. Niemand konnte ahnen, was im deutsch-amerikanischen Verhältnis noch kommen würde.

Obamas Worte bei seinem Abschiedsbesuch in Berlin hätte man unter diesen Vorzeichen wohl noch viel mehr genießen müssen. Da sprach er von der EU als eine „der größten Errungenschaften der Welt“ und lobte Merkel als „herausragende Partnerin“ für die USA. Wenn er Deutscher wäre, sagte er damals, würde er sie bei der Bundestagswahl unterstützen.

Dass er bei seinem Besuch als Kandidat nicht vor dem Brandenburger Tor sprechen durfte, hat dem Verhältnis der beiden offensichtlich nie geschadet. Wie herzlich es war, davon konnten sich die Besucher beim Kirchentag im Mai vor zwei Jahren überzeugen. Da sprach er auf der Bühne am Brandenburger Tor mit der Kanzlerin über das Spannungsfeld von Demokratie, Macht und Religiosität.

Ein Bad in der Menge nach seiner Rede an der Siegessäule im Jahr 2008 - damals als Präsidentschaftskandidat der Demokraten. Foto: Wolfgang Kumm/dpa Vergrößern
Ein Bad in der Menge nach seiner Rede an der Siegessäule im Jahr 2008 - damals als Präsidentschaftskandidat der Demokraten. © Wolfgang Kumm/dpa

Townhall-Meeting mit Jugendlichen geplant

Damals konnten 80 000 Besucher zuhören und erleben, wie gut sich Barack Obama und Angela Merkel verstanden. Ein bisschen Wahlkampfhilfe war natürlich auch dabei. Anschließend gab’s dann ein gut klimatisiertes Zwei-Sterne-Essen im „Lorenz Adlon Esszimmer“. Die Sicherheit war deutlich entspannter, weil er ja schon nicht mehr im Amt war.

Am Freitagabend wird Obama von Köln kommend in Berlin anreisen – wieder auf Einladung von Angela Merkel, die ihn zu einem Gespräch treffen will. Das allerdings sei vertraulich, heißt es. Gut möglich, dass er wieder im Adlon wohnt. Aber so was wird schon aus Sicherheitsgründen nie bestätigt.

Über das Townhall-Meeting, bei dem er mit ausgewählten Jugendlichen diskutieren will, die vorab Fragen einreichen konnten, wurde bislang wenig bekannt. Auch das hat wohl mit Sicherheit zu tun. Von der US-Botschaft war nichts zu dem Besuch zu erfahren, außer dass dem früheren Präsidenten alle Höflichkeiten und Serviceangebote gewährt würden, die in einem solchen Fall vorgesehen seien. Das erste Townhall-Meeting eines US-Präsidenten in Berlin fand übrigens 1978 statt.

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